Deutscher Gewerkschaftsbund

22.09.2016
klartext 35/2016

Forderungen Tarifrunde Leiharbeit: 6 Prozent mehr und Ost-West-Angleichung

Trotz einer insgesamt guten Entwicklung der deutschen Wirtschaft sind drei Prozent der Beschäftigten als Leiharbeiter angestellt. Und sie verdienen in etwa ein Drittel weniger als die Stammbelegschaft. Die Gewerkschaften wollen deshalb sechs Prozent mehr Lohn und gleiche Löhne in Ost und West.

Logo Tarifrunde Leiharbeit 2016/17

DGB

Die DGB-Tarifgemeinschaft fordert in der Tarifrunde Leiharbeit 2016/17:

  • Erhöhung der Löhne in der Leiharbeit von 6 %,
  • mindestens aber 70 Cent pro Arbeitsstunde sowie
  • Angleichung der Löhne in Ost an das Westniveau.
Grafik Ost-West-Angleichung nach Arbeitsort

Klares Ergebnis der DGB-Befragung unter Beschäftigten in der Leiharbeit im Vorfeld der anstehenden Tarifrunde: Eine überwältigende Mehrheit ist für die Ost-West-Angleichung der Löhne. Grafik: DGB

Der deutschen Wirtschaft geht es insgesamt gut. Der Arbeitsmarkt ist robust und die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse nimmt kontinuierlich zu. Das sind erfreuliche Nachrichten. Doch diese Entwicklung zeigt auch Begleiterscheinungen. So ist die Zahl der Leiharbeitsverhältnisse hierzulande deutlich angestiegen. Im Dezember 2015 waren insgesamt 951.000 Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer beschäftigt. So viel wie nie zuvor. Damit liegt der Anteil an der Gesamtbeschäftigung bei knapp 3 %.

Das Instrument der Leiharbeit bietet Unternehmen Möglichkeiten zur Abdeckung von Auftragsspitzen und kurzfristigen Personalbedarfen. Allerdings ist immer wieder zu beobachten, dass Leihbeschäftigte oft dauerhaft auf dem gleichen Arbeitsplatz eingesetzt werden. Schlechtere Arbeitsbedingungen, erhöhtes Kündigungsrisiko, Unsicherheit und ständig wechselnde Einsatzorte prägen das Bild der Leiharbeit. In dieser Situation empfinden viele Leihbeschäftigte die schlechtere Bezahlung im Vergleich zur Stammbelegschaft als zusätzliche Strafe. Fakt ist: Leiharbeit ist vor allem Niedriglohnarbeit. Etwa ein Drittel verdienen Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter weniger als die Stammbelegschaft in denselben Betrieben - bei gleicher Arbeit und Tätigkeit. Die Tarifverträge der DGB-Tarifgemeinschaft sowie die Branchentarifverträge einiger Gewerkschaften wollen diese Situation verändern. In der anstehenden Tarifrunde fordern die Gewerkschaften, die Beschäftigten in der Leiharbeit angemessen an der wirtschaftlichen Entwicklung zu beteiligen. Die DGB-Tarifgemeinschaft fordert deshalb eine Erhöhung der Löhne in der Leiharbeit von 6 %, mindestens aber 70 Cent pro Arbeitsstunde sowie die Angleichung der Löhne in Ost an das Westniveau. Auch 26 Jahre nach der Wiedervereinigung klafft eine gravierende innerdeutsche Verdienstlücke. Dies ist nicht mehr tragbar.

Leihbeschäftigte wollen Angleichung der Löhne in Ost und West

Rückenwind hierfür gibt es von den Betroffenen selbst. Eine vom DGB durchgeführte breit angelegte Befragung von Leihbeschäftigten zeigt: Die absolute Mehrheit der Befragten, unabhängig vom Arbeitsort, möchte eine Angleichung der Löhne in Ost und West (siehe Abbildung). Zudem sollen die Löhne der unteren Entgeltgruppen stärker angehoben werden. Das Signal ist klar und die Forderung in der anstehenden Tarifrunde berechtigt.

Von den Lohnerhöhungen profitieren nicht nur die Beschäftigten selbst. Denn höhere Löhne stärken die Kaufkraft und beleben den Konsum. Dies kommt somit der gesamten Wirtschaft zugute. Doch klar ist: Dem Trend ursprünglich normale Arbeitsplätze durch Leiharbeitsverhältnisse zu ersetzen, muss entgegengewirkt werden. Leiharbeit gehört auf die Kernfunktion, die zeitlich begrenzte Deckung eines Arbeitskräftebedarfs, zurückgeführt. Es gilt ebenso, anständige Löhne und gute Arbeitsbedingungen durchzusetzen.



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