Deutscher Gewerkschaftsbund

22.12.2016
Branchen-Mindestlöhne im Überblick

Viele Branchen-Mindestlöhne steigen zum 1. Januar 2017

Stand der Daten: 22. Dezember 2016

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Gewerkschaften und Arbeitgebern in einem Tarifvertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Viele Branchen-Mindestlöhne steigen zum 1. Januar 2017, weitere im Laufe des Jahres.

Rote Ballons mit der Aufschrift "2017", die in den Himmel steigen

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Branchen-Mindestlöhne

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese werden von Ge­werkschaften und Arbeitgebern in einem Tarif­vertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt. Branchen-Mindestlöhne gelten für alle Betriebe der Branche – auch für die, die nicht tarifgebunden sind. Mehr Details zu Branchen-Mindestlöhnen in der Liste weiter unten.

Den jeweils aktuellsten Stand der Branchen-Mindestlöhne nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz und dem Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz finden Sie beim WSI-Tarifarchiv.

Übersicht aller Branchen-Mindestlöhne als PDF

Branchen-Mindestlöhne im Überblick

ABFALLWIRTSCHAFT: Für die rund 175.000 Beschäftigten gilt seit Januar 2016 bundesweit ein Mindestlohn von 9,10 Euro.

AUS- UND WEITERBILDUNG:
Ab 1. Januar 2017 bekommen die rund 30.000 Beschäftigten in der Aus- und Weiterbildung bundesweit einheitlich mindestens 14,60 Euro.

BAUGEWERBE: Ab Januar 2017 darf kein Beschäftigter Branche weniger als 11,30 Euro verdienen.

DACHDECKERHANDWERK: Die etwa 72.000 Beschäftigten erhalten ab Januar 2017 bundesweit mindestens 12,05 Euro pro Stunde. Ab Januar 2017 steigt der Mindestlohn dann auf 12,25 Euro.

ELEKTROHANDWERK: Der Mindeststundenlohn für mehr als 346.000 Beschäftigte beträgt ab 1. Januar 2017 in Westdeutschland 10,65 Euro und 10,40 Euro in Ostdeutschland und Berlin. 2018 wird der Mindestlohn im Elektrohandwerk dann bundeseinheitlich auf 10,95 Euro und ab Januar 2019 auf 11,40 Euro angehoben.

FLEISCHWIRTSCHAFT: In der Fleischindustrie mit ihren rund 80.000 Beschäftigten gilt seit Dezember 2016 ein Mindestlohn von 8,75 Euro.

FORSTLICHE DIENSTLEISTER UND GARTENBAU: Ab Januar 2017 gilt ein bundeseinheitlicher Mindestlohn von 8,60 Euro. Ab November 2017 steigt der Mindestlohn bundesweit auf 9,10 Euro.

FRISEURHANDWERK: Seit 1. August 2015 erhalten FriseurInnen bundesweit mindestens 8,50 Euro pro Stunde. 173.000 Menschen arbeiten in der Branche.

GEBÄUDEREINIGUNG: Für die rund 700.000 Beschäftigten gibt es ab Januar 2017 für die Innen- und Unterhaltsreinigung einen allgemeinverbindlichen Mindestlohn von 10,00 Euro (West inkl. Berlin), beziehungsweise 9,05 Euro (Ost). Für die Glas- und Fassadenreinigung gibt es mindestens 13,25 Euro (West inkl. Berlin), beziehungsweise 11,53 Euro (Ost).

GELD- UND WERTDIENSTE: Ab 1. Januar 2016 gelten für die rund 11.000 Beschäftigten der privaten Geld- und Wertdienstleister folgende Branchenmindestlöhne: Für den Geld- und Werttransport gibt es je nach Bundeland mindestens zwischen 11,24 Euro (Ostdeutschland inkl. Berlin) und 15,73 Euro (Nordrhein-Westfalen). Für die Geldbearbeitung betragen die Branchen-Mindestlöhne je nach Bundesland zwischen 9,33 Euro (Ostdeutschland inkl. Berlin) und 12,92 Euro (Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen). Welcher Wert für welches Bundesland gilt, findet sich in der folgenden PDF des WSI-Tarifarchivs: Übersicht aller Branchen-Mindestlöhne als PDF

GERÜSTBAUERHANDWERK: Der Mindestlohn für die rund 31.000 Beschäftigten beträgt bundesweit 10,70 Euro und steigt im Mai 2017 auf 11,00 Euro.

LEIHARBEIT/ZEITARBEIT: siehe Webseite zur Tarifrunde Leiharbeit 2016/2017 mit aktuellem Tarifabschluss

MALER- UND LACKIERHANDWERK: Ungelernte Arbeiter in der Branche mit rund 115.000 Beschäftigten erhalten bundesweit ab Mai 2016 mindestens 10,10 Euro. Für Gesellen gelten ab diesem Zeitpunkt Mindestlöhne von 13,10 Euro (West), 12,90 Euro (Berlin) und 11,30 Euro (Ost). Für die ungelernten Arbeitnehmer steigt der Mindestlohn im Mai 2017 von 10,10 Euro auf 10,35 Euro, dann im Mai 2018 auf 10,60 Euro, im Mai 2019 auf 10,85 Euro und schließlich im Mai 2020 auf 11,10 Euro.

Hintergrund

Bis Ende 2016 kann mit allgemeinverbindlichen Tarifverträgen vom gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro nach unten abgewichen werden. Ab 2017 gilt dann der Mindestlohn von 8,50 Euro in allen Branchen, selbst wenn ein Tarifvertrag ein niedrigeres Entgelt vorsieht.

PFLEGEBRANCHE: Für die etwa 800.000 Arbeitnehmer gelten ab Januar 2017 Mindestlöhne von 10,20 Euro in Westdeutschland mit Berlin und 9,50 Euro in den neuen Bundesländern.

SCHORNSTEINFEGERHANDWERK:  Bundesweit gilt eine Mindestlohn von 12,95 Euro für die rund 7.500 Beschäftigten.

STEINMETZ- UND STEINHAUERHANDWERK: Für die rund 13.200 Steinmetze und Bildhauer in Deutschland gelten seit Mai 2016 Mindestlöhne von 11,35 Euro (West inkl. Berlin), beziehungsweise 11,00 Euro in Ostdeutschland. Sie steigen im Mai 2017 auf 11,40 (West) und 11,20 (Ost).

TEXTIL- UND BEKLEIDUNGSINDUSTRIE: Seit Januar 2015 gilt in Westdeutschland ein Mindestlohn von 8,50 Euro (ab Januar 2017 gilt dann der neu festgelegte gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro). In Ostdeutschland und Berlin gilt seit November 2016 ein Mindestlohn von 8,75 Euro steigt. Ab 1. Januar 2017 gilt dann in Ostdeutschland und Berlin ebenfalls ein Mindestlohn in der Höhe des neu festgesetzten gesetzlichen Mindestlohns von 8,84 Euro.

WÄSCHEREIDIENSTLEISTUNGEN: Für die rund 34.000 Beschäftigten in Großwäschereien gilt seit Juli 2016 ein bundeseinheitlicher Mindestlohn von 8,75 Euro.

Quellen: Bundesministerium für Arbeit, WSI-Tarifarchiv

 

 

Allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn

Gesetzlicher Mindestlohn steigt ab Januar 2017 auf 8,84 Euro

Die Mindestlohnkommission hat am 28. Juni 2016 in Berlin beschlossen, der Bundesregierung eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 8,84 Euro/Stunde vorzuschlagen. Die Bundesregierung wird nun prüfen, ob sie dieser Empfehlung folgt und den gesetzlichen Mindestlohn per Rechtsverordnung zum 1. Januar 2017 anhebt. Die Bundesregierung hat am 16. Oktober 2016 die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 8,84 Euro pro Stunde zum 1. Januar 2017 beschlossen. Sie setzt damit die Entscheidung der Mindestlohnkommission um.


Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Deutschland ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro, der zum 1. Januar 2017 auf 8,84 Euro steigt. Neben dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es etliche Branchen-Mindestlöhne. Diese Mindestlöhne sind als unterste Lohn- und Gehaltsgruppe von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden (Tarifpartner) in einem Tarifvertrag ausgehandelt worden und liegen vielfach über 8,50 Euro. Die Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn - zum Beispiel für Minderjährige und Langzeitarbeitslose - gelten für diese Branchen-Mindestlöhne nicht.

Auf Antrag der Tarifpartner hat das Bundesarbeitsministerium diese Branchen-Mindestlöhne für allgemeinverbindlich erklärt. Das heißt: Jeder Arbeitgeber der Branche muss diesen Mindestlohn zahlen – auch dann, wenn er nicht Mitglied des Arbeitgeberverbandes ist, der den Tarifvertrag abgeschlossen hat. Allgemeinverbindliche Mindestlöhne gelten für alle Beschäftigten einer Branche, kein Arbeitgeber darf sie umgehen.

Viele Branchen-Mindestlöhne liegen über 8,50 Euro – und das bleibt auch so

Eine wichtige Frage: Gelten die Branchenmindestlöhne, die zum Beispiel im Bauhauptgewerbe über 13 Euro pro Stunde liegen, auch weiter, wenn ab Januar 2015 der gesetzliche Mindestlohn kommt, der ja nur 8,50 Euro beträgt?

Und eine klare Antwort: Ja, die tariflich ausgehandelten Branchenmindestlöhne behalten weiterhin ihre Gültigkeit. Kein Arbeitgeber darf sie mit dem Hinweis auf den gesetzlichen Mindestlohn kürzen.

Mindestlohn-Ausnahmen gelten nicht für Branchen-Mindestlöhne

Eine wichtige Frage: Gelten die Ausnahmen, die für den gesetzlichen Mindestlohn vorgesehen sind, künftig auch für Branchenmindestlöhne?

Und eine klare Antwort: Nein. Die Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn (zum Beispiel für minderjährige Beschäftigte oder Langzeitarbeitslose) gelten nur für den vom Gesetzgeber beschlossenen Mindestlohn. Der gesetzliche Mindestlohn und die tariflich ausgehandelten Branchen-Mindestlöhne sind zwei Paar Schuhe. Was von den Tarifpartnern in den Branchen-Mindestlöhnen ausgehandelt wurde, hat auch weiterhin Bestand – auch für unter 18-Jährige und ehemals langzeitarbeitslose Beschäftigte.


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