Rentenreport des DGB: Gute Renten sind kein Zufall
Leverkusen profitiert von tarifgebundener Industrie – DGB Leverkusen fordert eine starke gesetzliche Rente, verpflichtende Betriebsrenten und kein höheres Renteneintrittsalter
Leverkusen gehört bei den Altersrenten von Männern zu den Spitzenkommunen in Nordrhein-Westfalen. Für den DGB Leverkusen ist das kein Zufall, sondern das Ergebnis einer starken Industrie, guter Löhne und einer hohen Tarifbindung. Gleichzeitig zeigt der aktuelle Rentenreport des DGB NRW: Für viele Menschen reicht die gesetzliche Rente dennoch nicht aus, um den Lebensstandard im Alter zu sichern. Besonders Frauen, Beschäftigte im Niedriglohnsektor und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sind von Altersarmut bedroht. „Frauen erhielten 2024 in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich nur 936 Euro Altersrente. In Leverkusen lag die durchschnittliche Altersrente von Frauen mit rund 1.015 Euro zwar höher, doch auch das reicht für viele nicht für eine auskömmliche Alterssicherung“, erklärt Damian Warias, Gewerkschaftssekretär der DGB-Region Köln-Bonn. „Die Rentenlücke ist die Folge ungleicher Einkommen, häufiger Teilzeit und familienbedingter Erwerbsunterbrechungen. Deshalb brauchen wir mehr Tarifbindung, gleiche Bezahlung und existenzsichernde Löhne.“
Bei den Männern lag die durchschnittliche Altersrente in Leverkusen 2024 bei rund 1.575 Euro und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt. „Leverkusen zeigt, dass gute Tarifverträge und starke Gewerkschaften nicht nur für faire Löhne sorgen, sondern auch für bessere Renten“, betont Jens Scheumer, Vorsitzender des DGB Leverkusen und Betriebsratsmitglied im Chempark. „Gleichzeitig macht der große Unterschied zwischen den Renten von Frauen und Männern deutlich, dass wir mehr Entgeltgerechtigkeit und eine stärkere Tarifbindung brauchen.“
Der Rentenreport zeigt außerdem, dass viele Beschäftigte das gesetzliche Renteneintrittsalter aus gesundheitlichen Gründen gar nicht erreichen. Im Jahr 2024 lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Nordrhein-Westfalen bei 64,84 Jahren für Frauen und 64,66 Jahren für Männer. Erwerbsgeminderte scheiden sogar rund zehn Jahre früher aus dem Berufsleben aus. „Eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters wäre deshalb sozialpolitisch der falsche Weg. Für viele Beschäftigte würde sie einer Rentenkürzung gleichkommen, weil sie gesundheitlich gar nicht länger arbeiten können“, sagt Nicole Ilbertz, stellvertretende Vorsitzende des DGB Leverkusen.
Kritisch bewertet der DGB Leverkusen die Empfehlungen der Rentenkommission, die kapitalgedeckte Altersvorsorge weiter auszubauen. Für den DGB muss die gesetzliche Rentenversicherung auch künftig das Fundament der Alterssicherung bleiben. „Eine verlässliche Altersvorsorge darf nicht von den Schwankungen der Finanzmärkte abhängen. Statt die private Kapitaldeckung auszubauen, brauchen wir eine starke gesetzliche Rentenversicherung und eine verpflichtende betriebliche Altersversorgung für alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Arbeitgeber müssen sich daran verbindlich beteiligen“, betont Nicole Ilbertz.
Positiv bewertet der DGB Leverkusen hingegen den Vorschlag, den Kreis der Beitragszahlenden zu erweitern. „Die Einbeziehung von Selbstständigen, Abgeordneten sowie Minijobberinnen und Minijobbern stärkt die Solidarität und sorgt für eine langfristig stabile Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung. Wer arbeitet, muss vom ersten verdienten Euro an Rentenansprüche erwerben und sich darauf verlassen können, im Alter von seiner Arbeit leben zu können“, so Ilbertz abschließend.
Hintergrund: Die im Report zusammengestellten Zahlen stammen von der Deutschen Rentenversicherung und beziehen sich auf das Jahr 2024. Den kompletten Rentenreport des DGB NRW können Sie hier einsehen: Rentenreport | DGB Nordrhein Westfalen