Deutscher Gewerkschaftsbund

22.03.2018
klartext 11/2018

Ist die US-Steuerreform ein Vorbild für Deutschland?

Die Wirtschafts-Spitzenverbände fordern eine Senkung der Unternehmenssteuern. Als Vorbild dient die US-Steuerreform, in der die Steuern von 35 auf 15 Prozent gesenkt wurden. Der DGB-klartext warnt vor einer Steuersenkung, da die Steuereinnahmen für Bildung, Verkehr und Soziales benötigt werden. Dennoch gibt es einige Aspekte, die sich die Bundesregierung genauer anschauen sollte.

Männer auf Stapeln von Münzen, arm und reich

Colourbox.de

Arbeitgeber fordern Steuersenkung

Die neue Bundesregierung war noch nicht im Amt, da trommelte die Arbeitgeberlobby schon für eine weitere Senkung der Unternehmenssteuern. Deutschland könne sich vom globalen Wettbewerb um die besten Rahmenbedingungen für Unternehmen nicht abkoppeln, heißt es in einem neuen Papier der vier Wirtschafts-Spitzenverbände.

US-Steuerreform bringt Anreize für deutsche Unternehmen

Das spielt auf die im Dezember beschlossene Steuerreform in den USA an. „Wenn die Politik verhindern will, dass Arbeitsplätze und Investitionen verlagert werden, muss sie die Steuern senken“, forderte schon damals Clemens Fuest vom ifo Institut auch für Deutschland. Die US-Reform bringe auch Anreize für deutsche Unternehmen, mehr Gewinne in den USA auszuweisen und weniger Steuern in Deutschland zu zahlen, so der Wirtschaftsforscher.

Niedriger Steuersatz führt nicht zu mehr Investitionen

Richtig ist, dass viele US-Konzerne damit beginnen, ihre Milliardengewinne wieder beim amerikanischen Fiskus zu deklarieren, statt im Ausland, weil der US-Steuersatz von 35 Prozent auf 15 Prozent gesenkt wurde. Aber das heißt nicht, dass die US-Firmen tatsächlich Kapital aus dem Ausland abziehen, um in den USA zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Häufig werden nur Finanzinvestments von Auslands- auf US-Gesellschaften übertragen, während ohnehin geplante Investitionen wie zuvor aus reichlich sprudelnden Gewinnen finanziert werden.

Grafik: Entwicklung der Ausschüttung der Devidenden der DAX-Konzerne seit 2008

Die deutschen DAX-Konzerne schütten seit Jahren immer mehr Dividenden aus und legen zudem immer größere Aktienrückkaufprogramme auf. Grafik: DGB/ Zahlen: boerse.de

Extraprofite verstärken Aktienrückkauf

Wie das Handelsblatt schreibt, werden die durch die Steuerreform geschaffenen Extraprofite von den Konzernchefs verstärkt in den Rückkauf eigener Aktien gesteckt. So summierten sich im Februar die Rückkaufankündigungen der US-Konzerne auf den Rekordwert von 154 Milliarden US-Dollar. Weniger Aktien im Handel verknappten zwar das Angebot und trieben Börsenwerte und Dividenden je Aktie in die Höhe, positive realwirtschaftliche Impulse lösten sie aber nicht aus (siehe auch Klartext 37/2017).

Kein Grund für Senkung der Unternehmenssteuern

Auch die deutschen DAX-Konzerne schütten seit Jahren immer mehr Dividenden aus (siehe Grafik) und legen zudem immer größere Aktienrückkaufprogramme auf. So handelt nur, wer nicht weiß wohin mit seinem Geld! Aber auch Unternehmen, die es nicht so dicke haben und investieren möchten, kommen nach wie vor an zinsgünstige Kredite. Es gibt also keinen Grund, die deutschen Unternehmenssteuern zu senken. Die Steuereinnahmen werden für Bildung, Verkehr und Soziales gebraucht.

US-Steuerreform als Vorbild für Deutschland

Und doch kann die US-Steuerreform auch ein Vorbild sein: Patent- und Lizenzgewinne in Niedrigsteuerländern und bestimmte Überweisungen an Auslandstöchter, die gerne für das konzerninterne Verschieben von Gewinnen genutzt werden, werden in den USA nämlich künftig mit einer Quellensteuer belegt. Diesen Aspekt der US-Reform, sollte sich die neue Bundesregierung, wirklich genauer anschauen.


Nach oben

Weitere Themen

EU­RO­PA. JETZT ABER RICH­TIG!
Dachmotiv Europawahlkampagne 2019. Europa. Jetzt aber richtig!
DGB
Am 26. Mai 2019 finden in Deutschland die Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften machen sich stark für ein soziales, solidarisches und gerechtes Europa. Warum diese Wahl eine Richtungsentscheidung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist, haben wir hier zusammengestellt.
weiterlesen …

Nur star­ke Ta­rif­bin­dung schafft Gu­te Ar­beit
Wecker und Taschenrechner auf Schreibtisch
DGB/Miss Sateerat Saiket/123rf.com
In ihrem neuen Sozialstaats-Konzept will die SPD auch die Tarifbindung in Deutschland stärken. Der DGB begrüßt die Vorschläge der Sozialdemokraten, fordert aber konkrete und weitergehende Maßnahmen. Denn die Tarifbindung ist eine zentrale Gerechtigkeitsfrage unserer Zeit, schreibt der DGB-Klartext.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …

Themenverwandte Beiträge

Artikel
Unternehmenssteuern: Steuerparadiesen Riegel vorschieben
Großkonzerne zahlen in fast keinem europäischen Land so viel Steuern, wie sie eigentlich zahlen müssten. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Grünen im Europaparlament. "Für die Bundesregierung sollte der Bericht Anlass sein, ihre Prioritäten bei der Unternehmensbesteuerung zu überdenken", sagt der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. Denn jüngst mehrten sich vor allem in der CDU Stimmen, die niedrigere Steuern für Unternehmen fordern. "Anstatt die Körperschaftsteuer zu senken, müssen der unlauteren Gewinnverschiebung in Steuerparadiese wirksamere Riegel vorgeschoben werden", so Hoffmann weiter. weiterlesen …
Artikel
Steuersenkungen für Unternehmen stützen nicht die Konjunktur
Wirtschaftsverbände und ihre Lobbyisten wollen die angeblich lahmende Konjunktur mit Steuersenkungen anheizen. Doch solche Geldgeschenke sorgen nicht automatisch für mehr Unternehmensinvestitionen – sie landen stattdessen oft bei den Aktionären. Wie der Staat mit seinen Steuern gleichermaßen Beschäftige und Unternehmen fördern kann, das erklärt der DGB-klartext. weiterlesen …
Artikel
Sachverständigenrat: Weichen nicht in die falsche Richtung stellen!
Laut dem aktuellen Jahresgutachten des Sachverständigenrats steht Deutschland vor wichtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen. Damit Deutschland nicht aufs Abstellgleis gerät, braucht es eine aktive Industrie- und Strukturpolitik, fordert der DGB-klartext. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten