Deutscher Gewerkschaftsbund

05.04.2017
Arbeitsrecht

Kündigung, Krankheit, Tod: Was passiert mit dem Urlaubsanspruch?

Die wichtigsten Infos und Regelungen

Wer arbeitet, braucht auch mal eine Auszeit. Laut Gesetz stehen jedem Beschäftigten deshalb mindestens vier Wochen Erholungsurlaub im Jahr zu - mit Tarifvertrag sind es oft auch deutlich mehr. Doch was passiert, wenn etwas dazwischen kommt - eine Krankheit zum Beispiel oder ein Jobwechsel?

Frau pustet in eine Pusteblume

DGB/Michael Simons/123rf.com

Krank im Urlaub

Wer krank ist, kann sich nicht erholen - und Erholung ist der Zweck des Urlaubs. Das ist im Bundesurlaubsgesetz geregelt. Deshalb gehen Urlaubstage durch Krankheit nicht verloren. Wichtig ist allerdings, dass Beschäftigte den Arbeitgeber so schnell wie möglich informieren, falls sie während des Urlaubs krank werden.

Wenn die Arbeitsunfähigkeit durch ein ärztliches Attest belegt ist, werden die entsprechenden Tage nicht auf den Jahresurlaub angerechnet und können später nachgeholt werden. Der Zeitpunkt dafür muss jedoch, wie bei jedem anderen Urlaub, mit dem Chef abgesprochen werden. Wer den Urlaub eigenmächtig um die Krankheitstage verlängert, riskiert schlimmstenfalls eine Kündigung - wegen Selbstbeurlaubung.

Übertragung bei längerer Krankheit

Normalerweise gilt: Urlaub aus dem Vorjahr muss bis zum 31. März genommen werden. Wenn jemand über einen längeren Zeitraum erkrankt ist und seinen Uraub deshalb nicht im laufenden Jahr nehmen kann, verlängert sich diese Frist um ein Jahr. Das heißt: Urlaubstage aus 2017, die krankheitsbedingt nicht genommen werden können, verfallen erst am 31.03.2019, nicht schon am 31.03.2018. Damit soll sichergestellt werden, dass der Anspruch nicht untergeht, wenn Arbeitnehmer auch über den Jahreswechsel hinaus krank sind. Rechtliche Grundlage dafür sind entsprechende Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs.

Resturlaub bei Kündigung

Wenn Beschäftigte aus dem Unternehmen ausscheiden, müssen sie vorher ihren Urlaub nehmen. Eine Auszahlung der restlichen Urlaubstage ist nur in Ausnahmefällen möglich - weil der Urlaub laut Gesetz der Erholung dient und nicht dazu, ein zusätzliches Einkommen zu erzielen. Deshalb haben Beschäftigte in der Regel auch keine Chance sich zu wehren, wenn der Arbeitgeber sie zusammen mit der Kündigung freistellt. Das Argument, sie hätten den Urlaub lieber zu einem anderen Zeitpunkt genommen, zählt in diesem Fall nicht. 

Formular Urlaubsantrag

DGB/Nils Volkmer/123rf.com

Wartezeit bei Neueinstieg

Wer neu in einem Unternehmen anfängt hat, wie jeder andere Mitarbeiter, Recht auf bezahlten Urlaub. Laut Bundesurlaubsgesetz muss man jedoch sechs Monate warten, bis man Anspruch auf den gesamten Jahresurlaub hat. Das heißt aber nicht, dass es vorher keinen Urlaub gibt: Beschäftigte können für jeden vollen Monat, den sie im Betrieb sind, ein Zwölftel ihres Jahresurlaubs geltend machen. Wenn jemand also zum Beispiel Anfang Januar anfängt und 30 Tage Jahresurlaub hat, darf er im April acht Tage zu Hause bleiben. Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen halben Tag ergeben, werden dabei auf einen vollen Tag aufgerundet.

Urlaubsanspruch bei Jobwechsel

Dasselbe gilt, wenn Beschäftigte vor Ablauf der Wartezeit oder innerhalb der ersten Jahreshälfte aus dem Betrieb ausscheiden: Auch dann steht ihnen für jeden vollen Monat, den er gearbeitet hat, ein Zwölftel des Jahresurlaubs zu. Geht man erst in der zweiten Jahreshälfte, kann man laut Gesetz den kompletten Jahresurlaub beanspruchen. Dieses Recht kann allerdings durch Arbeits- und Tarifverträge abgewandelt werden. Wenn es dort entsprechende Regelungen gibt, kann der Urlaub auch bei einem Ausscheiden in der zweiten Jahreshälfte nur anteilig gewährt werden.

Über den Tod hinaus

Was viele nicht wissen: Selbst wenn ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin stirbt, geht der Anspuch auf Jahresurlaub nicht verloren. Die Hinterblieben können für die Tage, die der oder die Verstorbene nicht mehr nehmen konnte, vom Arbeitgeber einen finanziellen Ausgleich verlangen. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Nationale Gesetze oder Gepflogenheiten, nach denen der Urlaubsanspruch untergehe, wenn das Arbeitsverhältnis durch den Tod des Arbeitnehmers ende, seien nicht mit EU-Recht vereinbar, so die Richter.


Nach oben

Weitere Themen

Echt ge­recht – so­li­da­risch durch die Kri­se!
Farbfläche mit Wort-Bild-Marke, Text: Echt gerecht - Solidatisch
DGB
Die steigenden Preise treffen uns mit voller Wucht. Wir Gewerkschaften haben für Entlastungen wie Strompreisdeckel, Abschöpfen von Zufallsgewinnen oder Einmalzahlungen für Rentner*innen und Studierende gekämpft. Doch die bisher beschlossenen Hilfen greifen zu langsam oder sind immer noch unklar. So muss jetzt umgehend nachgebessert werden.
weiterlesen …

Für ei­ne neue Zeit der Ge­stal­tung
Gruppenbild Stefan Körzell, Yasmin Fahimi, Elke Hannack, Anja Piel
DGB/Gordon Welters
Der DGB hat die politischen Schwerpunkte für das Jahr 2023 vorgestellt. Mit Blick auf die Krise infolge des schrecklichen Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine verwies die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi auf die Leistungsfähigkeit des Staates und die wertvolle Kooperation von Sozial- und Tarifpartnern, durch die es gelungen sei, für Stabilität zu sorgen und den wirtschaftlichen Absturz zu verhindern.
Zur Pressemeldung

Was än­dert sich 2023?
Hand zeigt auf Würfel mit Jahreszahl 2023
DGB/fokusiert/123RF.com
Auch 2023 gibt es Neuerungen, die Arbeitnehmer*innen, Versicherte und Leistungsempfänger*innen betreffen. Das Bürgergeld wird erstmals eingeführt und auch beim Kindergeld und in der Rente gibt es wichtige Änderungen. Was sich sonst noch ändert und was Sie künftig beachten müssen, haben wir in einem Überblick zusammengestellt.
weiterlesen …

Was ha­ben Ge­werk­schaf­ten in der Kri­se für dich er­reicht?
Foto mit Farbfläche und echtgerecht-Logo. Auf dem Foto ist die DGB-Fahne im Vordergrund und viele Gewerkschaftsmitglieder demonstrierend im Hintergrund zu sehen.
DGB/Christian Plambeck
Die Welt ist im Krisen-Dauermodus: Energiekrise, Klimakrise, ein Krieg in Europa, hohe Inflation und die Auswirkungen der Corona-Pandemie bereiten allen Menschen Sorgen. Gewerkschaften stehen auf der Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Welche Erfolge haben wir erreicht? Was bringt unser Einsatz in der Krise konkret für dich?
weiterlesen …

Wohn­geld und mehr: Die­se Ent­las­tun­gen brau­chen Mie­ter*in­nen
Hellgrüne Icons von einem Hochhaus und einem Einfamilienhaus auf petrolfarbenem Hintergrund
DGB
Die Mehrheit der Mieter*innen muss in den kommenden Monaten mit deutlich höheren Abschlägen und gestiegenen Betriebskosten für Strom und Heizen rechnen. Hier erfahren, was der DGB fordert, damit nicht Millionen von Haushalten die Kündigung des Mietvertrages oder die Sperrung von Strom oder Gas drohen.
weiterlesen …

Von Ab­schlags­zah­lung bis Gas­preis­de­ckel: Die wich­tigs­ten In­fos
Hellgrüner Topf mit offenem Deckel. Zwischen Deckel und Topf Euromünze, die schmilzt
DGB
Die Bundesregierung, der Bundestag und der Bundesrat haben Energiepreisbremsen (Gas, Fernwärme, Strom) auf den Weg gebracht. Hier erfahren Sie alles, was Sie rund um die Energiepreisbremsen wissen müssen.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
einblick DGB-Infoservice hier abonnieren
DGB/einblick
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …