DGB-NRW Rentenreport 2024 mit alarmierenden Zahlen für Köln veröffentlicht: Kölner Renten reichen für die teure Stadt immer seltener aus – DGB fordert grundlegende Reform der Alterssicherung

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Ordnungsnummer 31

Die aktuellen Daten der Deutschen Rentenversicherung zu den Altersrentenzugängen 2024 zeigen ein auf den ersten Blick irritierendes Bild für Köln. Während Frauen mit durchschnittlich 971,69 Euro monatlicher Altersrente im oberen Drittel Nordrhein-Westfalens liegen (Platz 15 von 53 Regionen), erreichen Männer lediglich 1.235,08 Euro und landen damit abgeschlagen auf Platz 50 von 53. Der Abstand der Kölner Männer zum NRW-Durchschnitt beträgt fast 165 Euro im Monat. (-11,8% hinter Durchschnitt, 22% hinter Maximum NRW)

Für den DGB Köln ist dies ein alarmierendes Signal. Denn diese Rentenhöhen reichen immer seltener aus, um in einer Stadt wie Köln den Lebensstandard im Alter zu sichern.

„Wer heute in Köln auf eine Altersrente von 1.235 Euro oder 972 Euro angewiesen ist, spürt jeden Monat die Realität einer teuren Großstadt. Hohe Mieten, steigende Mobilitätskosten, teurere Restaurantbesuche und Eintrittspreise für Kulturangebote führen dazu, dass viele Rentnerinnen und Rentner am gesellschaftlichen Leben nur noch eingeschränkt teilnehmen können“, erklärt Witich Roßmann, Vorsitzender des DGB Stadtverbandes Köln.

Besonders auffällig ist das geringe Rentenniveau der Kölner Männer im NRW-Vergleich. Dies darf allerdings nicht vorschnell als Ausdruck geringer Einkommen verstanden werden. Köln ist geprägt von Hochschulen, Verwaltung, Polizei, freien Berufen und Dienstleistungen. Viele gutverdienende Juristen, Ärzte und andere Angehörige freier Berufe sind in eigenen, exklusiven Versorgungswerken abgesichert. Hinzu kommt ein hoher Anteil von Beamtinnen und Beamten, deren Pensionen nicht in die gesetzliche Rentenstatistik einfließen. Dadurch erscheinen in der gesetzlichen Rentenversicherung vergleichsweise weniger Personen mit hohen Alterseinkünften.

Gleichzeitig zeigen die vergleichsweise guten Werte der Kölner Frauen, dass die höhere weibliche Erwerbstätigkeit in Großstädten langfristig zu höheren eigenen Rentenansprüchen führt als im ländlichen Raum. Dennoch liegen weiblichen Rentenhöhen deutlich unter dem Niveau, das für ein sorgenfreies Leben in Köln erforderlich wäre.

DGB gegen Anhebung des Rentenalters und gegen die Kapitalmarktrente

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über die Vorschläge der Rentenkommission bekräftigt der DGB Köln seine Ablehnung einer weiteren Anhebung des Renteneintrittsalters.

Der DGB fordert die Beibehaltung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren. Wer sein gesamtes Erwerbsleben lang Beiträge gezahlt habe, dürfe nicht durch spätere Renteneintritte oder zusätzliche Abschläge bestraft werden.

Kritisch bewertet der DGB auch die vorgeschlagene kapitalgedeckte Zusatzrente.

„Es ist nicht zu verantworten, den Faktor Arbeit durch zusätzliche Pflichtbeiträge für eine Kapitalmarktrente weiter zu belasten. Unsere Industrie steht bereits unter Druck durch hohe Energiepreise, internationale Konkurrenz und den digitalen Strukturwandel. Zusätzliche Belastungen gefährden Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Witich Roßmann.

Es darf nicht sein, dass die Höhe der späteren Leistungen von Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten abhängt. Gleichzeitig müssten Beschäftigte und Unternehmen die zusätzlichen Beiträge sofort aufbringen, stellen also eine zusätzliche Belastung der jüngeren Generationen dar.

Hinzu kommt ein weiterer grundlegender Nachteil: Während die gesetzliche Rente heute an die Lohnentwicklung gekoppelt ist und damit dynamisch steigt, wäre der kapitalmarktbasiert finanzierte Rentenanteil im Wesentlichen ein fester Auszahlungsbetrag. Inflation und Preissteigerungen würden dessen Kaufkraft über die Jahre erheblich entwerten.

DGB fordert grundlegende solidarische Rentenreform 

Eine Reform der Rentenversicherung darf nicht in den engen Grenzen des heutigen Systems mit Ausnahmen für gutverdienende Ärzte, Juristen mit exklusiven Versorgungswerken gedacht werden.

Ziel müsse ein einheitliches Rentensicherungssystem sein, in das alle Erwerbstätigen einzahlen:

  • Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,
  • Selbständige,
  • Freiberufler,
  • Abgeordnete,
  • weitere bisher nicht einbezogene Gruppen.

Der DGB verweist dabei auf Österreich, wo deutlich größere Teile der Erwerbsbevölkerung in ein gemeinsames Rentensystem einbezogen sind und deutlich höhere Renten gezahlt werden. Deutschlands Renten dürfen nicht länger am westeuropäischen Ende stehen.

Darüber hinaus fordert der DGB, dass gesellschaftlich notwendige, aber nicht beitragsgedeckte Leistungen konsequent und vollständig aus Steuermitteln finanziert werden, anstatt damit nur die gesetzliche Rentenversicherung zusätzlich zu belasten.

„Es kann nicht sein, dass allein Beschäftigte und Unternehmen immer höhere Lasten zur Finanzierung der Alterssicherung tragen, während Kapitaleinkommen steuerlich privilegiert bleiben und große Vermögen vielfach nahezu steuerfrei vererbt werden. Die gewaltigen Erbschaften der kommenden Jahre sind nicht allein das Ergebnis individueller Leistung. Sie wurden über Generationen hinweg von Millionen Erwerbstätigen mit erarbeitet – in den Betrieben, Verwaltungen, Schulen und Hochschulen dieses Landes. Wer von großen Vermögensübertragungen und hohen Kapitaleinkommen profitiert, muss deshalb auch einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung einer solidarischen und generationengerechten Alterssicherung leisten“, erklärt Witich Roßmann.

„Deutschland braucht keine Börsenrente, sondern eine starke solidarische Rentenversicherung. Alle Erwerbstätigen müssen sich an ihrer Finanzierung beteiligen. Nur so schaffen wir langfristig stabile Renten und verhindern Altersarmut“, so Roßmann abschließend.

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