Vereinbarkeit wird zur Zerreißprobe: Mehrheit der Deutschen will kürzere Arbeitszeiten

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Die Debatte um längere Arbeitszeiten geht an der Realität der Beschäftigten vorbei. Das zeigt eine aktuelle Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit. Befragt wurden zwischen Januar und Mai letzten Jahres 6.985 abhängig Beschäftigte zu ihren Arbeitszeitwünschen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das Ergebnis ist eindeutig: Über die Hälfte der Arbeitnehmer*innen (53 Prozent) wünscht sich kürzere Arbeitszeiten. Nur 7 Prozent möchten länger arbeiten.

Vor allem Väter wollen weniger arbeiten

Besonders ausgeprägt ist der Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten bei Männern: 57 Prozent möchten weniger arbeiten, bei Frauen sind es 47 Prozent. Noch deutlicher wird es bei Vätern: Fast zwei Drittel (63 Prozent) würden ihre Arbeitszeit gerne reduzieren. Bei den Müttern sind es 43 Prozent. Jede zehnte Mutter würde hingegen gerne ihre Arbeitszeit ausweiten.

"Die aktuelle Arbeitszeitdebatte geht an der Lebenswirklichkeit von Familien komplett vorbei", kritisiert Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende. "Unsere Ergebnisse zeigen: Die Mehrheit der Arbeitnehmer*innen wünscht sich kürzere Arbeitszeiten. Lange Arbeitstage schaden nicht nur der Gesundheit. Sie erschweren auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erheblich. Gerade für Frauen werden Job, Kinder, Pflege und Haushalt täglich zur Zerreißprobe."

Ein Drittel kämpft mit der Vereinbarkeit

Ein Drittel der Beschäftigten mit Kindern oder Pflegeverantwortung berichtet von regelmäßigen Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bei alleinerziehenden Müttern liegt der Anteil mit 42 Prozent am höchsten. Die Folgen sind gravierend: Beschäftigte, die regelmäßig Vereinbarkeitsprobleme erleben, fühlen sich deutlich häufiger nach der Arbeit leer und ausgebrannt. Der Zusammenhang ist für Frauen besonders ausgeprägt: Mehr als zwei Drittel der Frauen (69 Prozent) mit Vereinbarkeitsproblemen fühlen sich nach der Arbeit häufig oder sehr häufig erschöpft. Bei den Männern ist es die Hälfte.

Verlässlichkeit und Mitbestimmung sind der Schlüssel

Die Befragung zeigt auch, was hilft: "Vereinbarkeit gelingt dann, wenn Arbeitszeiten verlässlich und planbar sind und die Beschäftigten bei deren Ausgestaltung mitbestimmen können", so Hannack. Genau das Gegenteil bewirken die aktuellen politischen Pläne zur sogenannten ‘Flexibilisierung’ des Arbeitszeitgesetzes.

"Deshalb müssen wir die Arbeitszeitsouveränität der Beschäftigten stärken, statt durch die Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit das Weisungsrecht des Arbeitgebers zu erweitern: Mehr Vereinbarkeit statt mehr Verfügbarkeit! Dass sich vor allem Väter kürzere Arbeitszeiten wünschen, unterstreicht: Kürzere Arbeitszeiten und die gerechtere Verteilung unbezahlter Sorgearbeit gehören auf die politische Agenda."

Gesunde Beschäftigte statt entgrenzte Arbeitszeiten

Hannack warnt vor den Folgen einer Ausweitung der Arbeitszeiten: "Wenn Beschäftigte bis zur Erschöpfung arbeiten, steigen nicht die Wachstumskräfte, sondern die Krankenstände und Unfallzahlen. Echtes Wachstum entsteht durch motivierte, gesunde Arbeitskräfte – nicht durch entgrenzte Arbeitszeiten ohne Schutz."
 

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