Deutscher Gewerkschaftsbund

Rana Plaza: Es fehlen noch 15 Millionen Dollar Entschädigung

Der Einsturz des Rana-Plaza-Komplexes in Bangladesch schockte im April 2013 die Welt: Das Gebäude war mit mehreren Textilfabriken völlig überfüllt. 1.138 Menschen kamen in den Trümmern ums Leben, 2.400 wurden verletzt. Mehr als 30 westliche Unternehmen hatten Textilien und Kleidung im Rana Plaza produzieren lassen, darunter auch fünf deutsche: KiK, Adler Modemärkte, NKD, Guldenpfennig und Kanz-Kids-Fashion. Ein Entschädigungsfonds wurde eingerichtet, doch bis heute haben nicht alle Unternehmen eingezahlt – auch nicht alle deutschen.

Einsturz Rana Plaza

Der Rana-Plaza-Gebäudekomplex nach dem Einsturz – mehr als 3.500 Menschen wurden bei dem Unglück getötet oder verletzt Gewerkschaften helfen e.V.

Abkommen soll Entschädigung regeln, Fonds wird eingerichtet

Um die Opfer und Hinterbliebenen zu entschädigen, vermittelte die Internationale Arbeitsorganisation ILO ein Abkommen. Dieses Abkommen zwischen der Regierung Bangladeschs, Arbeitgeberverbänden aus Bangladesch, den Mitgliedsgewerkschaften der Global Union industriALL aus Bangladesch, einigen Textilmarken und der Clean Clothes Campaign besagte: Die Opfer und Hinterbliebenen werden nach dem ILO-Übereinkommen 121 entschädigt. Dieses internationale Übereinkommen regelt, wie Betroffene oder Hinterbliebene bei Arbeitsunfällen und -erkrankungen entschädigt werden sollten.

Im Dezember 2013 wurde das Abkommen unterzeichnet, im Januar 2014 der Entschädigungsfonds eingerichtet und die deutsche GIZ mit der Umsetzung des Entschädigungsplans beauftragt. Über den Fonds können Ansprüche geltend machen:

  • Verletzte, die durch das Unglück vollständig ihre Erwerbsfähigkeit verloren haben (60% des berechneten Bezugslohnes, ein Leben lang)
  • Betroffene mit teilweisem Verlust der Erwerbsfähigkeit (den Prozentsatz der Einschränkung der Erwerbsfähigkeit für die Dauer der Einschränkung)
  • Unterhaltsberechtigte Angehörige von Todesopfern, vor allem minderjährige Kinder, Witwer, Witwen und verwitwete Eltern (60% bei drei und mehr Unterhaltsberechtigten, 55% bei zwei und 50% bei einem Unterhaltsberechtigten für die Dauer ihrer Unterhaltsberechtigung)
Es fehlen immer noch 15 Millionen Dollar

Ein guter Anfang – allerdings nur dann, wenn der Fonds auch tatsächlich gefüllt wird. Zwar konnten von April bis Juni 2014 die ersten Zahlungen an Betroffene ausgezahlt werden. Allerdings wurde bereits früh anhand der Zahl der Antragsberechtigten die benötigte Summe für den Fonds ausgerechnet: 40 Millionen US-Dollar. Dieser Betrag wurde durch die Zahlungen der Unternehmen, die im Rana Plaza produzieren ließen, nicht annähernd erreicht. Im September 2014 wurde die Zielsummel aufgrund neuer Berechnungen zwar auf 37 Millionen US-Dollar gesenkt – trotzdem fehlen immer noch 15 Millionen US-Dollar.

