Deutscher Gewerkschaftsbund

11.05.2019
Schwerpunkt zum Muttertag 2019

Studien zeigen: Frauen bei Familien- und Hausarbeit im Nachteil

Verschiedene Studien zeigen: Frauen leisten deutlich mehr unbezahlte Arbeit in Haushalt und Familie als Männer – auch, wenn beide Partner in einer Beziehung berufstätig sind. Das bedeutet auch finanzielle Nachteile für die Frauen.

Am morgigen Muttertag wird es in vielen Familien Blumen und "Helfen im Haushalt"-Gutscheine für Mütter geben. Das sind mit Sicherheit schöne Gesten - doch viele Frauen sind übers gesamte Jahr gesehen bei Familien- und Hausarbeit immer noch deutlich im Nachteil. Das muss sich ändern.

Mann liegt auf Sofa, schaut Fernsehen und isst Chips, Frau arbeitet im Haushalt

DGB/Katarzyna Białasiewicz/123RF.com

Frauen arbeiten deutlich mehr unbezahlt - auch bei eigener Erwerbstätigkeit

Eine aktuelle Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO kommt zum Ergebnis: Frauen leisten pro Tag 4 Stunden und 26 Minuten unbezahlte Arbeit im Haushalt und in der Familie, Männer nur 1 Stunde und 48 Minuten. Das ist der Durchschnitt in 41 untersuchten Ländern, darunter alle EU-Staaten.

Deutschland liegt dabei mit 4 Stunden und 29 Minuten unbezahlter Familien- und Hausarbeit von Frauen pro Tag sogar knapp überm Schnitt aller untersuchten Länder. Ungleich verteilt ist diese unbezahlte Arbeit auch, wenn sowohl die Frau als auch der Mann in einer Beziehung berufstätig sind: Rechnet man die bezahlte Erwerbsarbeit und die unbezahlte Arbeit zusammen, kommen Frauen laut der ILO-Studie auf 55 Wochenarbeitsstunden, Männer auf 49.

Finanzielle Nachteile und Karrierenachteile für Frauen – auch Nachteile bei der Alterssicherung

Zu einem ähnlichen Ergebnis war bereits 2017 eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) gekommen. Sie zeigte, dass Frauen im Alter von 18 bis 64 Jahren 2,4 mal so viel Zeit für unbezahlte Fürsorgearbeit und 1,6 mal so viel Zeit für Hausarbeit verwenden wie Männer derselben Altersgruppe. Die HBS-Studie machte außerdem deutlich: Viel Zeit für Familie und Haushalt – das geht oft nur, wenn die Arbeitszeit im Beruf entsprechend reduziert wird. Fast jede zweite Frau in Deutschland arbeitet in Teilzeit. Bei Müttern ist Vollzeitarbeit die Ausnahme, bei Vätern dagegen die Regel. Das wiederum wirkt sich auf das Einkommen, die Karriere und die Alterssicherung von Frauen aus: In allen Bereichen stehen sie hinter den Männern zurück.

Frauen haben finanzielle Nachteile durch Elternzeit

Ein aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung aus dieser Woche zeigt zudem: Wenn Frauen in Deutschland in Elternzeit gehen, müssen sie nach der Rückkehr in den Job mit erheblichen Lohneinbußen rechnen. Frauen übernehmen in Deutschland immer noch einen Großteil der Elternzeit in den ersten Lebensjahren der Kinder.

Um eine partnerschaftliche Arbeitsteilung zu fördern und so Vorurteile gegenüber erwerbstätigen Müttern abzubauen, empfehlen die Autorinnen der Studie unter anderem die Partnermonate bei der Elternzeit zu verlängern und ein Recht auf Familienarbeitszeit einzuführen, bei der beide Partner ihre Arbeitszeit reduzieren.

 


Nach oben

Weitere Themen

Imp­fung ge­gen Co­ro­na – wie ist das aus ge­werk­schaft­li­cher Sicht zu be­wer­ten?
Spritze undImpfstoff vor verschwommenen Hintergrund
DGB/Anawat Sudchanham/123rf.com
Die aktuelle Lage ist sehr ernst – die Inzidenzzahlen steigen von Tag zu Tag rapide und eine Überlastung des Gesundheitssystems droht. Impfen ist und bleibt der Königsweg aus der Pandemie. Der große Abstand in den Infektions- und Hospitalisierungszahlen von Geimpften und Ungeimpften zeigt deutlich: Ungeimpfte setzen sowohl sich selbst als auch indirekt ihre Mitmenschen einem unnötig großen Infektionsrisiko und letztlich auch Sterberisiko aus.
weiterlesen …

Co­ro­na-Imp­fung und was Be­schäf­tig­te da­zu wis­sen müs­sen
Ärztin mit Spritze
DGB/Simone M. Neumann
In Deutschland wird gegen Corona geimpft. Wir beantworten, was Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jetzt wissen müssen.
zur Webseite …

Co­ro­na-Kin­der­kran­ken­geld: Wer es be­komm­t, wie es be­an­tragt wird
Vater mit zwei kleinen Kindern, staubsaugen gemeinsam den Küchenboden
Colourbox.de
Eltern, die wegen Kita-Schließungen oder Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie ihre Kinder betreuen müssen, können dafür jetzt Kinderkrankengeld beziehen. Pro Elternteil gibt es 30 Tage ab dem ersten Kind im Jahr 2021, für Alleinerziehende 60. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften haben seit Monaten mehr Unterstützung für Eltern in der Krise gefordert. Das zusätzliche Kinderkrankengeld für Eltern ist kurzfristig ein Schritt in die richtige Richtung, reicht jedoch nicht aus.
weiterlesen …

Co­ro­na als Be­rufs­krank­heit? Bei der Ar­beit an CO­VI­D-19 er­krankt
Drei Bauarbeiter*innen / Handwerker*innen mit Schutzhelm und Mund-Nasen-Schutz; blicken mit verschränkten Armen nach links
DGB/123rf.com/visoot
Wer auf der Arbeit an Corona erkrankt, sollte dies als Berufserkrankung, bzw. als Arbeitsunfall bei der Unfallversicherung melden. Infos zu Anerkennung und Co.
weiterlesen …

Min­dest­lohn 2022: Was än­dert sich?
Münze mit Prägung des Schriftzugs Mindestlohn
DGB/Bartolomiej Pietrzyk/123RF.com
Wie hoch ist der Mindestlohn 2022? Wann wird er erhöht? Und welche Ausnahmen gelten beim Mindestlohn in 2022? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
weiterlesen …

Co­ro­na: Al­les, was Be­schäf­tig­te jetzt wis­sen müs­sen
Mikroskopaufnahme Corona-Viren
DGB/Kateryna Kon/123rf.com
Die Corona-Pandemie hält an. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stellen sich immer wieder neue Fragen. Wir haben die wichtigsten Antworten.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …