Deutscher Gewerkschaftsbund

16.07.2019
Informationen für Eltern

Neuer Kindergeldzuschlag: Mehr Geld für die Haushaltskasse

Zum 1. Juli  hat der Gesetzgeber den Kinderzuschlag (KiZ) stark verbessert – und er gilt jetzt auch für Alleinerziehende. Bis zu 185 Euro pro Kind und Monat zusätzlich zum Kindergeld sind möglich. Wir beantworten die häufigsten Fragen und erklären, wie Sie den Zuschlag beantragen können.

Demonstration mit Kindern

DGB/Simone M. Neumann

  • Was ist der Kinderzuschlag?

    Der Kinderzuschlag ist ein finanzieller Zuschuss, der zusätzlich zum Kindergeld ausgezahlt wird. Der Kinderzuschlag steht Ihnen zu, wenn Ihr Einkommen für den eigenen Lebensunterhalt reicht, Sie jedoch finanzielle Unterstützung benötigen, um für den Lebensunterhalt der gesamten Familie zu sorgen. Der Kinderzuschlag wird zusätzlich zum Kindergeld ausgezahlt.

  • Wie hoch ist der Kinderzuschlag?

    Die maximale Höhe beträgt 185 Euro – pro Kind und Monat. Zusammen mit dem Kindergeld (204 Euro im Monat) ergibt sich eine Gesamtleistung je Kind in Höhe von 389 Euro. Übersteigt das Einkommen der Eltern eine gewisse Grenze, dann wird ein Teil des Elterneinkommens angerechnet, das heißt, die 185 Euro werden gekürzt. Den vollen Betrag von 185 Euro erhalten somit Eltern mit niedrigem Einkommen. Mit steigendem Einkommen reduziert sich der Auszahlbetrag und ab einem bestimmten Höchsteinkommen entfällt der Zuschlag ganz.

  • Für welche Kinder gibt es den Zuschlag?

    Sie können den Kinderzuschlag für jedes Ihrer Kinder bekommen,

    • für das Sie auch Kindergeld bekommen,
    • das in Ihrem Haushalt lebt,
    • unter 25 Jahre alt ist
    • und unverheiratet ist.
  • Wer kann den Kinderzuschlag bekommen?

    Ob Ihnen der Kinderzuschlag zusteht, das hängt vor allem von Ihrem Einkommen ab. Das Einkommen muss zwischen einer gesetzlich vorgegebenen Mindesthöhe und einer gesetzlich vorgegebene Höchstgrenze liegen. Sie haben also einen Anspruch auf den Kinderzuschlag, wenn Ihr Einkommen innerhalb einer bestimmen Spanne liegt. Außerdem hängt der Anspruch von der Höhe der Wohnkosten, der Anzahl der Personen im Haushalt und dem Alter der Kinder ab.

     

  • Können auch Arbeitslose den Kinderzuschlag bekommen?

    Grundsätzlich ja, wenn sie Arbeitslosengeld beziehen. Hartz-IV-Leistungen und KiZ können hingegen nicht gleichzeitig bezogen werden. Allerdings kann der Kinderzuschlag helfen, aus dem Hartz-IV-Bezug herauszukommen, wenn noch anderes Einkommen vorhanden ist.

    Bei welchem Einkommen besteht voraussichtlich ein Anspruch?

    Zwei Beispiele sollen Ihnen eine erste Orientierung geben: Eine arbeitslose Alleinerziehende mit einem 8-jährigen Kind, für das Unterhaltsvorschuss bezogen wird, hat bei einer Warmmiete von 550 Euro voraussichtlich einen Anspruch, wenn ihr Arbeitslosengeld zwischen 700 Euro und 950 Euro liegt. Bei einem Paar mit zwei Kindern (8 und 10 Jahre) und einer Warmmiete von 700 Euro muss das Netto-Einkommen der Eltern, also die Summe aus Arbeitslosengeld und gegebenfalls dem Nettoeinkommen des Partners, zwischen 1.400 Euro und 1.950 Euro liegen, damit voraussichtlich ein Leistungsanspruch besteht. Zudem besteht bei diesen Beispielen voraussichtlich auch noch ein zusätzlicher Anspruch auf Wohngeld.

Kinderzuschlag für Arbeitslose: Zwei Beispiel für Alleinerziehende mit einem Kind und ein Paar mit 2 Kindern

Wer Arbeitslosengeld (ALG) bezieht, kann auch den Kinderzuschlag bekommen. Hartz-IV-Leistungen und Kinderzuschlag können hingegen nicht gleichzeitig bezogen werden. DGB/Illustrationen: Robert Stern

  • Der Kinderzuschlag ist nur etwas für Geringverdiener, oder?

    Keineswegs! Falls mehrere Kinder im Haushalt leben und/oder der Haushalt von nur einem Erwerbseinkommen leben muss, dann können Sie einen Anspruch auf den Kinderzuschlag haben, obwohl Sie einen guten Tariflohn verdienen.

    Bei welchem Einkommen besteht voraussichtlich ein Anspruch?

    Zwei Beispiele sollen Ihnen eine erste Orientierung geben: Eine Alleinerziehende mit einem 8-jährigen Kind, für das Unterhaltsvorschuss bezogen wird, hat bei einer Warmmiete von 550 Euro voraussichtlich einen Anspruch, wenn ihr monatlicher Nettolohn zwischen 950 Euro und 1.200 Euro liegt. Bei einem Paar mit zwei Kindern (8 und 10 Jahre) und einer Warmmiete von 700 Euro muss das Netto-Erwerbseinkommen der Eltern zwischen 1.400 Euro und 1.950 Euro liegen, damit voraussichtlich ein Leistungsanspruch besteht. Zudem besteht bei diesen Beispielen voraussichtlich auch noch ein zusätzlicher Anspruch auf Wohngeld.

