Deutscher Gewerkschaftsbund

27.04.2022

Finanzinvestoren als Kostentreiber

Das IGES Institut hat im Auftrag der KV Bayern ihre Abrechnungsdaten analysiert – und dabei herausgefunden, dass Medizinische Versorgungszentren (MVZ) im Eigentum von Private-Equity-Gesellschaften mehr abrechnen als andere MVZ. Die Studie macht deutlich: Es wird höchste Zeit, die Profitorientierung im Gesundheitswesen auch als Kostentreiber zulasten der Beitragszahlenden zu begreifen.

Geldscheine und Fieberthermometer

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Für Private-Equity-Investoren steht die Renditeorientierung an erster Stelle – das wird jedenfalls beim Blick auf die Webseiten und in die Kataloge entsprechender Private-Equity-Gesellschaften schnell deutlich. Angesichts dessen drängt sich unausweichlich die Frage auf, welchen Einfluss die zunehmenden Übernahmen von Unternehmen im Gesundheitswesen durch Finanzinvestoren auf das Versorgungsgeschehen haben und haben werden. Ein aktuelles Gutachten des IGES Instituts, in dem das Institut im Auftrag der KV Bayern Abrechnungsdaten analysiert hat, zeigt nun zumindest in Bezug auf MVZ in Bayern die Entwicklungsrichtung auf.

Konkret wurden im besagten Gutachten die Abrechnungsdaten von Einzelpraxen mit denjenigen von MVZ und dann noch einmal mit MVZ im Eigentum von Private-Equity-Gesellschaften im Besonderen verglichen. Die Analyse war dabei morbiditätsbereinigt, sprich es wurden unter der Bedingung gleicher Patientenstruktur, gleicher Vorerkrankungen und gleicher Behandlungsanlässe verglichen. Das IGES Institut kam bei den analysierten Arztgruppenfällen zu dem Ergebnis, dass die praxisbezogenen Behandlungskosten je Patient von MVZ um 1,9 Prozent größer sind als von Einzelpraxen – und die von MVZ im Eigentum von Private-Equity-Gesellschaften um 8,3 Prozent größer. Auch beim Vergleich der Honorarvolumen ergibt sich ein ähnlicher Trend. Trotz der Kritik an der Studie – etwa die implizite Setzung von Einzelpraxen als Goldstandard der Versorgung – sollte zumindest der beschriebene Unterschied von 6,4 Prozentpunkten zwischen Private-Equity-MVZ und dem Durchschnitt aller MVZ deutlich aufhorchen lassen. Denn dieser direkte Vergleich innerhalb der gleichen Versorgungsstruktur lässt sich kaum mehr medizinisch erklären.

Kostenmonster Gesundheitskapitalismus

Stattdessen scheinen die Private-Equity-Investoren hier zu halten, was sie in ihren Werbemaßnahmen auch versprechen: Nämlich die konsequente Orientierung an der Maximierung der Renditen, in diesem Fall insbesondere zulasten der Beitragszahlenden in den gesetzlichen Krankenkassen. Diese jedoch sollten sich darauf verlassen können, dass ihre Beiträge für eine gute Gesundheitsversorgung eingesetzt werden – und nicht zur Bedienung renditehungriger Finanzinvestoren. In diesem Sinne ist auch an das Gutachten anzuknüpfen, das zugegebenermaßen nur einen Teilbereich der Versorgung in einem einzigen Bundesland betrachtet.

Es ist überfällig, zunehmende Privatisierungen und Profitorientierung in allen Versorgungsbereichen des Gesundheitswesens systematisch als Kostenfaktor zu begreifen. Das gilt bei Mengenausweitungen und Mehrfachbehandlungen ebenso wie bei überzogenen Preisen für Gesundheitsanwendungen, in der stationären ebenso wie in der ambulanten Versorgung. Letztlich ist der zunehmende Gesundheitskapitalismus ein wachsendes Kostenmonster, das konsequent gebändigt werden muss. Das gilt gerade auch mit Blick auf die Diskussion um Ausgabensenkungen der gesetzlichen Krankenkassen. Denn Versicherte würden davon doppelt profitieren, und zwar als Beitragszahlende der Krankenkassen wie als Patient*innen: Sie könnten sich dann nämlich darauf verlassen, dass nur medizinische und keine privatwirtschaftlichen Überlegungen die Grundlage ihrer gesundheitlichen Behandlungen bilden.


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