Deutscher Gewerkschaftsbund

19.05.2015
Globale Textilproduktion

Hoffmann: Kik-Chef liefert nichts als faule Ausreden

In einem Interview mit dem Handelsblatt weist Heinz Speet, Geschäftsführer des Textil-Discounters Kik, die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern der Kik-Textilien weitgehend von sich. "Was Kik da formuliert, sind nichts anderes als faule Ausreden", erwidert der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann.

Protest gegen den Textildiscounter Kik

Im vergangenen Jahr gab es vor vielen Kik-Filialen Proteste, zum Beispiel von der Kampagne für saubere Kleidung. Hintergrund: Mehr als zwei Jahre nach dem Brand in der Textilfabrik Ali Enterprise im pakistanischen Karatschi (2012) verzögert der deutsche Textildiscounter weiter Verhandlungen über Entschädigungen von Opfern, beziehungsweise deren Hinterbliebenen, wie das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) berichtet. KiK hatte in Karatschi produzieren lassen, beim Brand starben 255 Menschen.Überlebende und Betroffene wollen gegen KiK klagen. Kampagne für saubere Kleidung

Hoffmann: "Geiz ist nicht geil, sondern gefährdet Menschenleben"

"Was Kik da formuliert, sind nichts anderes als faule Ausreden. Andere Textilunternehmen schaffen es, dass ihre Näherinnen zu vernünftigen und sicheren Arbeitsbedingungen arbeiten – ohne dass das viel kostet", erklärte der DGB-Vorsitzende Hoffmann als Reaktion auf Speets Aussagen. "Der Beitritt zum Brandschutzabkommen "Bangladesh Accord" ist richtig, reicht aber nicht aus. Kik sollte dem Textilbündnis beitreten! Die Textilunternehmen müssen endlich die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen entlang ihrer Lieferketten übernehmen. Unternehmen unterziehen ihre Produkte weltweit strengen Qualitätsüberprüfungen. Das muss auch für die Qualität der Arbeitsbedingungen erfolgen, egal ob eine Näherin in Bangladesch arbeitet oder in der Türkei. Geiz ist nicht geil, sondern gefährdet Menschenleben."


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SPIEGEL ONLINE Faktencheck: So biegt sich der Kik-Chef die Fakten zurecht


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„Zwei Jahre nach dem Brand in der Textilfabrik Ali Enterprises im pakistanischen Karatschi verzögert der deutsche Textildiscounter KiK weiter Verhandlungen über Entschädigungen“, berichtet das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR). KiK hatte in Karatschi produzieren lassen, beim Brand starben 255 Menschen. Jetzt wollen Überlebende und Betroffene gegen KiK klagen. zur Webseite …
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