Deutscher Gewerkschaftsbund

05.12.2011
Standpunkte zur Hochschule der Zukunft

Leitbild "Demokratische Hochschule" - Doris Ahnen: "Hürden abbauen"

Das Leitbild "Demokratische und Soziale Hochschule“ in der Diskussion

"Die offene Hochschule bietet ein gebührenfreies Erststudium und stellt Studienangebote für unterschiedliche Nutzergruppen und Bildungsbiografien bereit" so die Definition der Rheinland-Pfälzischen Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Doris Ahnen, in ihrem Standpunkt zum "Leitbild Demokratische und Soziale Hochschule". Hans-Böckler-Stiftung, DGB und Gewerkschaften wollen mit ihrem Leitbild eine Alternative zum vorherrschenden Paradigma der unternehmerischen Hochschule bieten und haben zur Standpunkte-Debatte eingeladen.

Touristen vor dem Denkmal Wilhelm von Humboldts vor der gleichnamigen Universität in Berlin.

DGB/Simone M. Neumann

Von Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur in Rheinland-Pfalz

Im „Leitbild Demokratie und Soziale Hochschule“ spiegeln sich wichtige Vorschläge wider, die auch im Zentrum rheinland-pfälzischer Wissenschaftspolitik stehen. Die „Hochschule der Zukunft“ soll in Rheinland-Pfalz eine „Offene Hochschule“ sein. Zahlreiche Maßnahmen wurden bereits auf den Weg gebracht, um die Durchlässig­keit im Bildungssystem zu erhöhen und die Bildungsbeteiligung zu steigern.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung versteht unter einer offenen Hochschule, dass jeder und jede die Chance zum Aufstieg durch Bildung haben soll. Das kommt den Einzelnen sowie der Gesellschaft zu Gute und trägt gleichzeitig dazu bei, den Fachkräftebedarf der Wirtschaft für die Zukunft si­cherzustellen. Offene Hochschule kann nur eine Hochschule sein, die ein gebührenfreies Erststu­dium anbietet. Finanzielle Barrieren dürfen den Zugang zu Bildung nicht erschweren.

„Die offene Hochschule bietet ein gebührenfreies Erststudium und stellt Studienangebote für unterschiedliche Nutzergruppen und Bildungsbiografien bereit"

Die Offene Hochschule nimmt die steigenden Studierendenzahlen als Herausforde­rung an. Die Hochschulen werden so viele junge Menschen wie nie zuvor akademisch qualifizieren müssen. Die rheinland-pfälzischen Hochschulen haben ihre Verpflich­tungen im Rahmen des Hochschulpaktes I mehr als erfüllt und das Land hat selbstverständlich die vollständige hälftige Kofinanzierung der Bundesmittel über­nommen. Gleichzeitig wurde mit dem neuen Hochschulgesetz, das im September letzten Jah­res in Kraft getreten ist, eine der wesentlichen Forderungen der Studierenden aufgegrif­fen und der Zugang zum Master weiter geöff­net. Eine Quote für den Übergang zwischen Bachelor- und Masterstudiengängen ist in Rheinland-Pfalz ohnehin nicht festgesetzt. Die offene Hochschule eröffnet Qualifikationswege für die unterschiedlichsten Bil­dungsbiographien und stellt Studienangebote für unter­schiedliche Nutzergruppen bereit:

Deshalb haben wir in Rheinland-Pfalz

  • den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte so weit geöffnet wie kein, ande­res Bun­desland,
  • die Hochschulen zur großzügigen Anerkennung von außerhochschulischen Qualifikatio­nen gesetzlich verpflichtet,
  • den Zugang zum Weiterbildungsstudium auch ohne ersten Hochschulab­schluss eröffnet,
  • den Ausbau der dualen, berufsbegleitenden Angebote und der Fernstudien­gänge vorangebracht,
  • die Kinderuniversität aufgebaut,
  • Angebote für Schnupper- und Ferienkurse für Schülerinnen und Schüler und
  • das Frühstudium für Hochbegabte und nicht zuletzt
  • Angebote für Seniorinnen und Senioren eingerichtet.

Rheinland-Pfalz will darüber hinaus in einem bundesweit einzigartigen Modellversuch neue Wege erproben, die Hochschulen für beruflich Qualifizierte weiter zu öffnen. Die Offene Hochschule steht im Diskurs mit ihren Studienbewerberinnen und Stu­dienbewer­bern, den Studierenden und den Absolventinnen und Absolventen. Es gilt, im Dialog Stu­dienangebote und Studienbedingungen weiterzuentwickeln und die Schnittstellen Schule/Hochschule sowie Hochschule/Beruf zu gestalten.

Zur Weiterentwicklung des Bo­logna-Prozesses in Rheinland-Pfalz ist an den Hochschu­len eine zügige Überprüfung der neuen Studienprogramme Bachelor und Master erfolgt. Dabei haben alle Hochschulen die Studierenden vielfältig in Fachausschüs­sen für Studium und Lehre oder in eigens eingerichteten Foren eingebunden. In der Studieneingangsphase können Mentoren, Tutoren, Orientie­rungsveranstaltungen und Brückenkurse den Übergang Schule/Hochschule erleichtern und einen Studien­abbruch verhindern.

Darüber hinaus müssen regelmäßige Studierendenbefra­gungen als auch Absolventenbefragungen an dieser Stelle genannt werden. Rheinland- Pfalz fördert landesweite Absolventenbefragungen. Ein Ziel eines Studiums ist sowohl aus individueller als auch aus gesamtgesellschaftlicher Sicht der erfolgreiche Übergang in und die Bewährung auf dem Arbeitsmarkt. Hierzu gilt es, fundierte Erkenntnisse zu gewinnen und ggf. passende Maßnahmen zu ergreifen. Die Offene Hochschule legt transparent Rechen­schaft über ihre Leistungen in Stu­dium und Lehre ab. Dafür muss die Position der Hoch­schulen als Hauptverantwortliche für die Quali­tätssicherung ge­stärkt werden. Den Ländern kommt hierbei die Verantwortung zu, die Hoch­schulen beim Aufbau ihrer Qualitätssiche­rungssysteme zu unterstützen und Anreize zu set­zen. Rheinland-Pfalz hat sich deshalb im Akkredi­tierungsrat nachdrücklich mit Erfolg dafür eingesetzt, die Systemakkreditierung zu vereinfachen und Hürden für die Hochschulen ab­zubauen. Dies sind einige Beispiele, die wir in Rheinland-Pfalz unter unserer Zielsetzung einer Offenen Hochschule verstehen. Diese gilt es in Zukunft fortzuschreiben.

 


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