Deutscher Gewerkschaftsbund

18.03.2021
klartext 10/2021

Greensill-Pleite legt erneut Schwächen bei Regulierung offen

Die bis vor kurzem noch ziemlich unbekannte Bremer Bank Greensill musste wegen drohender Überschuldung geschlossen werden. Sie lockte Kunden mit übermäßig hohen Zinsversprechen und wird verdächtig, ihre Bilanzen gefälscht zu haben. Nun bangen viele Anleger um ihr Erspartes. Das zeigt wieder einmal, welche erheblichen Schwachstellen die Regulierung der Finanzmärkte hat.

Grafik Abwärtskurs an der Börse

DGB/Setsiri Silapasuwanchai/123rf.com

Wegen Überschuldung geschlossen

Bis vor kurzem war die Bremer Bank Greensill wohl nur einem kleinen Kreis bekannt. Doch nun geriet das Finanzinstitut durch negative Schlagzeilen in die Öffentlichkeit. Anfang März hat die zuständige Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) das Bremer Finanzhaus wegen drohender Überschuldung geschlossen und hat jetzt auch das Insolvenzverfahren eingeleitet.

Wie ein Kartenhaus zusammengefallen

Die Greensill Bank lockte Kunden mit übermäßig hohen Zinsversprechen – allein das sollte Warnsignal genug sein - und finanzierte so das Geschäft der britisch-australischen Muttergesellschaft, die wiederum im Bereich der Lieferketten-Finanzierung stark engagiert war. Als nun jüngst einige Geschäftspartner mögliche Ausfallrisiken der Bank nicht mehr absichern wollten, fiel das wacklige Geschäft wie ein Kartenhaus zusammen.

Große Bilanzfälschungen

Doch damit nicht genug: Es steht der Verdacht im Raum, dass in der Vergangenheit wohl auch die Bilanzen zum Schein aufgehübscht wurden, um Unregelmäßigkeiten in den Büchern zu kaschieren. Bereits Anfang 2019 gab es Hinweise auf Bilanzfälschungen. So explodierte die Bilanz des Unternehmens auf wundersamer Weise innerhalb eines Jahres um das Fünffache. Die BaFin wurde hellhörig und untersuchte den Fall, durfte aber lediglich aufgrund eines bis dato unbestätigten Anfangsverdachts damit nicht an die Öffentlichkeit.

Anleger müssen um Ersparnisse bangen

Der Schaden ist immens. Etliche Anleger haben ihr Geld bei der Greensill Bank deponiert. Zinsportale und Einlagenvermittler haben offensiv für die Bank geworben und so gut drei Milliarden private Ersparnisse in die Bank gelenkt. Kunden legten ihr Erspartes auch im guten Glauben bei der Pleitebank an, dass es sich hierbei um ein seriöses und solides Finanzinstitut handele.

Balkendiagram:

DGB, Quelle: Bloomberg

Ratingagenturen gaben Bestnoten

Bis zuletzt attestierten Ratingagenturen dem Geldhaus Bestnoten. Wie sich jetzt zeigt, zu Unrecht. Dank der gesetzlichen Einlagensicherung und dem Sicherungsfonds privater Banken sind diese Einlagen zum Glück abgesichert.

Kommunen droht riesieger Verlust

So weit, so gut: Doch für nicht-private Anleger kommt es nun knüppeldick, denn diese fallen nicht unter den Einlagenrettungsschirm: Viele Kommunen nutzten die Lockangebote der Greensill Bank, um liquide Mittel dort anzulegen, wohl auch, da kommunale Einlagen anderenorts meist mit Strafzinsen belegt werden. Oftmals „halfen“ den Kommunen dubiose Finanzvermittler bei der Geldanlage.

Vor allem die Stadt Monheim hat einen üppigen Betrag bei der Pleitebank geparkt (siehe Abbildung). Rund 500 Millionen Euro kommunaler Gelder sollen es in Summe sein. Verlorene Mittel, die nun anderweitig fehlen. Die betroffenen Kommunen erwägen jetzt rechtliche Schritte gegen die Aufsichtsbehörden und Finanzbroker.

Wir brauchen endlich eine effektive Regulierung der Finanzmärkte

Das gesamte Ausmaß des Finanzskandals ist aktuell noch nicht absehbar. Der Fall zeigt wieder einmal eindrücklich, dass die Regulierung und Aufsicht der Finanzmärkte erhebliche Schwachstellen hat.

Deshalb müssen die zuständigen Behörden qualitativ und personell besser ausgestattet werden.Zudem braucht es endlich eine effektive Regulierung der Finanzmärkte mit gut kapitalisierten Banken. Auch sollte die Rolle von Zinsplattformen überprüft und hinterfragt werden.


Nach oben

Weitere Themen

Imp­fen und Tes­ten: Was gilt für Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer?
Ärztin bereitet Corona-Impfung vor
DGB/colourbox/Markus Mainka
Wir erklären die Sars-CoV2-Impfverordnung und beantworten wichtige arbeitsrechtliche Fragen rund um die Corona-Schutzimpfung. Zudem gibt es einen Ratgeber für Betriebsräte und Beschäftigte zu den Corona-Tests.
weiterlesen …

Co­ro­na-Imp­fung und was Be­schäf­tig­te da­zu wis­sen müs­sen
Ärztin mit Spritze
DGB/Simone M. Neumann
In Deutschland wird gegen Corona geimpft. Wir beantworten, was Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jetzt wissen müssen. Zum Beispiel, welche Berufsgruppen zuerst geimpft werden können.
weiterlesen …

Co­ro­na-Kin­der­kran­ken­geld: Wer es be­komm­t, wie es be­an­tragt wird
Vater mit zwei kleinen Kindern, staubsaugen gemeinsam den Küchenboden
Colourbox.de
Eltern, die wegen Kita-Schließungen oder Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie ihre Kinder betreuen müssen, können dafür jetzt Kinderkrankengeld beziehen. Pro Elternteil gibt es 20 Tage für jedes Kind im Jahr 2021, für Alleinerziehende 40. Wir erklären, wer das "Corona-Kinderkrankengeld" bekommt und wie es beantragt wird.
weiterlesen …

Co­ro­na als Be­rufs­krank­heit? Bei der Ar­beit an CO­VI­D-19 er­krankt
Drei Bauarbeiter*innen / Handwerker*innen mit Schutzhelm und Mund-Nasen-Schutz; blicken mit verschränkten Armen nach links
DGB/123rf.com/visoot
Wer auf der Arbeit an Corona erkrankt, sollte dies als Berufserkrankung, bzw. als Arbeitsunfall bei der Unfallversicherung melden. Infos zu Anerkennung und Co.
weiterlesen …

Min­dest­lohn 2021/2022: Was än­dert sich?
Münze mit Prägung des Schriftzugs Mindestlohn
DGB/Bartolomiej Pietrzyk/123RF.com
Wie hoch ist der Mindestlohn im Jahr 2021? Wie hoch ist der Mindestlohn 2022? Wann wird er erhöht? Und welche Ausnahmen gelten beim Mindestlohn in 2021 und 2022? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
weiterlesen …

Co­ro­na: Al­les, was Be­schäf­tig­te jetzt wis­sen müs­sen
Mikroskopaufnahme Corona-Viren
DGB/Kateryna Kon/123rf.com
Die Corona-Pandemie hält an. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stellen sich immer wieder neue Fragen. Wir haben die wichtigsten Antworten.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Newslet­ter
Anzeige eines Newsletteranzeige in Outlook
DGB
Bestellen Sie die Newsletter des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten