Deutscher Gewerkschaftsbund

01.10.2019
Arbeitsmarkt: Zahl des Monats

Fachkräfte in der Leiharbeit verdienen 600 Euro weniger

Lohnentwicklung nach wie vor unbefriedigend

Immer wieder neue Einsatzorte, Abläufe und Kollegen: Von Beschäftigten in der Leiharbeit wird ein hohes Maß an Flexibilität verlangt. Auszahlen tut sich das nicht: Je nach Qualifikation und Tätigkeit haben Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer bis zu 650 Euro im Monat weniger auf dem Konto als andere Beschäftigte, die auf einem ähnlichen Niveau arbeiten. Das muss sich dringend ändern.

Hand an offener Geldbörse mit Euro-Scheinen

DGB/Vladyslav Starozhylov/123rf.com

Rund 890.000 Menschen in Deutschland sind als Leiharbeiter oder Leiharbeiterin beschäftigt. Um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern, wurden 2017 neue gesetzliche Regelungen eingeführt - mit unterschiedlichem Erfolg. Während die Änderungen zur Höchstüberlassungsdauer erste positive Ergebnisse zeigen, ist die Lohnentwicklung bzw. die Angleichung der Löhne noch unbefriedigend. Bei ähnlichen Anforderungen verdienen Beschäftigte in der Leiharbeit mehrere Hundert Euro weniger im Monat als andere Beschäftigte.

Das liegt unter anderem daran, dass es Strukturunterschiede gibt, die die Gruppe der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter von anderen Beschäftigten unterscheidet. Doch auch wenn man diese Unterschiede berücksichtigt, bleibt der Lohnabstand groß - vor allem bei hochqualifitierten Experten. Die mittleren Verdienste von Fachkräften in der Leiharbeit sind 601 niedriger als allgemein.

Bereinigter Lohnabstand nach Anforderungsniveau
Anforderungsniveau Lohnabstand pro Monat in Euro (Median)
Helfer 621
Fachkräfte 601
Spezialisten 560
Experte 645

 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Bereinigter Pay Gap von Leiharbeitnehmern, Januar 2019.

Text: Zahl des Monats - 601 Euro weniger als andere verdienen Fachkräfte in der Leiharbeit

Große Unterschiede zwischen den Branchen

Innerhalb bestimmter Tätigkeitsfelder in Industriebereichen mit relativ hohen Lohnniveaus sind die Unterschiede zum Teil noch bedeutender. In den klassischen Niedriglohnbereichen hingegen ist der Lohnabstand zur Leiharbeit niedrig. So beträgt der Unterschied im Objekt/Wachschutz nur 8,2 Prozent, in der Altenpflege 7 Prozent und in der Reinigung 6,5 Prozent. Gastronomieservicekräfte und Köche verdienen als Leiharbeiterin oder Leiharbeiter im Durchschnitt sogar mehr als die Stammbeschäftigten.

Unternehmen profitieren von Flexibilität

Von Leiharbeitern wird eine hohe Flexibilität erwartet, sie müssen oft ihren Einsatzort wechseln. Jede neue Beschäftigung erfordert Einarbeitung, Anpassung an Sicherheitsvorschriften, Umgang mit anderen Betriebsstrukturen und anderen Kolleginnen und Kollegen. Durch diese Flexibilität profitieren in hohem Maße die Verleih- und Entleihunternehmen. Für die Beschäftigten zahlt sie sich in der Regel nicht aus. Im Gegenteil: Sie verdienen oft mehrere Hundert Euro pro Monat weniger als andere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Forderungen des DGB

Für den DGB sind Lohnabstände in dieser Höhe nicht hinehmbar. Er fordert in den aktuellen Tarifverhandlungen für die Leiharbeit

  • Erhöhung der Entgelte um 8,5 Prozent
  • höheres Urlaubs- und Weihnachtsgeld
  • Verbesserung der Zuschlagsregelungen
  • mehr Urlaubstage.

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