Deutscher Gewerkschaftsbund

28.03.2019
klartext 12/2019

Bankenfusion bringt Risiken und Arbeitsplatzverluste

10 Jahre nach der Finanzkrise forciert die Bundesregierung eine Mega-Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank. Dadurch würde ein Riese entstehen, der im Krisenfall die gesamte Wirtschaft in den Abgrund stürzen könnte. Die Bundesregierung täte gut daran die Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen, schreibt der DGB klartext.

Hochhäuser im Geschäftsviertel im Sonnenschein

DGB/rclassenlayouts/123rf.com

Weltwirtschaft vor dem Zusammenbruch

Vor mehr als 10 Jahren stand die Weltwirtschaft am Rande eines Zusammenbruchs. Staaten mussten mit Milliardensummen marode Banken retten, weil eine Pleite der Finanzhäuser auch die Realwirtschaft ins Chaos gestürzt hätte. Insgesamt hat die Krise den deutschen Steuerzahler auf diese Weise bisher etwa 70 Milliarden Euro gekostet. Begriffe, wie „notleidend“ und „systemrelevant“ machten die Runde und erlangten gar zweifelhaften Ruhm als Unwort des Jahres.

Bankenfusion könnte die Wirtschaft in den Abgrund ziehen

Alles Vergangenheit? Nein! Diese Schlagworte haben nichts an Aktualität verloren. Denn aktuell wird über eine Fusion der schwächelnden Deutschen Bank und der Commerzbank zur drittgrößten Bank Europas diskutiert. Dadurch würde ein neuer Riese entstehen, der im Krisenfall die ganze Wirtschaft in den Abgrund ziehen könnte. Deshalb würde der Staat wohl wieder einspringen.

30.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Doch damit nicht genug: Die Gewerkschaft ver.di rechnet im Falle der Fusion mit dem Verlust von mindestens 30.000 der insgesamt 140.000 Arbeitsplätze. Jede dritte der 1.500 Filialen könnte schließen. Zudem gibt es Zweifel am Erfolg einer fusionierten Bank. Der neue Finanzriese wäre nach der Fusion über Jahre mit der Neuaufstellung beschäftigt, anstatt sich um wichtige Geschäftsfelder und Kernthemen zu kümmern.

Diagramm: Anteil leistbarer Neubauwohnungen in den 77 Großstädten

Quelle: Geschäftsberichte der Banken

Hausgemachte Probleme verschärfen Bankenfusion

Zwar konnten beide Häuser 2018 einen Gewinn verzeichnen, doch die letzten Jahre liefen nicht gut (siehe Abbildung). Dabei sind die Probleme der Banken vorwiegend hausgemacht. Falsche strategische Geschäftsausrichtungen, verloren gegangenes Vertrauen und Milliardenstrafen aufgrund zahlreicher Rechtsstreitigkeiten belasteten die Ergebnisse. Auch haben beide Häuser immer noch mit der Eingliederung der Postbank bzw. der Dresdner Bank zu tun. Hinzu kommen Herausforderungen durch die Digitalisierung und neue Wettbewerber.

Aufbau eines neuen Champions

Forciert wird eine Fusion von der Bundesregierung, die dadurch wieder einen nationalen „Champion“ aufbauen möchte. Beide Banken können einzeln, so die Ansicht, die Anforderungen der Wirtschaft derzeit nicht erfüllen.

Es sind ausreichend Banken für Großprojekte vorhanden

Aber Tatsache ist: Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft sind mittelständische Unternehmen. Für sie ist die Finanzierung aufgrund solider Kapitalausstattung kein Problem. Und bei internationalen Großprojekten gibt es derzeit ausreichend, auch europäische, Geldhäuser, die diese unterstützen. Dafür braucht es keine „Deutsche Commerzbank“. Dort, wo vereinzelt Finanzierungsengpässe entstehen, können Konsortialkredite (unter Beteiligung mehrerer Banken) Abhilfe schaffen. Auch die Rolle der Förderbanken muss gestärkt werden.

Endlich einen Finanzsektor für die Menschen schaffen

Die Bundesregierung täte gut daran, statt neue systemische Risiken heraufzuschwören, ihre Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen und die Regulierung zum Wohle der Finanzstabilität voranzutreiben. So muss u. a. die Bankenunion vollendet werden. Auch die Eigenkapitalvorschriften sind zu lasch. Nach wie vor werden keine Transaktionen auf den Finanzmärkten besteuert. Wir brauchen einen Finanzsektor für die Menschen, keine noch größeren Glaspaläste.


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