Deutscher Gewerkschaftsbund

18.02.2021
Saisonarbeit in der Landwirtschaft

Mehr Schutz für Erntehelfer/innen

Frisches Obst und knackiges Gemüse – damit diese auf unseren Tellern landen gibt es viele Erntehelfer/innen. Oft arbeiten sie unter miserablen Bedingungen. Damit in der Saisonarbeit nicht ebenso dramatische Zustände wie in der Fleischindustrie entstehen, müssen sie jetzt besser geschützt werden. Eine Ausdehnung ihrer versicherungsfreien Beschäftigung muss verhindert werden.

Nahaufnahme Hand bei der Spargelernte

DGB/Udo Herrmann/123rf.com

Zur aktuellen Diskussion über eine erneute Verlängerung der Fristen für die kurzfristige Beschäftigung für Erntehelfer/innen in der Bundesregierung und entsprechenden Forderungen der Landwirtschaftsverbände sagt Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied:

"Wenn wir in der Saisonarbeit nicht ebenso dramatische Zustände wie in der Fleischindustrie wollen, müssen Erntehelfer besser geschützt werden. Es ist zynisch zu behaupten, eine längere Beschäftigung ohne sozialen Schutz würde zu weniger Infektionen beitragen, weil die Helfer dann seltener getauscht werden müssen: Selbstverständlich können Menschen auch dann länger als 70 Tage bleiben und arbeiten, wenn sie von vornherein sozialversichert sind. Erntearbeit ohne Sozialversicherung ist kein Naturgesetz, sondern Teil des Ausbeutungssystems der Arbeitgeber. Die Bundesregierung darf keinesfalls vor Lobbyisten und Landwirtschaftsverbänden einknicken."

 

Keine Rentenansprüche in der Ernthilfe

DGB/Canva.com

"Eine weitere Verlängerung der Frist für sogenannte ‚kurzfristige Beschäftigung‘ erleichtert Missbrauch. Von unseren Beraterinnen und Beratern vor Ort wissen wir, dass Erntehelferinnen und -helfer oft keiner weiteren Arbeit in ihrem Heimatland nachgehen, was Bedingung für die kurzfristige Beschäftigung wäre. Das heißt in der Folge: Keine Kranken- und Arbeitslosenversicherung, keine Rente. Was eigentlich als Ausnahmeregel für Schüler und Studenten vorgesehen war, wird von den Arbeitgebern gezielt ausgenutzt, um Menschen aus anderen EU-Staaten zu miesen Bedingungen, ohne sozialen Schutz und für wenig Geld zu beschäftigen." 

Kein guter Schutz im Krankheitsfall

DGB/Canva.com

"Auch wenn Erntehelfer nicht in kalten, feuchten Räumen wie Beschäftigte in der Fleischwirtschaft arbeiten, so sind sie doch denselben Infektionsrisiken ausgesetzt: durch die Bedingungen bei der Anreise – dokumentiert sind chaotische Zustände an rumänischen Flughäfen im April 2020  – durch den Transport in vollen Bussen zum Arbeitsort und durch die schlechten Unterkünfte, teils in Containern mit gemeinschaftlich genutzten Toiletten und Duschen. Es ist ein Unding, dass Menschen unter solchen  Bedingungen oft nicht einmal krankenversichert sind. Keinesfalls  darf die Bundesregierung das noch erleichtern, indem sie Fristen für kurzfristige Beschäftigung verlängert."

Unterkünfte sind oft schlecht

DGB/Canva.com

"Die Gewerkschaften fordern, dass die kurzfristige Beschäftigung nur für Schüler und Studenten zulässig sein darf. Sie muss außerdem wieder auf die ursprüngliche Zeitspanne von 50 Tagen im Kalenderjahr begrenzt sein. Diesen möglichen Zeitraum auszuweiten verbietet sich. Dass bei der Ernte in Deutschland das Lohngefälle in Europa so schamlos ausgenutzt wird, muss ein Ende haben. Genau wie in der Fleischwirtschaft gilt: Mobile Beschäftigte verdienen sozialen Schutz. Dazu gehören allem voran Krankenversicherung und Altersvorsorge."

Ein aktueller Beitrag zum Thema Erntehelfer/innen kann beim Mannheimer Morgen nachgelesen werden.


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