Deutscher Gewerkschaftsbund

30.10.2019
Gesetzlicher Mindestlohn und Branchenmindestlöhne

Was ändert sich 2020 beim Mindestlohn?

Stand: 30. Oktober 2019

Münze mit Prägung des Schriftzugs Mindestlohn

DGB/Bartolomiej Pietrzyk/123RF.com

Gesetzlicher Mindestlohn im Jahr 2020: 9,35 Euro

Der gesetzliche Mindestlohn beträgt seit dem 1.1.2019 9,19 Euro pro Stunde. Laut Mindestlohngesetz wird der gesetzliche Mindestlohn alle zwei Jahre neu festgelegt. Im Juni 2018 hat die Mindestlohn-Kommission empfohlen, den gesetzlichen Mindestlohn in zwei Schritten zu erhöhen, so dass er sowohl 2019 als auch 2020 erhöht wird, bzw. erhöht wurde. Die Bundesregierung ist diesem Vorschlag im Oktober 2018 per Verordnung gefolgt. Der gesetzliche Mindestlohn beträgt somit seit dem 1. Januar 2019 9,19 Euro. Er wird zum 1. Januar 2020 auf 9,35 Euro angehoben.

Allgemeiner Gesetzlicher Mindestlohn
1.1.2015 -
31.12.2016
1.1.2017 -
31.12.2018
1.1.2019 - 31.12.2019 1.1.2020 - 31.12.2020
8,50 Euro 8,84 Euro

9,19 Euro

9,35 Euro


Wie geht's weiter?

Die Mindestlohn-Kommission wird Mitte 2020 eine Empfehlung für die weitere Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns ab 1.1.2021 aussprechen. Sofern die Bundesregierung dieser Empfehlung zustimmt und per entsprechender Verordnung umsetzt, wird diese Empfehlung dann der neue gesetzliche Mindestlohn ab 2021.

Welche Mindestlohn-Ausnahmen gelten noch in 2020?

Hände eines Mannes umfassen ein "Achtung/Vorsicht"-Verkehrsschild

Colourbox.de

Der gesetzliche Mindestlohn gilt weiterhin NICHT für:

  • Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung.
  • Auszubildende – unabhängig von ihrem Alter – im Rahmen der
    Berufsausbildung (Hinweis: Im Zuge der Reform des Berufsbildungsgesetzes ist häufdig von der Einführung eines "Mindestlohns für Azubis" die Rede. Die korrekte Bezeichnung für dieses Mindestengelt für Auszubildende ist aber "Mindestausbildungsvergütung" und nicht zu verwechseln mit dem gesetzlichen Mindestlohn. Mehr Informationen zur Mindestausbildungsvergütung).
  • Langzeitarbeitslose während der ersten sechs Monate ihrer
    Beschäftigung nach Beendigung der Arbeitslosigkeit.
  • Praktikanten, wenn das Praktikum verpflichtend im Rahmen einer
    schulischen oder hochschulischen Ausbildung stattfindet.
  • Praktikanten, wenn das Praktikum freiwillig bis zu einer Dauer
    von drei Monaten zur Orientierung für eine Berufsausbildung oder
    Aufnahme eines Studiums dient.
  • Jugendliche, die an einer Einstiegsqualifizierung als Vorbereitung zu
    einer Berufsausbildung oder an einer anderen Berufsbildungsvor-
    bereitung nach dem Berufsbildungsgesetz teilnehmen.
  • ehrenamtlich Tätige.

Daneben galt bei Einführung des Mindestlohngesetzes für Tarifverträge, die Löhne unter dem gesetzlichen Mindestlohn vorsehen, eine Übergangsfrist. Diese Frist ist inzwischen aber längst ausgelaufen. Deshalb gilt: In keiner Branche darf 2020 (abgesehen von den oben genannten Personengruppen) weniger gezahlt werden als es der gesetzliche Mindestlohn vorsieht.


