Mieten in Mönchengladbach in den letzten 10 Jahren um 65,4 Prozent gestiegen – DGB fordert Mietenstopp!
„Wohnen darf kein Luxus sein – doch genau das wird es in Mönchengladbach zunehmend", sagt Patrick Stock, DGB-Stadtverbandsvorsitzender Mönchengladbach. „Die Mieten steigen rasant, während Löhne und Renten kaum hinterherkommen. Energiepreis-Schocks und Inflation verschärfen die Lage für viele Menschen zusätzlich. Die Bundesregierung hat die Chance verpasst, den Mieter*innen mit einem sechsjährigen Mietenstopp Luft zum Atmen zu verschaffen."
Der DGB hat die Mietpreissteigerungen der letzten 10 Jahre ausgewertet. Kostete ein Quadratmeter 2016 noch 5,99 Euro, mussten Anfang 2026 bereits 9,91 Euro gezahlt werden*. Das ist ein Anstieg um 65,4 Prozent. Die Energiepreissteigerungen und die Inflation der letzten Jahre haben die Situation für viele Mieterinnen und Mieter zusätzlich verschärft. „Wenn das so weitergeht, verlieren immer mehr Menschen ihr Zuhause oder werden aus ihren Vierteln verdrängt", betonte Annemarie Benke, DGB-Gewerkschaftssekretärin.
Wer kann sich Wohnraum noch leisten?
„Die Mönchengladbacher Mieten kann sich kaum eine Verkäuferin oder ein Zugbegleiter mehr leisten. Lohnsteigerungen werden dadurch direkt wieder aufgefressen. Ein Mietenstopp allein reicht hier nicht aus. Es braucht eine wirksame Mietpreisbremse sowie die Ahndung von Mietwucher, um den Wohnungsmarkt zu entlasten. Außerdem brauchen wir mehr öffentlichen und sozialen Wohnungsbau, am besten durch die Einführung einer neuen Wohnungsgemeinnützigkeit. Die Kommunen müssen zudem Investoren bei Neubauprojekten stärker auf das Gemeinwohl verpflichten. Bund, Länder und Kommunen müssen wieder stärker ihre Verantwortung als Anbieter von preiswertem, öffentlichem Wohnraum annehmen“, so Patrick Stock.
Hinzukommt, dass seit Jahren bekannt ist, dass die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Mönchengladbach überdurchschnittlich hohe Wohnnebenkosten tragen müssen. Eine 2024 veröffentlichte Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), die bundesweit bereits große mediale Aufmerksamkeit erhielt, zeigt: Im Vergleich der 100 größten deutschen Städte belegt Mönchengladbach bei den Nebenkostenarten Grundsteuer, Abfallgebühren und Abwassergebühren den letzten Platz. Damit zählt die Stadt in diesen Bereichen zu den teuersten Kommunen Deutschlands. Für die Menschen in der Stadt bedeuten diese hohen Belastungen eine spürbare Einschränkung im Alltag. Ein großer Teil des Einkommens muss damit für Mieten und Wohnnebenkosten aufgewendet werden. Dadurch bleibt weniger Geld für den täglichen Lebensunterhalt, Bildung, Mobilität oder auch die eigene Altersvorsorge.
Stillstand bei Bauvorhaben– wem nützt das eigentlich?
Vom 3. bis 5. Juli finden bundesweit Aktionstage für einen Mietenstopp statt. Im Rahmen dessen will der DGB auf ein besonderes Grundstück in Mönchengladbach hinweisen: die Aachener Straße 3-13. Das Bauvorhaben in zentraler Lage zeigt exemplarisch, wie schleppend einzelne Wohnungsbauprojekte in Mönchengladbach vorankommen. Bereits 2019 wurde das Grundstück für ein Wohnprojekt mit 85 Wohneinheiten vergeben. Trotz Abriss der Bestandsgebäude und der Ankündigung einer besonders schnellen modularen Bauweise sind die Wohnungen auch Jahre später nicht bezugsfertig. Gerade in Zeiten eines angespannten Wohnungsmarktes sind derartige Verzögerungen problematisch. Dieses Grundstück steht sinnbildlich für viele weitere Grundstücke in der Stadt, die für Spekulationen genutzt werden und solange brach liegen. „Wer die Mieten wirksam begrenzen will, muss gleichzeitig dafür sorgen, dass bereits geplante Wohngebiete schneller entwickelt werden – mit einem hohen Anteil dauerhaft bezahlbarer Wohnungen. Wohnen ist ein Grundrecht und keine Geduldsprobe“, macht Annemarie Benke deutlich.
*Quelle: Die verwendeten Daten zur Mietpreisentwicklung stammen aus der empirica Preisdatenbank (VALUE Marktdaten) und bilden Angebotsmieten im Median ab – sie spiegeln die aktuelle Marktdynamik direkter wider als die Bestandsmieten.
Weitere Informationen zur Kampagne „Mietenstopp" unter: www.mietenstopp.de