Deutscher Gewerkschaftsbund

16.12.2015
arbeitsmarkt aktuell 10/2015

Jobverlust bei Älteren: Kaum Chancen auf Wiedereinstieg

Zur Arbeitsmarktsituation Älterer: Erwerbstätigkeit Älterer steigt, aber ungelöste Probleme mit Arbeitslosigkeit und sozialer Polarisierung beim Altersübergang

Es ist paradox: Die Situation älterer Beschäftigter hat sich verbessert – nur ältere Arbeitslose profitieren davon praktisch gar nicht. Eine DGB-Studie konstatiert "mangelnde Chancen auf Wiedereingliederung", wenn der Job im Alter erst einmal weg ist.

Älterer Mann blickt aus Fenster

Colourbox.de

Buntenbach: Mehr tun, um Arbeitslosigkeit Älterer von vornherein zu verhindern

"Es ist paradox: Die Beschäftigungssituation Älterer ist zwar besser geworden, aber ältere Arbeitslose profitieren nicht davon", erklärt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. "Im Schnitt verlängert sich die Dauer ihrer Arbeitslosigkeit sogar." Dabei verfügten 55 Prozent der älteren Langzeitarbeitslosen über eine Berufsausbildung, 12 Prozent über eine akademische Ausbildung, wie eine DGB-Untersuchung zeigt (arbeitsmarkt aktuell 10/2015, Download weiter unten). "Es muss also weitaus mehr getan werden, damit ältere Arbeitnehmer erst gar nicht arbeitslos werden", so Buntenbach.

Denn die DGB-Untersuchung zeigt: Die so genannten rentennahen Jahrgänge sind weiterhin "vollkommen unzureichend" in sozialversicherungspflichter Beschäftigung. Der Übergang zwischen Erwerbsaustritt und Renteneintritt bedeutet für viele immer noch längerfristige Arbeitslosigkeit und damit drohende Altersarmut.

Ein weiteres Problem: Die Arbeitsmarktchancen der Älteren sind, je nach Qualifikation, immer ungleicher verteilt. Während sich die Beschäftigungssituation besser Qualifizierter sich immer positiver entwickelt hat, hat sie bei Älteren ohne Berufsausbilung stagniert oder hat sich sogar verschlechtert. Die DGB-Studie spricht von einer zunehmenden "Polarisierung entlang des Qualifikationsniveaus" bei der Gruppe Älterer Beschäftigter und Arbeitsloser.

Weiterbildung ist ein Schlüssel - Kündigungsschutz nicht antasten

"Wir brauchen mehr betriebliche Weiterbildung auch für Ältere", fordert Buntenbach. Diese könne sogar durch die Arbeitsagenturen unterstützt werden.  "Die Arbeitsbedingungen müssen altersgerecht weiterentwickelt werden und wir brauchen mehr betriebliche Gesundheitsförderung. Vor allem darf in dieser Situation der Kündigungsschutz nicht infrage gestellt werden. Diese Diskussion verbietet sich."

Buntenbach: Mittel der Arbeitsagenturen und Jobcenter deutlich erhöhen

"Darüber hinaus muss mehr getan werden, wenn die Menschen bereits arbeitslos sind. Die finanziellen Mittel der Arbeitsagenturen und Jobcenter müssen wieder deutlich erhöht werden", so Buntenbach weiter. "Außerdem müssen ältere Arbeitslose Förderangebote bekommen, die ihnen wirklich etwas bringen – im Zweifelsfall also nicht das dritte Bewerbungstraining, sondern eine, auf die Situation des Arbeitslosen zugeschnittene längerfristige Förderung. Notfalls müssen auch öffentlich geförderte Arbeitsplätze angeboten werden."

Mehr Infos in Ausgabe 10/2015 von "arbeitsmarkt aktuell":


DOWNLOAD


Nach oben

Weitere Themen

"Wir ha­ben kein all­ge­mei­nes Kon­junk­tur­pro­blem, wir ha­ben ein In­ves­ti­ti­ons­pro­blem"
Yasmin Fahimi sitzt am Schreibtisch
DGB/Dominik Butzmann
Die Bundesregierung senkt die Wachstumsprognose, die Wirtschaft stagniert. Höchste Zeit, sich endlich von der lähmenden Schuldenbremse zu verabschieden, die Nachfrage durch massive Investitionen zu stärken und die Energiepreise zu dämpfen.
zur Webseite …

Schwar­ze Null, Schul­den­brem­se und In­ves­ti­tio­nen
Grafik Aktienkurs mit Zahlen, Kurven und Münzstapel
DGB/Pop Nukoonrat/123rf.com
Alle reden von der Schwarzen Null und der Schuldenbremse. Doch was ist das genau? Warum ist der aktuelle Sparkurs der Regierung schädlich für Konjunktur, Wirtschaft und Gesellschaft - und was muss stattdessen passieren? Alle Hintergründe und Positionen des DGB im Überblick.
weiterlesen …

Stär­ke­re Ta­rif­bin­dung: Deut­li­che Mehr­heit sieht Po­li­tik in der Pflicht
Grafik mit Tarifvertrag-Icon auf roten Untergrund mit petrol-farbenen Pfeilen, die leicht nach oben zeigen.
DGB
Klares Signal für die Tarifwende: 62 Prozent der Beschäftigten wollen, dass sich der Staat stärker für eine höhere Tarifbindung einsetzt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Forsa-Umfrage. DGB-Vorstand Stefan Körzel sieht darin einen eindeutigen Handlungsauftrag an die Bundesregierung für ein wirksames Bundestariftreuegesetz.
Zur Pressemeldung

#Ta­rif­wen­de: Jetz­t!
Infografik mit Kampagnenclaim "Eintreten für die Tarifwende" auf roten Untergrund mit weißen Pfeil, der leicht nach oben zeigt.
DGB
Immer weniger Menschen arbeiten mit Tarifvertrag. Die Tarifbindung sinkt. Dadurch haben Beschäftigte viele Nachteile: weniger Geld und weniger Sicherheit. Wir sagen dieser Entwicklung den Kampf an – zusammen mit unseren Gewerkschaften – und starten für dich und mit dir die Kampagne #Tarifwende!
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
einblick DGB-Infoservice hier abonnieren
DGB/einblick
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …