Arbeiten bei Hitze: Jede*r Dritte ist stark oder eher stark belastet
35 Prozent der Beschäftigten in Deutschland fühlen sich durch hohe Temperaturen bei der Arbeit stark oder eher stark belastet. Das zeigt der neue DGB-Index Gute Arbeit Kompakt 03/2026 auf Basis von über 4.000 befragten Arbeitnehmer*innen.
Arbeiten bei großer Hitze stellt eine erhebliche gesundheitliche Belastung dar. Die Gesundheitsrisiken reichen von Konzentrationsstörungen und Erschöpfung bis hin zu potenziell lebensbedrohlichen Lungenproblemen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Besonders betroffen sind Beschäftigte, die im Freien arbeiten, in nicht klimatisierten Innenräumen tätig sind sowie in körperlich oder psychisch besonders beanspruchenden Tätigkeiten. Arbeitsbedingungen verschärfen die Belastung erheblich: Wer sehr häufig unter Zeitdruck arbeitet, ist zu 48 Prozent stark hitzebelastet, gegenüber 23 Prozent bei Beschäftigten ohne Zeitdruck. Bei körperlich schwerer Arbeit steigt die Belastungsquote auf 54 Prozent, gegenüber 26 Prozent ohne körperliche Belastung. Beschäftigte, die täglich mehr als 6 Stunden im Freien arbeiten, sind zu knapp 60 Prozent stark belastet.
Volkswirtschaftliche Kosten von Hitze
Europa erwärmt sich seit den 1980er-Jahren schneller als jede andere Weltregion. In Deutschland nimmt die Zahl der Hitzetage seit den 1990er-Jahren deutlich zu. Bis Ende des Jahrhunderts könnten es regional bis zu 40 Tage pro Jahr sein, an denen Temperaturen von 30 Grad Celsius oder mehr erreicht werden.
Bei Temperaturen über 30 Grad ereignen sich durchschnittlich 8 Prozent mehr Arbeitsunfälle. Pro Hitzetag entstehen in Deutschland hohe betriebswirtschaftliche Kosten, so die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi: "Wenn Arbeitgeber die Kosten durch zusätzliche Arbeitsausfälle, Produktionseinbrüche und Unfälle vermeiden wollen, müssen sie präventive Maßnahmen ergreifen. Die Kosten, die durch fehlende Prävention und mangelhaften Arbeitsschutz entstehen, sind enorm. Jeder Hitzetag kostet unsere Wirtschaft 431 Millionen Euro und erhöht das Risiko für Arbeitsunfälle signifikant. Wir können es uns nicht mehr leisten, untätig zu sein."
Prävention wirkt, wird aber zu selten umgesetzt
Die Befragungsergebnisse zeigen, dass Schutzmaßnahmen wirken. In Innenräumen ohne bauliche Maßnahmen zur Temperaturregulierung fühlt sich die Hälfte der Beschäftigten stark hitzebelastet. Mit entsprechenden Maßnahmen sinkt dieser Anteil auf 20 Prozent.
Das rechtliche Regelwerk ist vorhanden: Die Technische Regel für Arbeitsstätten "Raumtemperatur" sowie die Empfehlung ASR A5.1 für Außenarbeitsplätze enthalten klare Vorgaben für unterschiedliche Arbeitssituationen. Es mangelt nicht an Vorschriften, sondern an der Umsetzung.
Yasmin Fahimi warnt zudem vor einer strukturellen Lücke: "In extremen Fällen wird zukünftig witterungsbedingter Arbeitsausfall nicht ausbleiben. Daher ist der Gesetzgeber aufgefordert, hierfür Regelungen zu finden, die ein Ausfallgeld für Beschäftigte und Arbeitgeber zukünftig solidarisch sichern."
Wie jetzt gehandelt werden muss
Der DGB fordert konsequentes Handeln auf betrieblicher Ebene. Arbeitgeber*innen sind verpflichtet, Hitze als saisonalen Belastungsfaktor in die Gefährdungsbeurteilung aufzunehmen und daraus Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip abzuleiten, das heißt: technische vor organisatorischen vor personenbezogenen Maßnahmen. Hitzeschutz darf nicht erst beginnen, wenn die Temperaturen steigen: Maßnahmen müssen frühzeitig geplant sein, und die Hitzebelastung darf nicht durch andere Belastungen – etwa überlange Arbeitszeiten – ersetzt werden.
Das ist auch eine Frage der Mitbestimmung. Yasmin Fahimi: "Die wirksamsten Lösungen entstehen dann, wenn die Beschäftigten an ihnen beteiligt sind. Das funktioniert am besten in Betrieben mit Betriebs- oder Personalräten. Sie sind die Expert*innen für die eigenen Arbeitsplätze und wissen genau, welche Maßnahmen geeignet sind. Verschattung, bereitzustellende Getränke oder Kleiderordnung können praktische Maßnahmen sein, auf die man sich frühzeitig verständigt."
Alle Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit Kompakt 03/2026 "Arbeiten bei Hitze" hier abrufbar: