Tarifverhandlungen im Einzelhandel gescheitert
Die 1. Verhandlungsrunde für rund 139.700 Beschäftigte im Berliner und 80.000 Beschäftigte im Brandenburger Einzelhandel endete am 1. Juni 2026 ohne Annäherung. Die ver.di-Tarifkommissionen bewerten das Arbeitgeberangebot als völlig unzureichend und respektlos.
6 Monate ohne Lohnerhöhung
Die Arbeitgeber bieten für das Jahr 2026 zunächst 6 Monate keine Lohnerhöhung an. Anschließend soll das Entgelt um lediglich 2 Prozent steigen. Für eine Verkäuferin nach dem 7. Berufsjahr in Vollzeit bedeutet dies nur 63 Euro brutto mehr im Monat. In Berlin würde die Erhöhung erst im Dezember 2026 greifen, in Brandenburg sogar erst 2027.
2. Erhöhung erst 2027
Eine 2. Lohnsteigerung von 1,5 Prozent sieht das Angebot erst nach 3 weiteren Nullmonaten im Jahr 2027 vor. Das entspricht einem Lohnplus von nur 49 Euro brutto im Monat, wirksam zum 1. September 2027 in Berlin und zum 1. Oktober 2027 in Brandenburg.
Ver.di kritisiert Angebot scharf
Die Gewinne im Einzelhandel sind laut Statistischem Bundesamt zwischen 2005 und 2023 um 49 Prozent gestiegen. Angesichts einer Inflation von 2,6 Prozent und steigender Benzinpreise stehe den Beschäftigten das Wasser bis zum Hals.
Milliardengewinne bei niedrigen Löhnen
Der Einzelhandel erwirtschaftete 2025 einen Gesamtumsatz von rund 823 Milliarden Euro und erzielte Gewinne von rund 25 Milliarden Euro. Ausgebildete Verkäuferinnen und Verkäufer verdienen nach 7 Berufsjahren in Vollzeit lediglich 3.172 Euro brutto im Monat. Knapp zwei Drittel der Beschäftigten (65 Prozent in Brandenburg, 59 Prozent in Berlin) arbeiten zudem häufig unfreiwillig in Teilzeit. Betroffen sind überwiegend Frauen, deren Einkommen oftmals nicht ausreicht.
Streiks angekündigt
In Berlin ist die Friedenspflicht bereits ausgelaufen, in Brandenburg endet sie am 30. Juni 2026. Nach dem gestrigen Angebot bereitet sich der Berliner Einzelhandel auf Streiks vor. In Brandenburg sind Arbeitskampfmaßnahmen nach Ablauf der Friedenspflicht geplant. Der nächste Verhandlungstermin findet am 23. Juni 2026 statt.
Forderungen von ver.di
ver.di fordert 7 Prozent mehr Entgelt, mindestens jedoch 222 Euro pro Monat, ein tarifliches Mindestentgelt von 14,90 Euro pro Stunde in den unteren Entgeltgruppen, 150 Euro mehr Ausbildungsvergütung pro Monat sowie eine Laufzeit des Tarifvertrages von 12 Monaten.