Opfer der Rana Plaza Katastrophe in Bangladesch

Opfer und Hinterbliebene der Rana-Plaza-Katastrophe bei einer Versammlung im April 2014 – etwa ein Jahr nach dem Einsturz DGB

Viele Firmen zahlen wenig oder gar keine Entschädigung

Das liegt vor allem daran, dass etliche Firmen, die im Rana Plaza produzieren ließen, bisher kaum oder gar nicht in den Fonds eingezahlt haben. Auch ein Aufruf der Entwicklungshilfeminister von Deutschland, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Italien, Dänemark und den Niederlanden im Juni 2014 half nur wenig: Lediglich weitere 2,5 Millionen US-Dollar flossen an den Fonds.

Neben sechs US-amerikanischen und einem kanadischen Unternehmen haben auch 25 europäische Firmen Textilien im Rana Plaza herstellen lassen. Von den fünf deutschen Firmen haben bisher die Adler Modemärkte, NKD und Kanz-Kids-Fashion keinen Cent an den Fonds gezahlt (Stand: 1. September 2014).

Rana Plaza Entschädigungsfonds: Wer hat gezahlt, wer nicht?

Die Karte zeigt alle europäischen Unternehmen, die im Rana Plaza produzieren ließen. Mit einem Klick auf die Fähnchen können Sie selbst checken, ob die Unternehmen bereits in den Entschädigungsfonds für die Opfer und Hinterbliebenen eingezahlt haben – und wenn ja: wieviel?

Quellen: Unternehmensliste von IndustriALL, TUAC, Clean Clothes Campaign (CCC); Neben den hier gezeigten 25 europäischen Unternehmen haben auch sieben nordamerikanische Firmen im Rana Plaza produzieren lassen. Davon haben drei laut der Liste von IndustriALL, TUAC und CCC belegbare Zahlungen geleistet: Walmart eine Million US-Dollar über BRAC USA, das kanadische Unternehmen Loblaws rund 3,3 Millionen US-Dollar sowie das US-Unternehmen The Children's Place geschätzte 450.000 US-Dollar ebenfalls über BRAC USA. Nichts bekannt ist über Zahlungen von Cato Fashions, Ascena Retail, Iconix, und JC Penney. Alle Daten Stand: September 2014. Die Beträge der Zahlungen und geschätzten Zahlungen sowie der Jahresgewinne der europäischen Unternehmen aus der Liste von IndustriALL, TUAC und CCC wurden für die Kartengrafik (Quelle: CC BY-SA 3.0, Wikimedia/Madman2001) nach aktuellem Kurs von US-Dollar in Euro umgerechnet.


 

Weitere Infos

Webseite zum Rana-Plaza-Entschädigungsfonds (The Rana Plaza Donors Trust Fund)

Verein "Gewerkschaften helfen"

Infoseite der internationalen Clean Clothes Campaign zu Rana Plaza (englisch)

Arbeitsbedingungen in Südasien: Infoseite des European Center for Constitutional Human Rights (ECCHR)

 


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Nach Un­glücken: Tex­til­in­dus­trie in Asi­en muss sich dras­tisch än­dern
Näher und Näherinnen, Bangladesch
Gewerkschaften helfen e.V.
Beim Brand in einer pakistanischen Textilfabrik starben 2012 mehr als 250 Arbeiterinnen und Arbeiter, beim Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch in 2013 waren es weit über 1.000. Viele westliche Firmen ließen in den Fabriken produzieren – auch etliche deutsche. Entschädigungen haben bis heute nicht alle gezahlt. Zum Welttag für menschenwürdige Arbeit am 7. Oktober erinnern wir an die Opfer.
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Video


Gewerkschaften helfen den Opfern des Rana-Plaza-Unglücks

Der Verein "Gewerkschaften helfen" unterstützt die Arbeit der Gewerkschaft "National Garments Workers Federation" (NGWF) in Bangladesch für die Opfer und Hinterbliebenen des Rana-Plaza-Einsturzes von 2013. Viele westliche Firmen hatten im Rana-Plaza-Gebäudekomplex produzieren lassen, über 1.100 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Die Dokumentation des Projekts gibt auch Einblicke in den Alltag der Näherinnen in der Textilindustrie des Landes.

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