Deutscher Gewerkschaftsbund

22.06.2011

Privatschulboom vergrößert soziale Spaltung

Die Zahl der SchulabgängerInnen ohne Abschluss soll laut Bundesregierung gesunken sein.  Dafür gehen immer mehr Kinder und Jugendliche auf Privatschulen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warnt vor den Folgen für das Schulsystem und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Der Anteil von SchulabgängerInnen ohne Hauptschulabschluss ist in Deutschland von 8,5 Prozent im Jahr 2004 auf sieben Prozent im Jahr 2009 gesunken. Das schreibt die Bundesregierung im Frühjahr 2011 in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Opposition. Titel: „Soziale Aspekte im Bildungsbereich in Deutschland.“

Wie immer bei der Bildung gibt es auch bei diesen Zahlen starke Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern: So ist der Anteil in Baden-Württemberg von sieben Prozent im Jahr 2004 auf 5,6 Prozent im Jahr 2009 gesunken. In Mecklenburg-Vorpommern dagegen stieg die Zahl der SchulabgängerInnen ohne Hauptschulabschluss in demselben Zeitraum von 9,2 auf 15,4 Prozent! Insgesamt könne also keine Entwarnung gegeben werden. Wie die Regierung aber auch mitteilt, ist der Anteil der SchülerInnen, die private Schulen besuchen, von 5,7 Prozent im Jahr 1992 auf 9,5 Prozent im Jahr 2009 gestiegen. Besonders stark wuchs die Zahl dabei in den neuen Bundesländern an.

Die Gewerkschaften sehen das Engagement der Privatschulen kritisch:

"Vor allem finanzstarke und bildungsbewusste Eltern wenden sich vom staatlichen Schulwesen ab. Sie werden bestärkt von einer Privatschullobby, die mit Unterstützung neoliberaler Bildungsökonomen den Wettbewerb zwischen staatlichen und privaten Schulen als Königsweg zu mehr Qualität im Schulwesen propagiert"

heißt es in einer brandneuen von der GEW in Auftrag gegebenen Studie zu privaten Schulen. Die Konkurrenz um SchülerInnen vergrößere die soziale Ungerechtigkeit des Schulsystems und gefährde den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die GEW hält „diese sozial meist sehr selektiven Schulen und die staatlichen Zuschüsse dafür“ nicht mit dem Grundgesetz für vereinbar so das Ergebnis der Studie.

Kleine Anfrage: Soziale Aspekte im Bildungsbereich in Deutschland (PDF)
GEW-Studie „Die Herausforderung des Schulwesens durch private Schulen"


Aus: Soli aktuell - Monatsmagazin der DGB-Jugend, Ausgabe 6/2011


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Pressemeldung
Hannack: Frühkindliche Bildung verbessern, Kita-Gebühren abschaffen, Bildungsteilzeit einführen
„Der OECD-Bericht zeigt die Baustellen der Bildungspolitik: Wir müssen mehr für die Qualität der frühkindlichen Bildung leisten und gleichzeitig die Kita-Gebühren abschaffen“, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack zum aktuellen OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick 2016". Zur Pressemeldung
Artikel
Das Klassenzimmer der Zukunft
Anfang Mai kommt die GEW zu ihrem 28. Ordentlichen Gewerkschaftstag in Freiburg zusammen. Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe kandidiert erneut und spricht im Interview über digitale Klassenzimmer, Integration durch Bildung und Strategien gegen Rechts. weiterlesen …
Pressemeldung
Neue DGB-Bundesjugendsekretärin gewählt
Manuela Conte wird neue DGB-Bundesjugendsekretärin. Die gelernte Reiseverkehrskauffrau wurde heute vom DGB-Bundesjugendausschuss gewählt. „Ich freue mich auf die Arbeit, gerade in diesem spannenden Jahr der Bundestagswahl“, sagte Conte zu ihrer Wahl. Sie tritt ihr neues Amt am 1. April 2017 an. Zur Pressemeldung

Zuletzt besuchte Seiten