Deutscher Gewerkschaftsbund

24.08.2011

Arbeitslosigkeit: Ältere mit wenig Chancen auf neuen Arbeitsplatz

Wer als älterer Mensch arbeitslos wird, hat wenig Chancen auf eine neue Beschäftigung. Auch die Diskussion um den demografischen Wandel ändert daran bisher kaum etwas, heißt es im neuen Altersübergangsreport des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ). Nötig sind jetzt altersgerechte Bedingungen in den Betrieben und eine Weiterbildungsinitiative gegen den Fachkräftemangel.

Schlechte Karten für ältere Arbeitssuchende. Der Anteil der neu eingestellten Menschen ab 50 Jahre ist weiterhin erschreckend niedrig - allen Absichtserklärungen rund um den demografischen Wandel und dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel zum Trotz. Zwar stellt diese Gruppe über ein Viertel der Beschäftigten (26 Prozent), doch nur 13 Prozent unter allen neu Eingestellten, so die IAQ Studie. Tatsächlich ist die Zahl der älteren Beschäftigten in absoluten Zahlen gestiegen ist - doch er der Grund dafür sind die nachrückenden geburtenstarken Jahrgänge. Tatsache ist: Bei den über 50-Jährigen geht die Zahl der neu Eingestellten mit jedem Lebensjahr stetig zurück.

Grafik: Anzahl der Neueinstellungen nach Alter 1. Halbjahr 2010 und 1. Halbjahr 2006

Der Trend in den vergangenen Jahren blieb gleich: Je älter, desto weniger Einstellungen. HBS, FNA, IAW/Altersübergangsreport 2011-03

Mit guter Arbeit gesund bis zur Rente

„Die Studie ist ein weiterer Beleg, dass ältere Arbeitslose noch immer extrem schlechte Chancen am Arbeitsmarkt haben“, sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach zu den Ergebnissen des Altersübergangsreports. „Es kommt darauf an, die Beschäftigten mit guter Arbeit, insbesondere alternsgerechten Bedingungen, möglichst bis zur Altersrente gesund im Betrieb zu halten.“. Annelie Buntenbach fordert auch eine Aus- und Weiterbildungsinitiative für Ältere, um den tatsächlichen Fachkräftebedarf abdecken zu können, denn: „Steigende Altersarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Fachkräftemangel ist keine Alternative, sondern ein Unding“.

Die Sozialexpertin im DGB-Bundesvorstand kritisiert dabei besonders die geplante Rente mit 67: „Die Bundesregierung betont permanent die Notwendigkeit längerer Lebensarbeitszeiten. Doch statt gezielt die Voraussetzungen zu schaffen, dass Ältere länger im Job bleiben können, passiert das Gegenteil.“

Bis März dieses Jahres war es für ältere Arbeitslose im Vergleich zum Vorjahr leichter, eine neue Stelle zu finden. Doch jetzt scheint für die Älteren scheint die gute Konjunktur vorbei zu sein: Aktuell steigt die Arbeitslosigkeit bei den über 55-Jährigen wieder an (plus 1,5 Prozent) – während die allgemeine Arbeitslosigkeit im Juli 2011 gegenüber dem Vorjahr um fast acht Prozent zurückging.

Die FDP will Älteren auch noch die Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld kürzen. Wie unsinnig dieser Vorschlag sei, zeigten die Arbeitsmarktzahlen, betont Vorstandsmitglied Buntenbach: „Wenig Chancen und weniger Geld lautet diese Botschaft im Klartext.“


Download: Altersübergangsreport 2011-03


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