Deutscher Gewerkschaftsbund

17.07.2014
klartext 24/2014

Superreiche in die Verantwortung nehmen

Wer kennt schon einen Milliardär persönlich? Über Superreiche ist kaum etwas bekannt. Sie leben in einer eigenen Welt, die auch statistisch kaum erfasst wird. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat jetzt erstmals auch die enormen Vermögen der Top-Verdiener bei der Berechnung der gesellschaftlichen Ungleichheit berücksichtigt. Das Ergebnis: Die Vermögen sind noch viel ungleicher verteilt, als bisher angenommen.

Doch was weiß man sonst über die Welt der Superreichen? Die Schweizer Großbank UBS hat eine Studie in Auftrag gegeben, um mehr über die Reichsten der Reichen zu erfahren. Weltweit gibt es demnach 199.235, also Personen mit einem Netto-Geldvermögen von mindestens 30 Millionen US-Dollar (= 22 Mio. Euro), deren gemeinsames Vermögen im letzten Jahr um fast 8 Prozent auf über 27 Billionen US-Dollar gewachsen ist. Der Superreiche hat also im Schnitt ein Vermögen von fast 140 Millionen US-Dollar, ist fast immer verheiratet, im Durchschnitt 58 Jahre alt und überwiegend männlich. Während 53 Prozent der weiblichen Superreichen ihr Vermögen geerbt haben, haben 70 Prozent der männlichen Superreichen ihr Vermögen selbst verdient. Keine Überraschung hingegen ist es, dass die Superreichen am häufigsten in der Finanzbranche tätig sind. Besitzt der Superreiche einen eigenen Jet, so ist dieser im Schnitt 22 Millionen Dollar wert, eine Yacht käme sogar auf stolze 53,6 Millionen Dollar.

Münzen

DGB/Simone M. Neumann

Riesenvermögen in der Hand weniger

Der Blick auf die Spitze der Vermögenspyramide gewährt interessante Einblicke. Auch hierzulande: Der Vermögenszuwachs der superreichen Deutschen betrug 2013 14,4 Prozent. Die ca. 18.000 Superreichen besitzen zusammen ein Geldvermögen von rund 2,3 Billionen US-Dollar – ohne Yachten oder Gemälde (siehe Grafik).

Superreiche in Deutschland

Gesamtvermögen der Gruppe in Milliarden US-Dollar Grafik; DGB/ Daten: UBS, Wealth-X 2013.

Die Ungerechtigkeit der Verteilung von Vermögen – und damit auch von Chancen – macht jedoch erst der Blick auf den Sockel der Pyramide deutlich: Denn die unteren 50 Prozent der Bevölkerung besitzen noch nicht einmal 0,1 Prozent des Vermögens. Der durchschnittliche Arbeitnehmer in Deutschland hätte schon 284 Jahre vor Christus anfangen müssen, sein gesamtes Einkommen zu sparen, um sich die oben genannte 50-Millionen-Dollar-Yacht zu kaufen. Denn allein der Wert der Yacht entspricht circa 2300 Jahresgehältern des durchschnittlichen Arbeitnehmers in Deutschland.

Vermögenskonzentration abbauen

Die Zahlen über ungerechte Vermögensverteilung in Deutschland zeigen die soziale Schieflage in unserem Land. Jetzt muss endlich gegengesteuert werden! Wir brauchen eine Umverteilung von oben nach unten und einen gezielten Abbau der Vermögenskonzentration. Die Instrumente hierfür sind bekannt: Zum Beispiel die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, eine wirkungsvolle Erbschaftssteuer, eine einmalige Vermögensabgabe sowie die Anhebung der Spitzensteuersätze.

Zukunftsinvestionen finanzieren

Eine höhere Besteuerung der Reichen würde außerdem die Steuereinnahmen und damit den Gestaltungsspielraum des Staates erhöhen. So könnten Teile der dringend benötigten Zukunftsinvestitionen finanziert werden. Auch in Europa. Europas Reiche stärker zur Finanzierung nachhaltiger Investitionen für Wachstum, Beschäftigung und Modernisierung heranzuziehen, wäre ein gerechter Weg aus Europas Krise.


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Artikel
Auch Europas Steueroasen die rote Karte zeigen!
Bei allem Ärger über die jüngsten Steuerskandale im internationalen Fußball: Dass sie öffentlich wurden, zeigt: das Entdeckungsrisiko für Steuerhinterzieher ist erheblich gestiegen. Nun will die Bundesregierung mit einem "Steuer­umgehungs­bekämpfungs­gesetz" für noch mehr Transparenz sorgen - der DGB-Klartext hat sich den Entwurf angesehen. weiterlesen …
Artikel
Steuerpläne von CDU und CSU verschleiern wahre Gewinner
Die CSU will mit ihrem "Bayerntarif" Arbeiter entlasten, die CDU-Mittelstands­vereinigung mit dem "MIT"-Konzept der Durchschnittsfamilie Gutes tun. Doch tatsächlich würden von den Plänen ganz Andere profitieren - und sie würden dem Gemeinwesen Milliarden kosten. Der DGB-klartext. weiterlesen …
Artikel
Deutscher Sparkurs unter Druck
Wolfgang Schäuble ist sauer: Sowohl der Internationale Währungsfonds (IWF) als auch die Europäische Kommission wollen, dass er die "Schwarze Null" aufgibt und die gute Haushaltslage zur Stärkung von heimischen Investitionen nutzt. Weltweit wächst die Erkenntnis, dass lockere Geldpolitik allein nicht ausreicht, um die Euro-Krise zu beenden. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten