Deutscher Gewerkschaftsbund

02.05.2013

Gedenkfeier zum 2. Mai 1933: Dem Wohl der arbeitenden Menschen verpflichtet

80 Jahre Zerschlagung der freien deutschen Gewerkschaften

Mit einer zentralen Gedenkveranstaltung hat der Deutsche Gewerkschaftsbund in Zusammenarbeit mit der Hans-Böckler-Stiftung an die Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten am 2. Mai 1933 erinnert. DGB-Vorsitzender Michael Sommer würdigte die von den Nazis verfolgten GewerkschafterInnen und ihre Verdienste für das gewerkschaftliche Bekenntnis zu Demokratie und Freiheit. Bundespräsident Joachim Gauck lobte die heutige Sozialpartnerschaft in Deutschland.  Mitbestimmung und Gewerkschaften gehören zum wirtschaftlichen Erfolg der Bundesrepublik, betonte der Bundespräsident.

Nach dem 2.Mai 1933 verschleppten SA und SS  viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in Konzentrationslager. Sie wurden gefoltert, nicht wenige wurden ermordet. „Wir gedenken ihrer in Dankbarkeit für ihren Wagemut, ihre Risikobereitschaft, ihren Widerstand!“, sagte DGB-Vorsitzender Michael Sommer. Denn: „Ihnen verdanken wir nicht mehr und nicht weniger als unser Bekenntnis zu Demokratie und Freiheit, ohne das die Gewerkschaften nicht existieren und kämpfen können.“

Michael Sommer bezeichnete die Gewerkschaftseinheit als zentrales Vermächtnis derer, die aus Zersplitterung und Streit in der Weimarer Republik gelernt haben. „Sie war der wichtigste Auftrag, den uns die Häftlinge der Konzentrationslager und Nazi-Gefängnisse auf den Weg gaben. Das ist der Kern der Lehren, die wir gezogen haben. Es ist eine Erkenntnis, die ihre Strahlkraft nicht verloren hat.“

Demokratie und Teilhabe braucht freie Gewerkschaften

„Wir sind hier, weil die Besetzung der Gewerkschaftshäuser am 2. Mai 1933 nicht vergessen werden darf“, betonte Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Gedenkrede. Denn „nur wo es freie Gewerkschaften und freie Arbeitnehmervertretungen gibt, bleiben Demokratie und Teilhabe keine leeren Versprechen, sondern werden sozial verhandelte Wirklichkeit.“

Auch die Sozialpartnerschaft, das konstruktive Miteinander von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, habe sich nach dem Krieg im Westen Deutschlands seit über 60 Jahren bewährt. „Wo nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings keine Demokratie entstehen durfte, da waren auch die Gewerkschaften nicht autonom, da wurden sie zu Werkzeugen einer neuen Diktatur“ – unter dieser Erfahrung einer zweiten und jahrzehntelangen „Entmächtigung“ leide gewerkschaftliche Arbeit in Ostdeutschland bis heute, sagte der Bundespräsident.„Gewerkschaftliche Interessenvertretung ist nicht nur ein verbrieftes Recht, sie ist auch eine Kultur, die gelernt, eingeübt und akzeptiert sein muss“. Der 2. Mai sei ein geeigneter Anlass, sich dies bewusst zu machen, betonte Joachim Gauck. Sein Appell: „Deutschland braucht weiter eine mit Leben erfüllte Interessenvertretung der Arbeitnehmer; es braucht Mitbestimmung in seinen Unternehmen! Deutschland braucht die gelebte Demokratie im Arbeitsalltag! Ich danke jeder und jedem Einzelnen, der sich diesem Ziel verpflichtet fühlt, sei es haupt- oder ehrenamtlich, seit Jahrzehnten oder im entscheidenden Augenblick.“

DGB-Sonderpreise verliehen

Zum 80. Jahrestag der Zerschlagung der Gewerkschaften hatte der DGB auch zwei Sonderpreise für den diesjährigen Wettbewerb gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit "Die Gelbe Hand" gestiftet. Ausgezeichnet wurden zwei Projekte, die sich auf besondere Weise mit dem Thema „Verwischte Spuren – Würde und Widerstand im Alltag“ auseinandersetzten. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach würdigte die Preisträger bei der Festveranstaltung. Mit dem 1. Preis für ihre Collage „1918 – 1945" wurde die ver.di-Jugendgruppe und die JAV der Stadtverwaltung Herne, die DGB-Geschichtswerkstatt Herne und das Schülerprojekt "Kohlengräberland" der Erich-Fried-Gesamtschule Herne ausgezeichnet. Der 2. Preis wurde an das Projekt „2. Mai 1933 – Tatort Duisburg“ der DGB-Jugend Duisburg-Niederrhein vergeben.


Rede Michael Sommer 2. Mai 2013 (PDF, 56 kB)

DGB-Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nazis am 2. Mai 1933


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