Deutscher Gewerkschaftsbund

13.06.2017
Sonderauswertung DGB-Index Gute Arbeit

Öffentlicher Dienst: Arbeitsbedingungen verbesserungswürdig

Zeitdruck, Personalmangel und Überstunden sorgen für Stress

Um die Arbeitsbedingungen steht es auch im öffentlichen Dienst nicht gut. Zu diesem Ergebnis kommt die Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit. 58 Prozent der Beschäftigten fühlen sich gehetzt, 30 Prozent stehen keine Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung offen. Außerdem weicht die tatsächliche Arbeitszeit oft von der vereinbarten ab.

Verzweifelter Mann im Büro hinter Aktenbergen

DGB/Oleg Dudko/123rf.com

  • 58 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst fühlen sich bei ihrer Arbeit sehr häufig oder oft gehetzt
  • 39 Prozent gehen nicht davon aus, dass sie ihre Tätigkeit bis zur Rente beziehungsweise Pensionierung ausüben können.
  • 54 Prozent machen dafür unter anderem die knappe Bemessung von Personal verantwortlich
  • 50 Prozent sehen die Ursache auch darin, dass oft viele verschiedene Projekte gleichzeitig bearbeitet werden müssen
"Alarmsignal für die Politik"

39 Prozent der im öffentlichen Dienst Beschäftigten geht nicht davon aus, ihre Tätigkeit bis zum Renten- bzw. Pensionseintrittsalter unter den derzeitigen Anforderungen ohne Einschränkungen ausüben zu können. Zu diesem Ergebnis kommt die Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit für den öffentlichen Dienst. "Dem öffentlichen Dienst fehlen nicht nur gut 110.000 Bedienstete*, sondern viele der dort Beschäftigten sehen sich nicht in der Lage, unter den gegebenen Bedingungen bis zum Renten- oder Pensionseintritt zu arbeiten. Das ist ein Alarmsignal, das die Politik ernst nehmen sollte", so die stellvertretende Vorsitzende des DGB, Elke Hannack, zu den Ergebnissen der Auswertung.


Grafik Aktuelle Arbeit und Gesundheitszustand (Beschäftigte im öffentlichen Dienst)

DGB


Ursache und Wirkung

Auch fühlen sich 26 Prozent der Beschäftigten bei der Arbeit sehr häufig und 32 Prozent oft gehetzt oder unter Zeitdruck. Mitursächlich dafür sind für 54 Prozent die knappe Personalbemessung und für 50 Prozent oftmals viele gleichzeitig zu bearbeitende Vorgänge oder Projekte. 


Grafik Psychische, emotionale und soziale Belastungen (Beschäftigte im öffentlichen Dienst)

DGB


Wunscharbeitszeit

Die Befragten wurden auch nach der von ihnen präferierten Arbeitszeit befragt. Diese liegt für fast die Hälfte der Beschäftigten bei 35 bis 40 Stunden in der Woche. Teilzeitarbeit von bis zu 30 Wochenstunden wünschen sich 24 Prozent, und 20 Prozent würden gerne zwischen 30 und 35 Stunden in der Woche arbeiten bzw. ihren Dienst leisten.


 

Grafik Vereinbarte, tatsächliche und präferierte Arbeitszeit (Beschäftigte im öffentlichen Dienst)

DGB


Einstellungs- und Personalpolitik sind A und O

Insgesamt zeigt die Sonderauswertung zu den Arbeitsbedingungen, dass die Personalausstattung eine für einen leistungsfähigen öffentlichen Dienst zu drehende entscheidende Stellschraube ist. „Es muss endlich Schluss sein mit der Personalpolitik der kurzen Sprünge und der vielen Befristungen. Eine zukunftsfähige Personalpolitik muss langfristig angelegt sein. Der öffentliche Dienst braucht dafür Personalbedarfsanalysen und eine entsprechende Personalausstattung. Nur so lässt sich kompetentes Personal aufbauen, binden und langfristig Know-how erhalten. Nur so können die seit Jahren bestehenden Missstände beseitigt werden. Es muss endlich ein Umdenken stattfinden: Ein funktionierender, attraktiver öffentlicher Dienst ist ohne verstärkte Investitionen in Personal und Ausstattung nicht zu bekommen", so Hannack weiter.


Sonderauswertung: Beschäftigte im öffentlichen Dienst (PDF, 1 MB)

Die Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit über die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Angestellten oder Beamtenverhältnis im öffentlichen Dienst. Dabei wurden die fünf Bereiche Weiterbildung und -qualifizierung, Personalausstattung und Arbeitsintensität, Mitgestaltung und Mitbestimmung, Arbeitszeit und gesundheitliche Belastungen näher betrachtet.

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