Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie gestartet
Mit dem Auslaufen der Friedenspflicht haben am Sonntag, 1. November, um Mitternacht die ersten Belegschaften die Arbeit niedergelegt. Ein Beispiel ist der Mobilfunk-Komponentenhersteller RF360 in München. Die IG Metall erhöht nun den Druck, und die Streikwelle soll in der kommenden Woche weiter anwachsen.
Arbeitgeber bieten nur 1,3 Prozent
Die Arbeitgeber haben in der zweiten Verhandlungsrunde eine Erhöhung der Monatsentgelte um 1,3 Prozent zum 1. Juli 2028 angeboten. Bei einer Laufzeit von 26 Monaten entspricht das im Schnitt nur 0,6 Prozent pro Jahr, während die Inflation bis zu 3 Prozent betragen kann. Eine Einmalzahlung von 555 bis rund 800 Euro soll es nur in wirtschaftlich gut laufenden Betrieben geben. Im Gegenzug verlangen die Arbeitgeber mehr Differenzierung sowie tarifliche Gespräche über Krankenstände und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
IG Metall fordert 5 Prozent
Die Gewerkschaft fordert 5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem sollen Arbeitsplätze und Standorte gesichert werden. In gut laufenden Unternehmen soll es eine Gewinnbeteiligung geben, Beschäftigte mit niedrigen Einkommen und Auszubildende sollen eine soziale Komponente erhalten. Tarifvorständin Nadine Boguslawski kritisiert, das Angebot bedeute eine Minus-Runde für die Beschäftigten und schwäche die Wirtschaft insgesamt.
Wirtschaftslage ist uneinheitlich
Die Wirtschaftsinstitute haben ihre Prognosen zuletzt deutlich nach oben korrigiert. 62 Prozent der Betriebe melden eine gute bis sehr gute Auslastung. Während die Auto- und Zulieferindustrie schwächelt, profitieren Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik und Elektrotechnik. Die IG Metall betont, dass die hohen Preise die Kaufkraft belasten und dass der private Konsum mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts ausmacht.
Tausende protestieren
In Coburg demonstrierten 3.200 Metaller*innen aus ganz Bayern bereits vor der Verhandlung der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Auch vor den Verhandlungslokalen in anderen Tarifgebieten kam es zu lautstarken Protesten. Die Verhandlungen für rund 3,7 Millionen Beschäftigte werden in 15 Tarifgebieten geführt. Ein Termin für eine dritte Runde wird derzeit geplant.