Deutscher Gewerkschaftsbund

22.10.2018
Bilanz nach zehn Jahren "Bildungsgipfel"

Große Personallücke an Kitas und Schulen erwartet

...und die Bildungschancen hängen immer noch stark von der sozialen Herkunft ab

Vor genau zehn Jahren verkündeten die Regierungschefs von Bund und Ländern auf ihrem Dresdener Bildungsgipfel das Programm "Aufstieg durch Bildung". Davon wurde vieles erfolgreich umgesetzt, eine banale Tatsache jedoch vergessen: Wer aufsteigt, schafft das Tal nicht ab. Das deutsche Bildungssystem lässt noch immer zu viele Menschen zurück, so der Tenor einer Studie von DGB und Bildungsforscher Klaus Klemm.

LINK
Spiegel Online über die DGB-Studie: "Das leere Versprechen vom Aufstieg durch Bildung"

Demonstranten auf GEW-Demo

DGB/Simone M. Neumann

Große Personallücke in Kitas und Schulen

Ein Ergebnis der Studie: In Kitas und Grundschulen wird bis zum Jahr 2025 eine große Personallücke klaffen – wenn nicht deutlich mehr ErzieherInnen und GrundschullehrerInnen ausgebildet werden als bisher. Würden die Ausbildungszahlen gleich bleiben, fehlen im Jahr 2025 insgesamt 66.000 ErzieherInnen und 32.000 GrundschullehrerInnen.

Weiterhin ungleiche Chancen an weiterführenden Schulen und Hochschulen

Die Bildungschancen von Kindern hängen außerdem immer noch stark von ihrer sozialen Herkunft ab. Kinder aus "sozial starken" Familien bekommen fast vier Mal häufiger eine Empfehlung fürs Gymnasium als Kinder aus (Fach-)Arbeiterfamilien mit vergleichbaren Schulleistungen.

Ähnlich sieht es beim Studium aus: Fast 80 Prozent aller Kinder aus "Akademikerfamilien" beginnen ein Studium, bei Kindern mit mindestens einem Elternteil mit Berufsabschluss und Abitur (aber ohne akademischen Abschluss) sind es schon nur noch 48 Prozent und bei Kindern mit mindestens einem Elternteil mit Berufsabschluss (aber ohne Abitur) nur 24 Prozent.

Weiterbildung: Wer hat, dem wird gegeben

In der Weiterbildung zeigt sich: Gerade die Beschäftigten-Gruppen, für die berufliche Weiterbildung besonders wichtig wäre, haben die geringsten Weiterbildungsquoten: Während nur 41 Prozent der un- und angelernten ArbeitnehmerInnen an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, sind es bei Fachkräften bereits 59 Prozent und in der Führungsebene von Unternehmen sogar 75 Prozent.

Ähnlich sieht es aus beim Zusammenhang von Weiterbildung und Erwerbsstatus aus: Während nur 27 Prozent aller Arbeitslosen Weiterbildungsmaßnahmen erhalten, sind es bei den Erwerbstätigen im Schnitt 56 Prozent.


Die komplette Studie zum

DOWNLOAD

Expertise - Der Dresdener Bildungsgipfel: von unten betrachtet (PDF, 451 kB)

"Der Dresdener Bildungsgipfel: von unten betrachtet", Expertise zur sozialen Spaltung im Bildungssystem von Prof. Dr. Klaus Klemm (Universität Duisburg-Essen) und Matthias Anbuhl (Leiter der Abteilung Bildungspolitik und Bildungsarbeit beim DGB)


Nach oben

Weitere Themen

Min­dest­lohn 2022: Was än­dert sich?
Münze mit Prägung des Schriftzugs Mindestlohn
DGB/Bartolomiej Pietrzyk/123RF.com
Wie hoch ist der Mindestlohn 2022? Wann wird er erhöht? Und welche Ausnahmen gelten beim Mindestlohn in 2022? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
weiterlesen …

Be­triebs­rats­wahl 2022
Zentrales Kampagnenmotiv Betriebsratswahl 2022
DGB
Vom 1. März bis zum 31. Mai 2022 finden in ganz Deutschland Betriebsratswahlen statt. in Zehntausenden Betrieben wählen die Beschäftigten ihre Vertreter*innen in den Betriebsrat. Der Betriebsrat vertritt die Interessen der Arbeitnehmer*innen gegenüber dem Arbeitgeber – und sorgt für Mitbestimmung und Demokratie im Betrieb.
weiterlesen …

Co­ro­na und Kurz­ar­beit: Was Ar­beit­neh­me­rIn­nen und Be­triebs­rä­te wis­sen müs­sen
DGB/kzenon/123RF.com
In der Corona-Krise stellen sich für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer viele Fragen rund um Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld: Muss ich Kurzarbeitergeld beantragen oder mein Arbeitgeber? Was ist, wenn ich während der Kurzarbeit krank werde? Bin ich in der Kurzarbeit weiter sozialversichert und krankenversichert? Kann es auch Kurzarbeitergeld für Teilzeitkräfte und Minijobber geben? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
weiterlesen …

Imp­fung ge­gen Co­ro­na – wie ist das aus ge­werk­schaft­li­cher Sicht zu be­wer­ten?
Spritze undImpfstoff vor verschwommenen Hintergrund
DGB/Anawat Sudchanham/123rf.com
Die aktuelle Lage ist sehr ernst – die Inzidenzzahlen steigen von Tag zu Tag rapide und eine Überlastung des Gesundheitssystems droht. Impfen ist und bleibt der Königsweg aus der Pandemie. Der große Abstand in den Infektions- und Hospitalisierungszahlen von Geimpften und Ungeimpften zeigt deutlich: Ungeimpfte setzen sowohl sich selbst als auch indirekt ihre Mitmenschen einem unnötig großen Infektionsrisiko und letztlich auch Sterberisiko aus.
weiterlesen …

Rei­sen in Co­ro­na-Zei­ten: Was be­deu­tet das für Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen?
Frau mit schwarzer Lederjacke und blondem Pferdeschwanz steht vor Abflugterminal
DGB/kasto/12rf.com
Die Zahl der aktuellen Corona-Infektionen ist enorm. Das betrifft die Bundesrepublik Deutschland, das betrifft aber auch viele Staaten auf der Welt. So ist es allgemein, aber insbesondere bei Reisen in Corona-Zeiten wichtig, nicht nur die Risiken für die eigene Gesundheit, sondern auch die Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis zu minimieren.
weiterlesen …

Co­ro­na als Be­rufs­krank­heit? Bei der Ar­beit an CO­VI­D-19 er­krankt
Drei Bauarbeiter*innen / Handwerker*innen mit Schutzhelm und Mund-Nasen-Schutz; blicken mit verschränkten Armen nach links
DGB/123rf.com/visoot
Wer auf der Arbeit an Corona erkrankt, sollte dies als Berufserkrankung, bzw. als Arbeitsunfall bei der Unfallversicherung melden. Infos zu Anerkennung und Co.
weiterlesen …

ein­blick - DGB-In­fo­ser­vice kos­ten­los abon­nie­ren
Mehr online, neues Layout und schnellere Infos – mit einem überarbeiteten Konzept bietet der DGB-Infoservice einblick seinen Leserinnen und Lesern umfassende News aus DGB und Gewerkschaften. Hier können Sie den wöchentlichen E-Mail-Newsletter einblick abonnieren.
zur Webseite …