Deutscher Gewerkschaftsbund

09.02.2021
Arbeitsmarkt: Zahl des Monats

Seit über einem Jahr ohne Arbeit: Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt um 18,2 Prozent

DGB fordert Weiterbildungsoffensive

Fast eine Million Menschen waren im Januar 2021 ein Jahr oder länger arbeitslos. Geringqualifizierte sind besonders betroffen. Mehr als die Hälfte der Langzeitarbeitslosen haben keinen oder keinen verwertbaren Berufsabschluss – gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 37,9 Prozent. Um gegenzusteuern brauchen wir eine Qualifizierungsoffensive und dringend mehr Weiterbildungsangebote.

Wegweiser "Jobcenter" vor blauem Himmel

DGB/Bartolomiej Pietrzyk/123rf.com

Aktuell federt das Kurzarbeitergeld die extremen Belastungen durch die Pandemie überwiegend ab. Die Arbeitslosigkeit steigt insgesamt weniger, als ursprünglich befürchtet. Trotzdem fallen viele Neueinstellungen weg, weil Unternehmen zunächst versuchen, ihre Beschäftigten zu halten.

So steigt die Gefahr der Verfestigung der Arbeitslosigkeit und auch des Anwachsens der sogenannten Sockelarbeitslosigkeit. Aktuell gibt es bereits 265.644 Langzeitarbeitslose mehr als im Januar 2020. Allein 821.113 der aktuell rund 1 Million werden durch Jobcenter betreut. Damit sie wieder in Arbeit vermittelt werden können, fordert der DGB eine Weiterbildungsoffensive.

Arbeitsplätze im Helferbereich fallen weg; Zuwanderung von Fachkräften nimmt ab

Klar ist, dass mit der Digitalisierung und dem Strukturwandel vor allem Arbeitsplätze im Helferbereich wegfallen werden. Genau das sind aber Arbeitsplätze, die vorrangig für Geringqualifizierte zur Verfügung standen. Menschen, die hier ohne Berufsausbildung beschäftigt sind, sind besonders von Arbeitslosigkeit bedroht. Sie haben es zudem ungleich schwerer, wieder in Arbeit zu kommen.

Außerdem: Menschen mit geringer Qualifikation laufen Gefahr, ihre prekäre Situation durch schnelle Vermittlung zu verfestigen und sich so langfristig von der Entwicklung des Arbeitsmarktes abzukoppeln. Dem gilt es dringend gegenzusteuern.

Die Fachkräftezuwanderung wird auf Grund der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen, aber auch wegen der wirtschaftlichen Entwicklung in den bisherigen Herkunftsländern geringer ausfallen wird, als bisher angenommen.

Nach der Pandemie: mehr Fachkräfte gesucht

Es wird erwartet, dass die Wirtschaft nach Ende der Pandemie wieder deutlich stärker wächst. Auch jetzt schon gibt es Wirtschaftsbranchen, die händeringend nach Fachkräften suchen und deren Bedarf weiter steigen wird. Das sind nicht nur Branchen, die im Hochtechnologiesektor zu finden sind, sondern darüber hinaus auch soziale und Dienstleistungsbereiche sowie Bereiche, die in der Vergangenheit schon konstant unter Arbeitskräftemangel gelitten haben.

Forderungen des DGB:
  • Corona-bedingte Arbeitslosigkeit bei gleichzeitigen Strukturveränderungen braucht besondere Maßnahmen, die schnell mit Eintritt der Arbeitslosigkeit greifen müssen, um einen nachhaltigen Wiedereinstieg zu ermöglichen.
  • Das Recht auf berufliche Beratung muss rechtskreisübergreifend verknüpft werden mit dem Recht auf Förderung, wenn Qualifizierung für den nachhaltigen beruflichen Wiedereinstieg notwendig ist.
  • Für Langzeitarbeitslose muss jetzt ein Qualifizierungsvorrang gelten gegenüber einer schnellen Vermittlung.
  • Damit Qualifizierung und Weiterbildung gegenüber einer schnellen Vermittlung auch für Arbeitslose attraktiver wird, fordert der DGB, jetzt einen Qualifizierungsbonus einzuführen, der Weiterbildung belohnt und das Durchhalten einer Qualifizierung auch finanziell unterstützt. Der SGB-II-Regelsatz reicht dafür nicht aus.
  • Es braucht jetzt eine Qualifizierungsoffensive als Voraussetzung für die Sicherung der Wirtschaftskraft und damit auch des Standortes Deutschland.

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