DGB-Ausbildungsreport 2026: Starke Interessenvertretung im Betrieb sichert gute Ausbildung
Die duale Berufsausbildung bleibt der zentrale Einstieg in ein qualifiziertes Berufsleben. Die Mehrheit der Auszubildenden bewertet ihre Ausbildung positiv: 65,7 Prozent der befragten Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung “zufrieden” oder “sehr zufrieden”; mit betrieblicher Interessenvertretung liegt der Anteil sogar bei 75,7 Prozent. Zugleich klagt die Hälfte der Auszubildenden über psychische Belastungen, etwa durch Leistungsdruck, hohe Verantwortung oder Personalmangel. Vielfach fehlen Ansprechpersonen in den Betrieben und Berufsschulen.
Dies sind Ergebnisse des neuen Ausbildungsreports der DGB-Jugend, der heute in Berlin vorgestellt wurde.
Ausbildungsmarkt: Verantwortung fair verteilen
So wichtig gute Ausbildungsbedingungen im Betrieb sind: Für viele junge Menschen bleibt schon der Weg in eine Ausbildung mit Hürden verbunden. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack verwies auf die angespannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt:
“Die duale Berufsausbildung ist und bleibt ein Erfolgsmodell. Umso wichtiger ist, dass alle jungen Menschen eine echte Chance auf einen Ausbildungsplatz bekommen. Doch weiterhin haben 2,76 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss. Und nicht einmal mehr 19 Prozent der Betriebe bilden aus – mit spürbaren Folgen für zu viele Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden. Arbeitgeber müssen endlich stärker in die Verantwortung – wer über Fachkräftemangel klagt, muss auch ausbilden. Deshalb brauchen wir eine umlagefinanzierte Ausbildungsplatzgarantie, die Ausbildungskosten solidarisch verteilt, ausbildende Betriebe stärkt und alle Betriebe in die Verantwortung nimmt. Das Bauhauptgewerbe sowie die Länder Bremen und Berlin zeigen, dass dieser Weg möglich ist – jetzt braucht es ihn bundesweit.”
Ausbildungsqualität: Gute Bedingungen sichern Ausbildungserfolg
Im Ausbildungsalltag zeigen sich weiterhin klare Handlungsbedarfe. Mehr als ein Drittel der Auszubildenden leistet regelmäßig Überstunden (35,4 Prozent). 16,3 Prozent müssen “immer” oder “häufig” Tätigkeiten erledigen, die nicht Bestandteil ihrer Ausbildung sind und nicht dem Lernerfolg dienen.
“Junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung, weil sie einen Beruf lernen und darin gut werden wollen. Dafür brauchen sie gute fachliche Anleitung, planbare Arbeitszeiten und Aufgaben, die wirklich zum Ausbildungsziel gehören”, sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger. “Wo Ausbildung gut organisiert ist, steigen Motivation, Zufriedenheit und die Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss.”
Große Unterschiede zwischen den Ausbildungsberufen
Die Ergebnisse variieren je nach Ausbildungsberuf und Branche erheblich. Besonders zufrieden sind Verwaltungsfachangestellte: 81,8 Prozent sind mit ihrer Ausbildung (sehr) “zufrieden”. Auch Mechatroniker*innen, Industriemechaniker*innen und Industriekaufleute bewerten ihre Ausbildung vergleichsweise gut. Deutlich kritischer fallen die Bewertungen bei Hotelfachleuten aus: Hier sind nur 53,6 Prozent “zufrieden”. Auch bei Friseur*innen, Zahnmedizinischen Fachangestellten und Köch*innen zeigen sich niedrigere Zufriedenheitswerte.
Die Mitbestimmung ist ein wichtiger Schutzfaktor im Ausbildungsalltag. Wo Auszubildende auf eine Jugend- und Auszubildendenvertretung, einen Betriebs- oder Personalrat zählen können, werden Probleme eher angesprochen, Rechte besser durchgesetzt und Ausbildungsbedingungen verbessert. Jugend- und Auszubildendenvertretungen tragen dazu bei, dass Ausbildungspläne eingehalten werden und Probleme nicht unter den Tisch fallen.
Mehr Azubis mit Zukunftsängsten - verlässliche Perspektiven sind überfällig
Auch bei der Übernahme braucht es mehr Verlässlichkeit. Mehr als ein Drittel der Auszubildenden (37,1 Prozent) im letzten Ausbildungsjahr weiß kurz vor dem Abschluss immer noch nicht, ob der Betrieb sie übernimmt. Ob junge Menschen eine Chance auf Übernahme haben, hängt dabei stark von Branche und Betrieb ab – und damit oft vom puren Zufall.
