Der Fachkräftemangel ist real. Und die Erkenntnis, dass das Potenzial von Frauen für die Zukunft des Arbeitsmarktes unverzichtbar ist, ist längst überfällig. Doch haben Frauen im Erwerbsleben die gleichen Chancen wie Männer? Nein!
Aus gewerkschaftlicher Sicht ist klar: Mehr Frauen in Beschäftigung, Ausbildung, Führung und bislang männlich geprägten Berufen stärken sowohl Wirtschaft als auch Gesellschaft. Entscheidend ist jedoch, dass Frauen nicht nur als „Lösung“ für den Fachkräftemangel betrachtet werden, sondern, dass sie gleiche Chancen auf gute Arbeit, faire Bezahlung und berufliche Entwicklung erhalten.
Bei unserer gemeinsamen Veranstaltung mit der Arbeitsgruppe „Frauenerwerbstätigkeit stärken“* wurden Mitte Juni Frauen, Unternehmen und Arbeitsmarktakteure in Düsseldorf deshalb zusammengebracht, um neue Wege in Beschäftigung, Weiterbildung und beruflichen Wiedereinstieg zu eröffnen. In den Gesprächen und an den Round Tables wurde deutlich, wie sehr sich die teilnehmenden Frauen bei der Jobsuche persönliche Kontakte zu potenziellen Arbeitsgebenden und auf sie zugeschnittene Modelle wünschen. Die Realität zeigt auch: Viele Arbeitgeber*innen wollen das Erwerbspotenzial von Frauen nutzen, tun aber viel zu wenig dafür. Nicht so die eingeladenen Best-Practice-Unternehmen: Sie nutzten dabei die Gelegenheit zu zeigen, wie sie Frauen gezielt fördern und die Vereinbarkeit von Familie und Privatleben ermöglichen. Davon braucht es mehr!
Viele Frauen arbeiten unterhalb ihrer Qualifikation, da sie nach Familienphasen Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg haben oder sich von männerdominierten Berufen abschrecken lassen. Gleichzeitig bestehen in Unternehmen häufig Vorbehalte gegenüber flexiblen Arbeitszeiten oder Erwerbsbiografien von Frauen. Diese Probleme sind nicht individuell, sondern strukturell. Solange Frauen den Großteil der Sorgearbeit übernehmen, Betreuungsangebote fehlen und flexible Arbeitsmodelle häufig Karrieren bremsen, bleiben viele Potenziale ungenutzt.
Die Veranstaltung bringt jedes Jahr Frauen und Unternehmen in direkten Austausch. Unternehmen berichten vor Ort von ihren positiven Erfahrungen mit Teilzeitmodellen, Familienfreundlichkeit und einer offenen Unternehmenskultur. Das deckt sich mit gewerkschaftlichen Erfahrungen: Wo Beschäftigte ihre Arbeit mit Familie und Privatleben vereinbaren können, steigen Zufriedenheit, Bindung und Leistungsfähigkeit.
Die gute Resonanz auf das Format „Unternehmen sucht Frau“ zeigt, dass persönlicher Austausch, Beratung und Vernetzung wichtige Instrumente sind, um Frauen neue berufliche Perspektiven zu eröffnen und ihnen Mut für den Arbeitsmarkt mitzugeben. Die Frauen gehen mit der Erfahrung heraus, dass ihre Kompetenzen gefragt sind. Der direkte Austausch auf Augenhöhe baut dabei erste Unsicherheiten ab, öffnet Perspektiven und stärkt das Selbstvertrauen der Frauen.
Frauen verändern Wirtschaft. Es ist an der Zeit! Nicht gleich, sondern jetzt müssen Frauen die gleichen Chancen im Erwerbsleben bekommen wie Männer. Das passiert nicht von allein.
In dem Rahmen wollen wir auf unsere DGB-Kampagne: „Gleichstellung jetzt umsetzen!“ verweisen. Der Datenreport hat ein umfassendes Bild geliefert, wie Frauen in NRW im Erwerbsleben benachteiligt werden. Für weitere Infos: nrw.dgb.de/ueber-uns/frauen/gleichstellung-jetzt-umsetzen/
*Die Institutionen der AG sind: Agentur für Arbeit Düsseldorf, Competentia – Kompetenzzentrum Frau und Beruf Düsseldorf/Kreis Mettmann, DGB Düsseldorf, Handwerkskammer Düsseldorf, IHK Düsseldorf, Jobcenter Düsseldorf, Stadt Düsseldorf, Unternehmerschaft Düsseldorf und Umgebung e.V.
Fotos: Christina Weber, www.weberbusinessfotografie.de