Deutscher Gewerkschaftsbund

30.03.2016
Arbeitszeit-Debatte

Arbeitszeiten: Schon heute flexibel und fair möglich

Die Arbeitgeber wollen den Acht-Stunden-Tag kippen. Angeblich sei das Arbeitszeitgesetz zu starr für die Arbeitswelt von morgen. Das ist falsch: Schon heute sind flexible und gleichzeitig faire Arbeitszeitregeln für Beschäftigte möglich. Davon ist DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach überzeugt. Und die betriebliche Praxis gibt ihr Recht.

Frau an Schreibtisch mit Computer und Uhr

Colourbox.de

Buntenbach: Arbeitgeber vergiften Debatte "völlig unnötig"

"Die Arbeitgeber vergiften die Debatte um Arbeiten 4.0 völlig unnötig", sagte Buntenbach dem Handelsblatt. Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), hatte zuvor erneut das Ende des gesetzlich festgelegten Acht-Stunden-Tages ins Spiel gebracht und stattdessen eine Höchstarbeitszeit pro Woche gefordert.

Aus "nine to five" darf nicht 24/7 werden

"Das Arbeitszeitgesetz ermöglicht schon heute ein Höchstmaß an Flexibilität, auch bis zehn Stunden Arbeit am Stück", hält Buntenbach dem entgegen. Der Acht-Stunden-Tag bleibe auch in der digitalisierten Arbeitswelt "eine unabdingbare Voraussetzung für mehr Flexibilität, denn Arbeit braucht auch in Zukunft vernünftige Grenzen", so das DGB-Vorstandsmitglied im Handelsblatt. "Auch wenn viele Beschäftigte nicht mehr 'nine to five' arbeiten, darf daraus nicht 24/7 werden."

Betriebliche Praxis beweist bereits: Flexible Arbeitszeiten problemlos möglich

Die betriebliche Praxis gibt Buntenbach Recht: Die Hans-Böckler-Stiftung hat in einer Datenbank mit hunderten Betriebsvereinbarungen auch dutzende Betriebsvereinbarungen zum Thema "Flexible Arbeitszeit" zusammengetragen. Dort gibt es Beispiele zu

Kontenmodellen,

Langzeitkonten,

Vertrauensarbeitszeit sowie zu

Flexiblen Arbeitszeiten und

Flexiblen Schichtsystemen.

Es gibt in der Datenbank diverse Beispiele für betriebliche Regelungen, die im bestehenden gesetzlichen Rahmen hochflexible Arbeitszeitmodelle mit bis zu neun oder zehn Arbeitsstunden pro Tag ermöglichen – und gleichzeitig faire Ausgleichsregelungen für Beschäftigte enthalten.

Flexibilität bereits heute möglich – und zwar branchenübergreifend

Die Datenbank der Hans-Böckler-Stiftung zeigt auch: Entsprechende Betriebsvereinbarungen gibt es branchenübergreifend sowohl in Industrie- als auch in Dienstleistungsbranchen. Betriebsvereinbarungen sind rechtlich bindende Veträge – gemeinsam ausgehandelt und unterzeichnet von Unternehmensführung und Betriebsrat. Beschäftigte und Arbeitgeber beweisen also längst, dass gemeinsame Lösungen für hochflexible und gleichzeitig faire Arbeitszeiten innerhalb des bestehenden gesetzlichen Rahmens möglich sind. Eine Abkehr vom Acht-Stunden-Tag braucht es dafür nicht.


Nach oben

Weitere Themen

Ex­tre­me Wit­te­rung: Was bei Un­wet­ter, Käl­te und Hit­ze im Job gilt
DGB/Wang Tom/123Rf.com
Extremes Wetter, ob im Sommer oder Winter, stellt Beschäftigte vor besondere Fragen: Wie heiß oder kalt darf es am Arbeitsplatz eigentlich sein? Sind kurze Hose und Flip Flops bei der Arbeit erlaubt? Und muss ich bei Unwetterwarnungen zur Arbeit? Der DGB-Rechtsschutz gibt Antworten.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

... ge­neh­mig­ten Ur­laub wie­der strei­chen?
DGB/siraphol/123rf.com
Der Urlaub wurde schon vor Wochen genehmigt, das Hotel ist gebucht, der Koffer so gut wie gepackt - und dann macht der Chef einen Rückzieher, weil ein großer Auftrag reingekommen oder ein Kollege krank geworden ist. Ist das erlaubt? Und kann er verlangen, dass ich im Notfall meinen Urlaub sogar abbreche?
weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten