Gute Arbeit. Gute Rente. Auch in Rhein-Berg.
DGB fordert: Gesetzliche Rente stärken, Betriebsrente für alle und kein höheres Renteneintrittsalter
Die gesetzliche Rente sichert für viele Menschen im Rheinisch-Bergischen Kreis keinen angemessenen Lebensstandard im Alter. Das zeigt der aktuelle Rentenreport des DGB NRW. Besonders Frauen, Beschäftigte mit niedrigen Einkommen und Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten können, sind von Altersarmut bedroht.
Die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung zeigen auch im Rheinisch-Bergischen Kreis deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern: Männer, die 2024 erstmals eine Altersrente bezogen, erhielten durchschnittlich 1.465,29 Euro im Monat. Frauen kamen auf lediglich 1.009,04 Euro. Damit liegt die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen bei rund 456 Euro monatlich. Zwar liegen die durchschnittlichen Renten damit über dem NRW-Niveau von 1.399 Euro bei Männern und 936,23 Euro bei Frauen, sie sind aber trotzdem kein Garant für ein auskömmliches Leben, wenn Miete, Energie und andere Lebenshaltungskosten bezahlt werden müssen.
„Wer im Alter ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen ist, gerät schnell finanziell unter Druck. Das gilt besonders dann, wenn keine Betriebsrente vorhanden ist, kein abbezahltes Wohneigentum zur Verfügung steht oder die Lebenshaltungskosten nicht mit einer Partnerin oder einem Partner geteilt werden können“, erklärt Damian Warias, Gewerkschaftssekretär der DGB-Region Köln-Bonn.
Was heute verdient wird, entscheidet über die Rente von morgen. Die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern ist dabei kein Zufall. Niedrigere Einkommen, häufigere Teilzeitbeschäftigung und familienbedingte Unterbrechungen der Erwerbsarbeit führen dazu, dass Frauen über ihr gesamtes Erwerbsleben hinweg weniger Rentenansprüche aufbauen.
„Die Unterschiede bei den Renten sind ein Spiegel des Arbeitsmarktes. Wer über Jahrzehnte weniger verdient, in Teilzeit arbeitet oder seine Erwerbstätigkeit für die Familie unterbrechen muss, bekommt im Alter weniger Rente. Deshalb ist Rentenpolitik immer auch Arbeitsmarkt- und Gleichstellungspolitik“, so Warias und ergänzt: „Rhein-Berg ist eine Pendlerregion und zugleich ein wichtiger Wirtschaftsstandort. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass Menschen hier und in der gesamten Region gute, tarifgebundene und sozialversicherungspflichtige Arbeit finden. Denn gute Löhne und gute Arbeitsbedingungen sind die beste Vorsorge gegen Altersarmut“, betont Warias.
Länger arbeiten ist keine Lösung
Der Rentenreport zeigt außerdem: Viele Beschäftigte erreichen das gesetzliche Renteneintrittsalter aus gesundheitlichen Gründen gar nicht. In Nordrhein-Westfalen lag das durchschnittliche Zugangsalter bei einer Erwerbsminderungsrente 2024 bei 53,66 Jahren für Frauen und 54,52 Jahren für Männer. Viele Menschen scheiden damit aus gesundheitlichen Gründen rund zehn Jahre vor dem regulären Renteneintritt aus dem Erwerbsleben aus. Psychische Erkrankungen waren dabei 2024 die häufigste Ursache für eine Erwerbsminderung.
„Viele schaffen es schon heute nicht gesund bis zur Regelaltersgrenze. Deshalb ist es falsch, das Rentenalter pauschal weiter anzuheben oder an die Lebenserwartung zu koppeln. Eine solche Politik geht an der Lebensrealität vieler Beschäftigter vorbei und droht zur Rentenkürzung durch die Hintertür zu werden“, sagt Judith Gövert, Regionsgeschäftsführerin der DGB-Region Köln-Bonn. „Auch die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren ist falsch. Wer 45 Jahre lang Beiträge gezahlt hat, muss auch künftig zwei Jahre früher abschlagsfrei in Rente gehen können.“
Der DGB fordert, die gesetzliche Rente zu stärken, das Rentenniveau dauerhaft zu stabilisieren und perspektivisch wieder anzuheben. Zusätzlich müsse eine verpflichtende betriebliche Altersversorgung für alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eingeführt werden, an der sich Arbeitgeber verbindlich beteiligen. Auch der Versichertenkreis der gesetzlichen Rentenversicherung müsse ausgeweitet werden. Der DGB NRW betont zudem, dass höhere Erwerbsbeteiligung und mehr tarifgebundene, fair bezahlte Arbeitsplätze entscheidend sind, um die Einnahmen der Rentenversicherung zu stärken.
„Die gesetzliche Rente muss wieder das leisten, wofür sie geschaffen wurde: Sie muss nach einem langen Arbeitsleben ein Leben in Würde und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Dafür brauchen wir gute Löhne, starke Tarifverträge und eine starke gesetzliche Rente. Und wir brauchen eine zusätzliche betriebliche Absicherung, die nicht davon abhängt, ob jemand zufällig in einem Unternehmen mit guten Leistungen arbeitet“, erklärt Gövert und fasst zusammen: „Eine auskömmliche Rente ist der verdiente Gegenwert für ein langes Arbeitsleben.“
Hintergrund: Die im Rentenreport zusammengestellten Zahlen stammen von der Deutschen Rentenversicherung und beziehen sich auf das Jahr 2024. Den vollständigen Rentenreport des DGB NRW finden Sie hier:
Rentenreport des DGB NRW 2026