Branchen-Mindestlöhne im Jahr 2020: Mehrere Mindestlöhne steigen

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Ge­werkschaften und Arbeitgebern in einem Tarif­vertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Branchen-Mindestlöhne gelten für alle Betriebe der Branche – auch für die, die nicht tarifgebunden sind. Übersicht aller aktuellen Branchen-Mindestlöhne.

Erhöhungen von Branchen-Mindestlöhnen zum 1.1.2020:

In mehreren Branchen steigen die Branchen-Mindestlöhne zum 1. Januar 2020:

Branche Branchen-Mindestlohn bisher Branchen-Mindestlohn ab 1.1.2020
Berufliche Aus- und Weiterbildung    
- Pädagogische Mitarbeiter 15,72 Euro 16,19 Euro

- Pädagogische Mitarbeiter mit Bachelor-Abschluss

15,79 Euro 16,39 Euro
Elektrohandwerk 11,40 Euro 11,90 Euro*
Gebäudereinigerhandwerk    
- Innen- und Unterhaltsreinigung

10,56 Euro (West)
10,05 Euro (Ost)

10,80 Euro (West)
10,55 Euro (Ost)
- Glas- und Fassadenreinigung 13,82 Euro (West)
12,83 Euro (Ost)
14,10 Euro (West)
13,50 Euro (Ost) 
Geld- und Wertdienste    

Baden-Württemberg

   
- Geld- und Werttransport 16,22 Euro* 17,11*
- Geldbearbeitung 13,91 Euro* 14,80*
Bayern    
- Geld- und Werttransport 16,22 Euro* 17,11 Euro*
- Geldbearbeitung 14,28 Euro* 15,03 Euro*
Bremen, Hamburg    
- Geld- und Werttransport 15,90 Euro* 16,79 Euro*
- Geldbearbeitung 13,91 Euro* 14,80 Euro*
Hessen    
- Geld- und Werttransport 15,90 Euro* 16,79 Euro*
- Geldbearbeitung 14,28 Euro* 15,03 Euro*
Niedersachsen    
- Geld- und Werttransport 16,52 Euro* 17,41 Euro*
- Geldbearbeitung 13,91 Euro* 14,80 Euro*
Nordrhein-Westfalen    
- Geld- und Werttransport 17,25 Euro* 18,00 Euro*
- Geldbearbeitung 14,28 Euro* 15,03 Euro*
Rheinland-Pfalz, Saarland    
- Geld- und Werttransport 14,91 Euro* 15,80 Euro*
- Geldbearbeitung  11,80 Euro* 12,69 Euro*
Schleswig-Holstein    
- Geld- und Werttransport 13,79 Euro* 14,68 Euro*
- Geldbearbeitung 11,80 Euro* 12,69 Euro*
Ost inkl. Berlin    
- Geld- und Werttransport 13,53 Euro* 14,42 Euro*
- Geldbearbeitung 11,27 Euro* 12,16 Euro*
Pflegebranche    
West inkl. Berlin 11,05 Euro 11,35 Euro
Ost 10,55 Euro

10,85 Euro

* Allgemeinverbindlichkeit noch nicht erteilt.
Weitere feststehende Erhöhungen zu späteren Zeitpunkten im Laufe des Jahres 2020:

In anderen Branchen erhöhen sich die Branchen-Mindestlöhne in 2020 nicht bereits zum Jahresanfang, sondern zu einem späteren Zeitpunkt:

Branche Branchen-Mindestlohn
bisher

Branchen-Mindestlohn
neu in 2020

Maler- und Lackiererhandwerk    
West, Berlin, Ost
- ungelernter Arbeitnehmer
10,85 Euro 11,10 Euro; ab 5/2020
West inkl. Berlin
- Geselle
13,30 Euro 13,50 Euro; ab 5/2020
Ost
- Geselle
12,95 Euro 13,50 Euro; ab 5/2020
Steinmetz- und
Steinbildhauerhandwerk
11,85 Euro* 12,20 Euro*; ab 5/2020

* Allgemeinverbindlichkeit noch nicht erteilt.

Quelle: WSI-Tarifarchiv

Alle Angaben ohne Gewähr.


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