Deutscher Gewerkschaftsbund

21.11.2012
Sonderauswertung DGB-Index Gute Arbeit

Rentenumfrage: Beschäftigte fürchten um Alterssicherung

Fast 40 Prozent der ArbeitnehmerInnen rechnen nicht damit, dass ihre gesetzliche Rente zum Leben reicht. Das geht aus einer Umfrage des DGB-Index Gute Arbeit hervor. Selbst ein Drittel der Beschäftigten mit einem Einkommen zwischen 2000 bis 3000 Euro glaubt inzwischen nicht mehr an ein gutes Auskommen im Alter. Gut von ihrer Rente leben können werden nach ihrer Einschätzung hingegen nur 17 Prozent, sehr gut gerade mal zwei Prozent der Beschäftigten.

Sonderauswertung DGB Index Gute Arbeit zur Rente

Die Sonderauswertung zum Download. DGB-Index Gute Arbeit

Werden Sie von Ihrer Rente leben können? So beurteilen die Beschäftigten ihre Zukunft: Die Ergebnisse der Repräsentativumfrage des DGB-Index Gute Arbeit (die Studie als PDF finden Sie unten als PDF zum Download).

1. Beschäftigtengruppen

38 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland gehen davon aus, dass sie von ihrer gesetzlichen Rente später nicht leben können werden. 43 Prozent rechnen damit, dass die Rente nur gerade langen wird. Die Spitzenwerte: In der Gruppe der 25- bis 35-Jährigen geht sogar eine Mehrheit von 51 Prozent der Beschäftigten davon aus, dass ihre Rente zum Leben nicht reichen wird, unter den 36- bis 45-Jährigen ist es mit 44 Prozent nahezu jede/r Zweite. Deutlich über dem Durchschnitt liegt der Anteil auch unter den Teilzeit Arbeitenden mit 56 Prozent, unter den befristet Beschäftigten mit 47 Prozent und unter Beschäftigten, in deren Betrieb kein Betriebs- oder Personalrat wirkt, mit 48 Prozent.

Betriebliche Angebote zur Altersvorsorge

Insgesamt 66 Prozent der Beschäftigten geben an, entweder gar keine (30 Prozent) oder nur in geringem Maße (36 Prozent) Angebote zur be­trieb­lichen Alters­vor­sorge zu erhalten. Nur 34 Prozent der Arbeit­nehmer­innen und Arbeit­nehmer bekommen hingegen Angebote, die sie als in hohem (29 Prozent) oder sehr hohem Maße (5 Prozent) ausreichend empfinden. Besonders schlecht trifft es in dieser Hinsicht aus­gerechnet jene, die es am dringendsten nötig hätte – Beschäftigte, die von ihrer gesetz­lichen Rente nicht leben können. Von ihnen erhalten insgesamt 75 Prozent entweder gar keine (37 Prozent) oder nur in geringem Maße (38 Prozent) betrieb­liche Angebote zur Al­ters­vor­sorge.

2. Branchen

Der Handel weist mit 50 Prozent den höchsten Anteil Beschäftigter auf, die davon ausgehen, dass sie von ihrer Rente nicht leben können werden, danach rangieren mit 48 Prozent das Gastgewerbe und mit 47 Prozent das Gesundheits- und Sozialwesen. Auffällig ist aber auch, dass die entsprechenden Anteile in keiner Branche gering ausfallen. Abgesehen von der öffentlichen Verwaltung – aber auch dort beträgt der Anteil mit 18 Prozent nahezu ein Fünftel – liegt der Anteil derjenigen, die mit einer Rente unterhalb ihrer Lebenshaltungskosten rechnen, in keinem Wirtschaftszweig bei weniger als 28 Prozent.

3. Berufsgruppen

Den höchsten Anteil Beschäftigter, deren Rente zum Leben später nicht reichen wird, gibt es mit 66 Prozent bei den Reinigungs- und Entsorgungs- und mit 58 Prozent bei den Einzelhandels-Berufen. Von der anderen Seite her betrachtet: Nur in einer der 22 Berufsgruppen rechnet mehr als ein Drittel der Beschäftigten damit, dass sie von ihrer Rente gut oder sehr gut leben können werden. In fünf der Berufsgruppen liegt dieser Anteil bei 10 Prozent und weniger.

4. Ausbildungsabschluss

Niedrigrenten sind eine Zukunft, die Beschäftigten aller Ausbildungsgrade in jeweils beträchtlichen Anteilen bevorsteht – betroffen sind keineswegs nur Geringqualifizierte. So werden etwa auch 28 Prozent der HochschulabgängerInnen, so wie sie die Lage einschätzen, von ihrer Rente später nicht leben können. Unter den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit einer Meister-, Techniker- und/oder Fachschulausbildung sind es 35 Prozent, unter Beschäftigten, die eine Lehre oder Berufsfachschule absolviert haben, 41 Prozent und damit kaum weniger als unter jenen, die gar keinen berufsqualifizierenden Abschluss (42 Prozent).

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5. Einkommen

Unter den Beschäftigten mit einem derzeitigen Monatseinkommen von Brutto 1.500 Euro*) geht eine Mehrheit von 54 Prozent davon aus, dass ihre Rente später zum Leben nicht reichen wird. Aber auch unter den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die mehr verdienen, rechnen beträchtliche Teile damit, dass sie mit ihrer Rente später kein Auskommen finden werden. In der Gruppe mit derzeit 2.001-3.000 Euro etwa beträgt dieser Anteil immer noch ein Drittel, in der Gruppe mit mehr als 3.000 Euro ein Fünftel haben.
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*) nur danach war gefragt worden

Bilderstrecke: So beurteilen die Beschäftigten ihre Zukunft
Download. Sonderauswertung Rente des DGB-Index Gute Arbeit


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