Deutscher Gewerkschaftsbund

Dossier Minijobs

25.06.2013

Minijobs reformieren: Raus aus der Armutsfalle

Minijob Gastronomie

DGB/Simone M. Neumann

Der Minijob scheint ein Renner. 7,5 Millionen Beschäftigte arbeiten in so einem Kleinstarbeitsverhältnis und verdienen bis 450 Euro im Monat. Doch die Kleinstjobs sind keine Brücke in reguläre sozialversicherte Beschäftigung. Der DGB fordert gemeinsam mit 16 Verbänden und 23 WissenschaftlerInnen eine nachhaltige Reform der Minijobs.

Der Minijob scheint ein Renner. 7,5 Millionen Beschäftigte arbeiten in so einem Kleinstarbeitsverhältnis und verdienen bis 450 Euro im Monat. Das sind fast 20 Prozent aller ArbeitnehmerInnen in Deutschland. Für ein Drittel ist es ein Nebenjob, die Mehrheit - etwa 5 Millionen – auf die 450 Euro als Lebenserwerb angewiesen. Geringfügig Beschäftigte zahlen weder Steuern noch Sozialabgaben – sie haben also brutto für netto!? Das Vorhaben, die Minijobs sogar auf 450 Euro auszuweiten, klingt nach einer satten Lohnerhöhung für MinijobberIinnen. Also alles prima? Ganz im Gegenteil:

Minijobs sind keine Brücke in den Arbeitsmarkt, also in reguläre Beschäftigung.

  • Minijobs sind eine der wesentlichen Barrieren für Frauen auf dem Weg zu einer eigenständigen Existenzsicherung und langfristig für sie ein enormes Risiko. Denn sie erwerben weder Ansprüche auf Renten noch auf Arbeitslosengeld I.
  • Die soziale Sicherung ist unzureichend, eine eigenständige Existenzsicherung ist nicht zu erwirtschaften. Es drohen Armut trotz Job und später Altersarmut.
  • Minijobs verschärfen den Niedriglohnsektor. Mehr als drei Viertel der Minijobber und Minijobberinnen arbeiten für einen Stundenlohn von unter 8,50 Euro.
  • Den Beschäftigten werden oftmals Arbeitnehmerrechte vorenthalten.
  • Die Beschäftigten üben häufig ausbildungsferne Tätigkeiten aus, ihre oft gute Qualifikation geht verloren.

Minijobs – ein gutes Geschäft?

Klar ist: Minijobs sind der Motor des Niedriglohnsektors. Geltendes Recht sagt: Teilzeitkräfte dürfen nicht benachteiligt werden. Dies ist aber tägliche Praxis. Von der Steuer- und Abgabenfreiheit profitieren in Wirklichkeit nicht die Beschäftigten, sondern die Arbeitgeber. 

Die Fehlentwicklungen bei den Minijobs werden nur beendet, wenn alle Arbeitsverhältnisse bei der Bezahlung, den Arbeitsbedingungen und der sozialen Sicherung gleich behandelt werden.

Der DGB und seine Partner fordern eine nachhaltige Reform der Minijobs!

Der Aufruf zum Download (PDF, 130 KByte) 










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Annelie Buntenbach: Initiative für eine Reform der Minijobs
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Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied: "Unsere Initiative hat das Ziel, die Minijobmauer zu durchbrechen, reguläre Beschäftigung zu fördern, die Gleichberechtigung zu stärken und den Fachkräftebedarf zu sichern:"

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