Arbeitszeit auf Zuruf: Bundesregierung ignoriert Wünsche der Beschäftigten
Nach aktuellen destatis-Zahlen wünschen sich 5,3 Millionen Beschäftigte andere Arbeitszeiten: Vollzeitbeschäftigte möchten ihre Arbeitszeit im Schnitt um rund 11 Stunden pro Woche reduzieren. Teilzeitbeschäftigte möchten im Schnitt rund 11 Stunden mehr arbeiten. Dazu ein Statement von Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende:
"Mit ihrem Vorhaben, die tägliche Höchstarbeitszeit abzuschaffen und stattdessen eine wöchentliche Grenze einzuführen, ignoriert die Bundesregierung hartnäckig die Wünsche der Beschäftigten.
Die Datenlage ist eindeutig: Männer in Vollzeit wollen ihre Arbeitszeit seltener reduzieren als Frauen, während Frauen in Teilzeit ihre Arbeitszeit häufiger als Männer erhöhen wollen. Die Arbeitszeitwünsche sind also nach wie vor maßgeblich von Beschäftigungsform und Geschlecht abhängig, stellt nun erneut das Statistische Bundesamt fest.
Warum das so ist, liegt auf der Hand und lässt sich nicht wegdiskutieren: Unbezahlte Sorge- und Hausarbeit wird nach wie vor überwiegend von Frauen übernommen. Das beeinflusst, wie viel Erwerbsarbeit möglich ist und gewünscht wird.
Das Fachkräftepotenzial vieler Frauen bleibt deshalb ungenutzt. Nötig sind bessere Rahmenbedingungen und Anreize für eine gerechte Aufteilung von Sorge- und Hausarbeit zwischen Männern und Frauen. Erwerbsarbeit muss verlässlich und planbar sein, sie darf Menschen mit Familien- oder Pflegeverantwortung nicht überfordern. So könnten Frauen und Männer bezahlte Erwerbsarbeit und unbezahlte Sorgearbeit fairer teilen. Das würde auch helfen, das errechnete Arbeitszeitdefizit von 0,6 Stunden pro Woche zu vermeiden."