Deutscher Gewerkschaftsbund

18.09.2019
Arbeitsmarkt aktuell 4/2019

Neue Trends und alte Probleme

Gesetzliche Änderungen zeigen erste Wirkungen

Immer mehr Leiharbeiter und Leiharbeiterinnen werden in reguläre Beschäftigungsverhältnisse übernommen: Eine positive Entwicklung, die aus einer aktuellen DGB-Analyse hervorgeht. Sie zeigt aber auch: Leiharbeit bleibt eine prekäre Beschäftigung. Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist sechsmal höher als bei allen anderen Beschäftigungsformen.

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© Industrieblick / Fotolia.com

Rund 890.000 Menschen in Deutschland sind als Leiharbeiter oder Leiharbeiterin beschäftigt. Das sind deutlich weniger als noch im letzten Jahr: Im Juni 2018 lag die Zahl bei 1,023 Millionen. Das zeigt die neue Ausgabe des "Arbeitsmarkt aktuell" des DGB. Danach hat der Rückgang nicht nur konjunkturelle Gründe - und längst nicht jeder und jede, die in diesem Bereich beschäftigt war, ist arbeitslos geworden. Im Gegenteil: "Immer mehr Leiharbeitnehmende werden von den Entleihern fest in die Betriebe übernommen", kommentiert DGB-Vorstand Annelie Buntenbach die neuen Zahlen. "Das eine erfreuliche Entwicklung."

Und ein Indiz dafür, dass die gesetzlichen Änderungen wirken. 2017 wurde die maximale Dauer, für die ein Beschäftigter an einen Betrieb ausgeliehen werden darf, auf 18 Monate begrenzt. Außerdem ist nun rechtlich festgeschrieben, dass Leiharbeitnehmer nach spätestens neun Monaten genauso bezahlt werden müssen wie die Stammbelegschaft ("Equal Pay").

Doch trotz aller Verbesserungen bleibt Leiharbeit eine prekäre Beschäftigung, so Buntenbach. "Gerade mehren sich die Zeichen für eine wirtschaftliche Abkühlung. Leiharbeitende sind wieder die ersten, die das bitter zu spüren bekommen. Ihr Risiko, arbeitslos zu werden, ist sechsmal höher als das aller anderen Beschäftigten."

Arbeitsmarkt aktuell

Das Wichtigste in Kürze
  • Aktuell gehen die Zahlen der Beschäftigten in Leiharbeit deutlich zurück. Bei schwächelnder Konjunktur werden Leiharbeiter*innen immer noch als erste entlassen.
  • Allerdings steigen die Arbeitslosmeldungen aus Leiharbeit nicht so stark an, wie der Rückgang der Beschäftigung erfolgt.
  • Dies ist ein Indiz dafür, dass die gesetzlichen Änderungen zur Höchstüberlassungsdauer seit April 2017 wirken und mehr Leiharbeiter*innen in Beschäftigung beim Entleihbetrieb wechseln.
  • Allerdings bleibt Leiharbeit eine prekäre Beschäftigung, das Risiko arbeitslos zu werden ist sechsmal höher, als bei allen Beschäftigungsformen.
  • Die meisten Leiharbeiter*innen werden weiterhin auf Helferniveau beschäftigt (54 Prozent). Ausländische Beschäftigte und Jüngere sind in der Leiharbeit überrepräsentiert.
  • Leiharbeiter*innen sind nicht geringqualifiziert (61 Prozent verfügen über einen Berufsabschluss), arbeiten aber oft unterhalb ihrer erworbenen Qualifikation.
  • Leiharbeitsfirmen haben bislang keinen Anreiz, in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten zu investieren, obwohl diese z.T. durch die Bundesagentur für Arbeit gefördert werden kann.
  • Der Anteil der Leiharbeiter*innen, die Hartz IV aufstocken müssen, ist im langjährigen Vergleich von 10 auf 5 Prozent gesunken.
  • Der Lohnabstand zu anderen Beschäftigten ist in der Leiharbeit immer noch stark ausgeprägt. Leiharbeiter*innen verdienen bei jedem Anforderungsniveau ca. 500 bis 600 Euro weniger als der Durchschnitt.
Arbeitsmarkt aktuell 04/2019. Leiharbeit - neue Trends und alte Probleme (PDF, 514 kB)

Gliederung: Das Wichtigste in Kürze. 1. Leiharbeit geht deutlich zurück 2. Leiharbeit in der Pflege 3. Leiharbeit ist weiterhin instabile Beschäftigung mit hohem Risiko, arbeits-los zu werden 4. Struktur der Beschäftigung 5. Leiharbeit ist Arbeitsmarkt für Geflüchtete 6. Arbeitsentgelte in der Leiharbeit 7. Fazit


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