Deutscher Gewerkschaftsbund

10.02.2017
klartext 6/2017

2016 – Rekordüberschüsse und Reallohnzuwächse

Die deutsche Wirtschaft hat auch 2016 wieder enorme Exportüberschüsse erzielt. Der DGB-klartext warnt vor dauerhaften Überschüssen und fordert vor allem, die Binnennachfrage weiter zu stärken.

Geldscheine mit Münzen

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Nun ist es amtlich: 2016 konnten sich Deutschlands Beschäftigte über ein solides Lohnplus freuen. Im letzten Jahr stiegen die Löhne um 2,3 Prozent, die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent. Die Reallöhne, also die Nominallöhne abzüglich der Inflation, stiegen folglich um 1,8 Prozent. Dies ist der dritthöchste Wert seit dem Jahr 2008 (siehe Abbildung). Vor allem entwickelten sich die Tariflöhne, also die von den Gewerkschaften mit den Arbeitgebern ausgehandelten Löhne gut. 1,8 Prozent mehr Geld tut den Beschäftigten, dem privaten Konsum und dem Bundesfinanzminister gut, der über die Einkommensteuer auch seinen Anteil bekommt. Das ist auch volkswirtschaftlich sinnvoll: Höhere Einkommen stärken die Kaufkraft, beflügeln den heimischen Konsum und sorgen somit auch für gute Aufträge bei Unternehmen. Berücksichtigt man, dass vier von fünf Arbeitsplätze vom Binnenmarkt abhängen, lässt sich daran die Bedeutung einer robusten Binnennachfrage für die deutsche Wirtschaft ablesen.

Reallohnentwicklung in Deutschland seit 2008

2016 nahmen die Löhne in Deutschland um 2,3 Prozent zu, die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent. Damit stiegen Reallöhne um 1,8 Prozent. Grafik: DGB; Zahlen: destatis

Steigende Reallöhne sind Zeichen für einen wachsenden und dynamischen Markt

Doch damit nicht genug: Gerade in Zeiten, in denen mit Trump & Co. die globalen Risiken zunehmen, werden binnenwirtschaftliche Wachstumskräfte wichtiger, um den globalen Verwerfungen entgegenzutreten und Jobs, Einkommen und Wohlstand in Deutschland zu sichern. Reallohnzuwächse als Zeichen für einen wachsenden und dynamischen Markt stellen den Unternehmen wachsende Umsätze und damit Gewinne in Aussicht. Volle Auftragsbücher veranlassen zu mehr Investitionen und schaffen Arbeitsplätze.

Die gute Binnennachfrage in Deutschland ist nicht nur gut für uns. Sie beflügelt auch Importe und hilft somit unseren europäischen Handelspartnern, sich wirtschaftlich zu stabilisieren und außenwirtschaftlich ihre Defizite mit höheren Exporten nach Deutschland abzubauen. Stabilisiert sich die wirtschaftliche Lage in Gesamteuropa, dann profitiert auch die deutsche Exportwirtschaft.

Dauerhafte Exportüberschüsse treiben andere Länder in die Verschuldung

In Deutschland ist in der Vergangenheit die Bedeutung solcher volkswirtschaftlicher Zusammenhänge aus dem Blick geraten. Man feierte sich liebst als Exportweltmeister und belächelte die Länder, die binnenwirtschaftlich ausgerichtet sind und/oder ein außenwirtschaftliches Defizit aufweisen. Doch es gibt keinen Anlass zur Überheblichkeit. Auch dauerhafte Exportüberschüsse sind schädlich, treiben andere Länder in die Verschuldung und machen die eigene Wirtschaftsentwicklung anfällig für weltwirtschaftliche Turbulenzen. Bricht der Absatzmarkt im Ausland ein, hat dies fatale Folgen für die exportorientierte Wirtschaft.

Höhere Staatsausgaben befeuern Investitionen von Unternehmen

2016 erreichten die Exportüberschüsse trotz Reallohnzuwächsen erneut Rekordstände. Allein gute Lohnzuwächse scheinen die Exportüberschüsse nicht aufzuhalten. Doch der private Konsum kann auch durch eine steuerliche Entlastung der unteren und mittleren Einkommen bei gleichzeitiger höherer Besteuerung der Top-Verdiener gestärkt werden. Auch der Staat kann die Binnennachfrage mit höheren Ausgaben für Investitionen, Sozialleistungen und vieles mehr zusätzlich befeuern. Erhöhen Staat und private Haushalte ihre Ausgaben, erhöhen auch Unternehmen ihre Investitionen.

Trotz guter Lohnentwicklung: Die weitere Stärkung der Binnennachfrage in Deutschland bleibt auch 2017 eine wichtige Aufgabe für alle politischen Akteure.


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