Deutscher Gewerkschaftsbund

16.10.2015
klartext 41/2015

Energieeffizienz: Jetzt die richtigen Weichen stellen

Die Förderung von Energieeffizienz ist entscheidend für den Erfolg der Energiewende und das Erreichen der Klimaziele. Mehr Effizienz senkt Kosten und schont die Umwelt, sorgt für neue Arbeitsplätze und Berufsbilder. Doch klar ist: Für diese Ziele sind langfristig verlässliche und gut ausgestattete Fördertöpfe nötig, schreibt der DGB-klartext.

Deutschland will die Energiewende. Das ist klug, strategisch sinnvoll und ein zentraler Baustein zur Bekämpfung des Klimawandels. Doch Energiewende heißt nicht nur erneuerbare Energien. Von zentraler Bedeutung ist die Senkung des Energieverbrauchs durch mehr Energieeffizienz. Denn jede nicht verbrauchte Kilowattstunde muss auch nicht produziert, importiert oder transportiert werden. Dadurch werden Kosten für Betriebe und Haushalte gesenkt und die Umwelt geschont. Wird in die Energieeffizienz investiert, entstehen aber auch neue Arbeitsplätze, neue Berufsbilder und zusätzliches, zweifellos wünschenswertes Wachstum. Auch beim Blick über den deutschen Tellerrand wird klar: Eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz kann ein Mittel zur Krisenbekämpfung und Schaffung von Arbeitsplätzen sein. Rund 400 Milliarden Euro gibt die EU jährlich für Energieimporte aus. Wird der Energieverbrauch in der EU gesenkt, können Mittel für andere drängende Herausforderungen wie Zukunftsinvestitionen verwendet werden. Um die Ziele zur Senkung des Primärenergieverbrauchs zu erreichen (siehe Grafik), muss verlässlich und dauerhaft z. B. in energiesparende Anlagen im produzierenden Gewerbe, Dämmung von Gebäuden und in hocheffiziente Heizungssysteme investiert werden. Trotzdem fristet die Energieeffizienz in der Energiepolitik ein Schattendasein.

Primärenergieverbrauch in Deutschland

Bis 2020 – also bereits in weniger als fünf Jahren – soll der Primärenergieverbrauch in Deutschland um 20 Prozent gegenüber 2008 reduziert sein. Bis 2050 soll der Verbrauch sogar halbiert sein. Quelle: DGB; Daten: BMWi 10/2015

Langfristige Förderung und gut gefüllte Fördertöpfe nötig

Das muss sich ändern. Denn in den letzten Jahren war die Förderung der Energieeffizienz wenig verlässlich. Jährlich schwankende Höhen der Fördertöpfe und ein unübersichtlicher Dschungel an Einzelförderprogrammen verunsicherten Bauherren, öffentliche wie private Unternehmen und Investoren. Hier brauchen wir langfristige Förderung und gut ausgestattete Fördertöpfe. Die Beschlüsse der Koalitionsparteien vom Juli dieses Jahres sind daher grundsätzlich zu begrüßen und die eingeplanten 1,16 Milliarden Euro jährlich bis 2020 erst einmal ein guter Anfang. Doch diese Planung muss jetzt aber Aussicht auf eine Verstetigung bekommen und in ein Gesamtkonzept integriert werden.

Keine Standardlösungen möglich

Jedoch ist finanzielle Förderung nicht alles. Oft rechnen sich Investitionen in Energieeffizienz auch von selbst. Aber dadurch, dass die Energieeffizienz auch ein sehr kleinteiliges Thema ist, es Standardlösungen nicht gibt und ihr in einigen Bereichen auch physikalische Grenzen gesetzt sind, gibt es unterschiedlichste Hemmnisse, die eine Steigerung behindern. Deshalb ist es wichtig, Erfahrungsaustausch und wissenschaftlichen Fortschritt auf diesem Gebiet systematisch zu fördern. Initiativen wie z. B. die Energieeffizienznetzwerke des Bundeswirtschaftsministeriums sind erste richtige Schritte in diese Richtung.

Bündnis #effizienzwende fordert Planbarkeit in der Energiepolitik

Eine erfolgreiche Strategie für mehr Energieeffizienz braucht mehr Verlässlichkeit, Übersichtlichkeit und Planbarkeit in der Energiepolitik, aber auch einen Finanzierungsmechanismus, der über die Jahre hinweg Fördermittel bereitstellt. Insgesamt muss die Förderung von Energieeffizienz einen deutlich höheren Stellenwert bekommen. Das wollen und fordern auch die Spitzenvertreter des Bündnisses „Effizienzwende“, das aus DGB sowie Naturschutz-, Verbraucher- und Wirtschaftsverbänden besteht, in der gemeinsamen Erklärung „Für eine wirkungsvolle Klimapolitik – für eine nachhaltige Effizienzwende“. Damit Energiewende auch zum Erfolg wird.

Weitere Infos unter: www.effizienzwende.de


Bilderstrecke: Unterzeichnung der Erklärung des Bündnisses #effizienzwende am 14.10.2015 in Berlin
Der Klartext zum Download

Nach oben

Thema Energieeffizienz

Bun­des­re­gie­rung muss jetzt Wei­chen für Ener­gie­ef­fi­zi­enz stel­len
Colourbox
Ein Jahr nach Verabschiedung des Klimaaktionsprogramms fordern Gewerkschaften, Wirtschafts-, Verbraucher- und Umweltverbände die Bundesregierung auf, mehr in Energiesparmaßnahmen zu investieren. Als gleichrangiges Ziel müsse die Energieeinsparung neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien verbindlich in einem Effizienzgesetz festgelegt werden.
Zur Pressemeldung

Brei­tes Bünd­nis for­dert mehr Ener­gie­ef­fi­zi­enz
DGB/Simone M. Neumann
Das "Bündnis Effizienzwende" fordert von der Bundesregierung mehr Engagement beim Thema Energieeffizienz. Der DGB ist Teil des Bündnisses.
zur Webseite …

Neue Web­sei­te zum Bünd­nis "Ef­fi­zi­en­zwen­de"
DGB/Simone M. Neumann
Das Bündnis "Effizienzwende", dem auch der DGB angehört, diskutiert ab jetzt online mit EntscheiderInnen aus Politik, Wirtschaft und Verbänden sowie interessierten BürgerInnen zum Thema Energieeffizienz.
zur Webseite …

Themenverwandte Beiträge

Bildergalerie
Unterzeichnung der Erklärung des Bündnisses Effizienzwende am 14.10.2015 in Berlin
Ein Jahr nach Verabschiedung des Klimaaktionsprogramms fordern der DGB und viele weitere Verbände die Bundesregierung auf, mehr in Energiesparmaßnahmen zu investieren. Eine entsprechende Erklärung wurde am 14. Oktober 2015 vom Bündnis #effizienzwende unterzeichnet. zur Fotostrecke …
Link
Breites Bündnis fordert mehr Energieeffizienz
Das "Bündnis Effizienzwende" fordert von der Bundesregierung mehr Engagement beim Thema Energieeffizienz. Der DGB ist Teil des Bündnisses. zur Webseite …
Artikel
Europäische Gewerkschaften für ambitionierten Klimaschutz
Auf dem Kongress des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB) haben sich am 1. Oktober Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus ganz Europa für ein ambitioniertes internationales Kliamschutzabkommen ausgesprochen. weiterlesen …

Zuletzt besuchte Seiten