Deutscher Gewerkschaftsbund

09.01.2017
Einkommen

5 Millionen Beschäftigte: Niedriglohn trotz Ausbildung

Qualifikation schützt nicht vor Armut

Sie haben eine abgeschlossene Berufausbildung, können aber von ihrem Lohn kaum leben: Für mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland ist das Realität. Laut Bundesregierung bekommt jeder fünfte Beschäftigte mit Ausbildung weniger als 10 Euro in der Stunde. Besonders hoch ist der Anteil im Osten.

Mann mit T-Shirt "Arm trotz Arbeit"

DGB/Simone M. Neumann

7,65 Millionen Menschen bekommen Niedriglöhne

Nach Angaben der Bunsregierung haben 2014 rund 7,65 Millionen Beschäftigte (21,4 %) im Niedriglohnbereich gearbeitet. Und das sind längst nicht nur Menschen mit geringer Qualifikation: Ein Großteil der Niedriglöhner hat einen Berufsabschluss. Laut OECD gilt ein Lohn als Niedriglohn, wenn er weniger als zwei Drittel des mittleren Bruttolohns (=Median) beträgt. In Deutschland liegt die Niedriglohngrenze bei 10 Euro brutto in der Stunde bzw. 1.993 brutto im Monat bei Vollzeitbeschäftigung.

Osten: wenig Tarifbindung, viel Niedriglohn

„Arm trotz Ausbildung: Das gilt leider für mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland", kommentiert die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack die Zahlen. "Trotz abgeschlossener Berufsausbildung bekommen diese Menschen weniger als 10 Euro brutto pro Stunde. In ganz Deutschland bekommen mehr als 20 Prozent der Menschen mit einer beruflichen Ausbildung nur einen Niedriglohn. Im Osten sind es fast 40 Prozent. Dort ist die Tarifbindung besonders niedrig."

Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack DGB/Simone M. Neumann

Elke Hannack: "Wenn Millionen Menschen trotz abgeschlossener Berufsausbildung nur wenig verdienen, werden Hochglanzkampagnen für die berufliche Bildung weitgehend wirkungslos verpuffen. Das Handwerk und die Bundesregierung können sich die Millionen für solche teuren PR-Aktionen sparen. Wer über einen vermeintlichen Fachkräftemangel klagt, darf keine Armutslöhne bezahlen."

Duale Ausbildung muss attraktiver werden

"Nur mit einer stärkeren Tarifbindung kann auch die duale Ausbildung wieder attraktiver werden", so Hannack weiter. "Letztlich haben es die Betriebe selbst in der Hand, ob sich junge Menschen für ein Studium oder eine Berufsausbildung entscheiden. Wichtig sind eine gute Ausbildung, ein anständiger Lohn, gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen sowie gute Entwicklungsperspektiven im Beruf.“


LINKS:

bild.de: Trotz Berufsabschluss - Jeder Fünfte bekommt Niedriglohn

Deutscher Bundestag: Drucksache 18/10582 - Niedriglöhne in der Bundesrepublik Deutschland (PDF)

 

 


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