Kunderzuschlag Erwerbstätige: Beispiel für Alleinerziehende mit Kind und ein Paar mit zwei Kindern

Anspruch auf den Kinderzuschlag haben Eltern, deren Netto-Lohn bzw. deren Netto-Löhne zusammengerechnet in einer bestimmten Spanne liegen. Zudem hängt der Anspruch auch von den Wohnkosten, der Zahl der Kinder und dem Alter der Kinder ab. DGB/Illustrationen: Robert Stern

ACHTUNG: "Begrenzte Haltbarkeit"

Die Aussagen in dieser Info gelten für den Zeitraum vom 1. Juli 2019 bis zum 31. Dezember 2019. Ab dem 1. Januar 2020 treten weitere Verbesserungen in Kraft. Dann erhalten nocheinmal mehr Eltern einen Anspruch auf den Kinderzuschlag. Falls Sie jetzt noch keinen Anspruch haben sollten, lohnt eine neue Prüfung im Jahr 2020.

  • Wie kann ich prüfen, ob auch mir der Kinderzuschlag zusteht?

    Das ist erfreulich einfach! Die Familienkasse bietet im Internet einen „KiZ-Lotsen“ an. Damit können Sie bequem und schnell prüfen, ob sich für Sie ein Antrag auf den Kinderzuschlag lohnt. Der Lotse errechnet zwar nicht, in welcher Höhe voraussichtlich ein Anspruch besteht. Aber der Lotse gibt eine Einschätzung dazu ab, ob voraussichtlich ein Anspruch besteht. Das ganze dauert weniger als 10 Minuten.

  • Auf welchen Zeitraum bezieht sich die Einkommensprüfung?

    Entscheidend ist nicht Ihr monatliches Einkommen zum Zeitpunkt der Antragstellung. Maßgeblich ist Ihr durchschnittliches Einkommen aus den letzten sechs Monaten vor der Antragstellung. Das hat den Vorteil, dass das Einkommen der vergangenen Monate bekannt ist. So kann die Familienkasse abschließend über den Anspruch entscheiden und den Auszahlbetrag festsetzen. Die Bewilligung erfolgt für sechs Monate. Ändert sich Ihr Einkommen, dann hat dies keinen Einfluss auf den bereits bewilligten Kinderzuschlag.

  • Wie wirkt sich Einkommen des Kindes auf den Kinderzuschlag aus?

    Ein Einkommen des Kindes wird teilweise auf den maximalen Zahlbetrag von 185 Euro angerechnet, das heißt, der Auszahlbetrag wird vermindert. Dabei gilt die Regel, dass 45 Prozent des Einkommens des Kindes angerechnet werden. Empfangener Unterhalt vom Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, sowie der staatliche Unterhaltsvorschuss sind die beiden Einkommensarten, die oft vorkommen.

  • Welche Behörde ist für den Kinderzuschlag zuständig?

    Der Kinderzuschlag muss bei der Familienkasse beantragt werden. Die Familienkasse ist die Stelle, die auch das Kindergeld auszahlt.

    Die für Sie zuständige Familienkasse, die bei der Arbeitsagentur angesiedelt ist, finden Sie auf der Seite www.arbeitsagentur.de/familie-und-kinder.

    Die Antragsformulare für den Kinderzuschlag finden Sie hier zum Download (PDF).

     

     

  • Wie hoch ist der Aufwand? Lohnt sich ein Antrag überhaupt?

    Sie müssen Angaben zur Ihrer persönlichen Situation, zur Warmmiete, zum Einkommen und zu Ersparnissen machen. Dazu müssen Sie Formulare ausfüllen und einige Nachweise vorlegen. Ein wenig Aufwand muss also schon betrieben werden, aber der hält sich in Grenzen. Vor allem wenn Sie bedenken, dass Sie dafür sechs Monate lang monatlich pro Kind – je nach dem Einkommen – beispielsweise 80 Euro, 100 Euro oder gar der Höchstbetrag von 185 Euro zusätzlich aufs Konto überwiesen bekommen. Dieses Geld bessert die Haushaltskasse spürbar auf.

    Aber selbst dann, wenn Sie aufgrund Ihres Einkommens nur einen geringen Anspruch auf 20 Euro oder 30 Euro Kinderzuschlag monatlich haben sollten, lohnt es, einen Antrag zu stellen. Denn wenn Sie den Kinderzuschlag bekommen, dann haben Sie Zugang zu weiteren Leistungen und Vergünstigungen. Diese können mehrere Hundert Euro im Jahr wert sein.

GUT ZU WISSEN

Keine Kita-Gebühren! Wenn Ihnen der Kinderzuschlag zusteht, dann profitieren Sie gleich mehrfach: Denn Familien, die Kinderzuschlag beziehen, sind von den KiTa-Gebühren befreit. Ein weiterer guter Grund für Sie zu prüfen, ob Sie einen Anspruch auf den Kinderzuschlag haben.

Anspruch auf Geld für Schulsachen, kostenloses Mittagessen und mehr. Wenn Sie den Kinderzuschlag bekommen, dann haben Sie Anspruch auf weitere Leistungen aus dem sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket. Dazu gehören u.a. das kostenlose Mittagessen in Schulen und KiTas, kostenlose Schülerbeförderung oder Nachhilfeunterricht, sofern erforderlich. Besonders hilfreich sind die Leistungen für Schulsachen: Pro Schulkind und Schuljahr werden 150 Euro ausgezahlt!

Informationen zum Download


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