Dabei sollte Ausbildung genau das sein: ein verlässlicher Einstieg in eine sichere berufliche Zukunft. Wer kurz vor dem Abschluss nicht weiß, ob es im Betrieb weitergeht, braucht Klarheit und Planungssicherheit. Umso wichtiger sind starke Tarifverträge, die gute Bedingungen sichern und Übernahmefragen regeln.
Schwerpunkt mentale Gesundheit: Ansprechpersonen machen den Unterschied
Diesjähriger Schwerpunkt des Ausbildungsreports ist die mentale Gesundheit von Auszubildenden. Die Hälfte (50,6 Prozent) der Befragten gibt an, psychische Belastungen zu erleben. Mentale Gesundheit hängt dabei eng mit der Qualität der Ausbildung zusammen: “Gute fachliche Anleitung, planbare Arbeitszeiten, ausreichend Zeit für Erholung und Aufgaben, die dem Ausbildungsziel dienen, können Belastungen reduzieren”, sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger. Besonders deutlich wird das bei der Betreuung: Sind Ausbilder*innen immer verfügbar, fühlen sich nur 8,5 Prozent der Auszubildenden hoch belastet. Sind sie selten oder nie erreichbar, sind es 36 Prozent.
Abgefragt wurden Belastungen durch verschiedene Arbeitsanforderungen und -bedingungen: Gut 21 Prozent der Befragten klagen etwa über Leistungs- und Zeitdruck, 19,6 Prozent über Personalmangel im Ausbildungsbetrieb, etwa wenn Anleitung fehlt oder Auszubildende Aufgaben übernehmen müssen, denen sie noch nicht gewachsen sind – sowie 19,2 Prozent über Verantwortungsdruck.
Erfasst wurden außerdem Belastungen im Privatleben: Durch die finanzielle Situation fühlen sich 49,9 Prozent, und durch eine schwierige Wohnsituation 35 Prozent belastet. Auch Nebenjobs, die Pflege von Angehörigen und Kindererziehung wurden als Belastungsfaktoren abgefragt; sie belasten jeweils knapp jede*n zehnten Auszubildenden.
Umso wichtiger ist eine verlässliche Unterstützung, wenn Belastungen auftreten. Aber ein Großteil der psychisch belasteten Auszubildenden (41,7 Prozent) hat niemandem, um über die Probleme sprechen zu können. “Wir brauchen niedrigschwellige Ansprech- und Beratungsangebote, die in solchen Situationen für die Azubis verfügbar sind. Dazu gehören auch verpflichtende Fortbildungen zu mentaler Gesundheit für das Ausbildungspersonal”, fordert Nina Krüger.
Finanzielle Sicherheit ist Grundvoraussetzung für gute Ausbildung
Finanzielle Belastungen spielen für viele Auszubildende eine große Rolle. 65,3 Prozent der Befragten geben an, von ihrer Ausbildungsvergütung “weniger gut” oder “gar nicht” selbstständig leben zu können. Fast ein Drittel ist auf zusätzliche finanzielle Hilfe der Eltern angewiesen, etwa jede*r Achte geht neben der Ausbildung einem Nebenjob nach.
Nina Krüger sagt: “Ausbildung muss jungen Menschen einen eigenständigen Start ins Berufsleben ermöglichen. Wer eine Ausbildung beginnt, braucht eine Vergütung, die zum Leben reicht. Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung bietet dafür bislang keinen ausreichenden Schutz. Gerade angesichts steigender Mieten und Lebenshaltungskosten ist die Bundesregierung gefordert, für eine höhere gesetzliche Mindestausbildungsvergütung zu sorgen. Finanzielle Hürden dürfen nicht darüber entscheiden, ob junge Menschen ihren Wunschberuf erlernen können”.
Die Forderungen der DGB-Jugend auf einem Blick:
- Fort- und Weiterbildungen zu mentaler Gesundheit für Ausbildungspersonal und Berufsschullehrkräfte
- Mindestausbildungsvergütung erhöhen auf mindestens 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung über alle Branchen hinweg
- Azubiwohnheime mit sozialpädagogischer Begleitung bundesweit auszubauen
- Die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss sicherstellen. Ausbildung braucht verlässliche Perspektiven
Zur Studie: Für den Ausbildungsreport 2026 wurden über zwölf Monate bis Mai 2026 insgesamt 13.227 Auszubildende aus den 25 am stärksten besetzten dualen Ausbildungsberufen befragt.
Download
Ausbildungsreport 2026: Schwerpunkt Mentale Gesundheit
Factsheet zum Ausbildungsreport 2026
Statement zum Ausbildungsreport 2026 (Elke Hannack, stellv. DGB-Vorsitzende)
Statement zum Ausbildungsreport 2026 (Nina Krüger, DGB-Bundesjugendsekretärin)