15 Millionen Beschäftigte bekommen mehr Geld
Die Löhne aus Tarifverträgen steigen 2026 nach den bisher vorliegenden Vereinbarungen um durchschnittlich 3,1 Prozent. Das ist mehr als im gesamten Jahr 2025. Damals stiegen sie um 2,6 Prozent. Die Preise erhöhten sich im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich um 2,4 Prozent. Für die Beschäftigten bleibt damit bisher ein Plus von 0,7 Prozent.
Die Zahlen stammen aus der Halbjahresbilanz des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung vom 25. August 2026. Die Berechnung für 2026 ist vorläufig. Sie berücksichtigt alle bis zum 30. Juni 2026 vereinbarten Erhöhungen, die im Laufe des Jahres wirksam werden, sowie die Preisentwicklung im 1. Halbjahr.
Tarifverträge schützen die Einkommen
Das WSI warnt vor einer erneuten Belastung der Einkommen. Nach seiner Einschätzung sind die Preise im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg wieder deutlich gestiegen. Tarifverträge müssen deshalb dafür sorgen, dass Beschäftigte nicht erneut an Kaufkraft verlieren, also dass das Einkommen weiter für ähnlich viele Waren und Dienstleistungen reichen muss. Angemessene Lohnerhöhungen sind nach Einschätzung des WSI auch wichtig für die Wirtschaft. Lohnzurückhaltung und sogenannte Nullrunden, also keine Erhöhung der Löhne, bremsen die wirtschaftliche Entwicklung.
Die Verluste durch die hohe Inflation sind noch nicht ausgeglichen
In den Jahren 2021 bis 2023 sanken die Einkommen nach Abzug der Preissteigerungen deutlich. Der Grund war die hohe Inflation. Im Vergleich zum Jahr 2020 haben die Löhne aus Tarifverträgen diese Verluste noch nicht vollständig ausgeglichen.
DGB-Gewerkschaften forderten meist 5 bis 7 Prozent
Die DGB-Gewerkschaften gingen mit klaren Forderungen in die Tarifrunde 2026. In den meisten Branchen verlangten sie zwischen 5 und 7 Prozent mehr Lohn. Besonders hoch war die Forderung in der Landwirtschaft. Dort ging es um 15 Prozent. In dieser Branche verdienen viele Beschäftigte sehr wenig, häufig kaum mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. In der chemischen Industrie gab es keine konkrete Forderung in Prozent. Dort ging es neben höheren Löhnen auch um Regelungen zum Schutz von Arbeitsplätzen. Aktuelle Tarifmeldungen versammelt der DGB-Tarifticker, der wöchentlich über Verhandlungen und Abschlüsse informiert.
Die bisher vereinbarten Tarifverträge sehen im Durchschnitt eine Erhöhung von 5,6 Prozent vor. Sie laufen durchschnittlich 25,9 Monate.
Viele Tarifverhandlungen laufen noch
Für mehr als 15 Millionen Beschäftigte sind bereits Erhöhungen vereinbart, die 2026 wirksam werden. Das Ergebnis für das gesamte Jahr steht jedoch noch nicht fest. In großen Bereichen wie dem Einzelhandel laufen die Verhandlungen noch. In der Metall- und Elektroindustrie beginnen sie erst im Herbst. Die offenen Verhandlungen können das Ergebnis deshalb noch deutlich verändern.
Das WSI rechnet nach den derzeitigen Prognosen weiterhin mit etwas höheren Preissteigerungen. Wie sich die Einkommen am Ende des Jahres entwickeln, hängt deshalb auch von den noch offenen Tarifverhandlungen ab.
Tarifverträge sichern Einkommen. Sie helfen Beschäftigten, sich ihr Leben leisten zu können, und verringern die Unterschiede zwischen hohen und niedrigen Einkommen. Eine hohe Zahl tarifgebundener Arbeitsplätze liegt deshalb im Interesse der gesamten Gesellschaft. Die Politik muss mehr dafür tun, dass Tarifverträge wieder für mehr Beschäftigte gelten.
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