Deutscher Gewerkschaftsbund

Öffentlicher Dienst und Beamte

12.12.2013
Interview

Öffentlicher Dienst: Gute Arbeit trotz Schuldenbremse?

Magazin für Beamtinnen und Beamte 11/12 2013

Nur gemeinsam mit den Beschäftigten kann ein guter Arbeitgeber die Landesverwaltungen trotz Zwang zur Haushaltskonsolidierung zukunftsfest machen. Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerpräsidentin des Saarlandes, erläutert im Magazin für Beamtinnen und Beamte, wie der öffentliche Dienst die Herausforderungen durch die Schuldenbremse meistern kann.

Der Regierungsentwurf für das Haushaltsgesetz sieht für 2014 einen Stellenabbau in der saarländischen Landesverwaltung vor. Wie sehen Ihre Pläne für gute Arbeit trotz Schuldenbremse aus? 

Annegret Kramp-Karrenbauer

Saarland.de

Annegret Kramp-Karrenbauer: Ein guter Arbeitgeber, der unter den Vorgaben der Schuldenbremse zu Einschnitten in den Personalhaushalten gezwungen ist, kann die Herausforderungen auf dem Weg zu einer moderneren und effizienteren Landesverwaltung nur gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewältigen. Mit den saarländischen Gewerkschaften haben wir daher am 8. Juni 2013 ein Arbeitsprogramm mit einem Masterplan verabschiedet, der die Leitlinien und Lösungsansätze für die Zukunft des Saarlandes vorgibt und mit über 50 Maßnahmen die Arbeitsbedingungen in der Landesverwaltung nachhaltig verbessert.

Müssen nicht Aufgaben gestrichen werden, um die Arbeitsverdichtung auf ein erträgliches Niveau zu begrenzen?

Wir werden die Personalbedarfs- und Entwicklungsplanungen gemeinsam mit den Beschäftigtenvertretungen bis zum Jahr 2020 fortschreiben. In allen Behörden und Einrichtungen des Saarlandes führen wir mit den Beschäftigtenvertretungen Aufgabenkritik und auch Organisationsuntersuchungen durch. Dabei stehen alle Aufgaben auf dem Prüfstand.

Die künftig freiwerdenden und zur Nachbesetzung anstehenden Stellen werden strukturell so ausgestaltet, dass die Aufgaben auch mit weniger Beschäftigten bewältigt werden können. Wir denken an einen generellen Umbau der vorhandenen Strukturen; den weiteren Ausbau von Dienstleistungszentren im Rahmen von Shared-Service-Lösungen als auch an den Ausbau von Kooperationen. Eventuell müssen wir aber auch erklären, was wir an Aufgaben nicht mehr bewältigen können.

Gleichzeitig werden die Auswirkungen des demografischen Wandels immer sichtbarer, zum Beispiel durch den stetigen Anstieg des Durchschnittsalters der Beschäftigten. Wie kann mit diesen Herausforderungen umgegangen werden?

Die Antwort heißt alterns- und altersgerechte Arbeitsplätze mit familienfreundlichen Strukturen. Eine Arbeitsgruppe „Demografie“ hat eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, wie dieser Herausforderung begegnet werden kann. Ferner sind wir dabei einen 10-Punkte-Plan zur Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements umzusetzen.

Die Privatwirtschaft umgarnt qualifizierte Nachwuchskräfte mit vielfältigen und individuell zugeschnittenen Arbeitsplatzangeboten. Kann der öffentliche Dienst als Arbeitgeber da noch mithalten? 

Der öffentliche Dienst braucht den Vergleich mit der Privatwirtschaft nicht zu scheuen. Der öffentliche Dienst bietet gerade in Zeiten wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen sichere Arbeitsplätze mit planbaren Einkommen. Der öffentliche Dienst verfügt über moderne, abwechslungsreiche und auch familienfreundliche Arbeitsplätze mit weitreichenden Perspektiven der beruflichen Weiterentwicklung. Bei der Gewinnung von Nachwuchskräften muss man diese Vorteile herausstellen und mit der Attraktivität des öffentlichen Dienstes offensiv werben.


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